Kabel gekappt: Baufirma legte den Zugverkehr in Dorsten irrtümlich lahm

mlzZugausfälle Nordwestbahn

Das kommt die Baufirma teuer zu stehen: Sie soll vergangene Woche das Kabel im Gleisbett der Bahn zwischen Wulfen und Dorsten gezogen haben. Aus Versehen. Die Folgen waren erheblich.

Wulfen

, 04.02.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Bundespolizei suchte Zeugen, die Deutsche Bahn sprach von einem Schaden im fünfstelligen Bereich, als sich am Mittwoch vermeintliche Kabeldiebe am Bahngleis zwischen Wulfen und Dorsten zu schaffen gemacht hatten und ein Kabel auf 800 Metern Streckenlänge „gestohlen“ hatten. Damit wurde der gesamte Zugverkehr im Umkreis lahmgelegt.

Ein mutmaßliches Kupferkabel, für das man auf dem Schwarzmarkt gute Preise erzielen kann, soll gestohlen worden sein. „Das war nicht so“, sagte am Montag Bahnsprecher Dirk Pohlmann auf unsere Anfrage. Nicht Diebe hätten das Kabel entfernt, sondern eine dort legal tätige Baufirma, die in Wulfen für die Modernisierung der Bahnübergänge im Einsatz ist, hatte irrtümlich aber das Licht-Wellen-Leiter-Kabel entfernt. „Die Firma hat nicht sorgfältig gearbeitet“, so der Bahnsprecher. „Wir werden sie für den Schaden in Regress nehmen müssen.“

Mutmaßliches Kupferkabel war ein Licht-Wellen-Leiter-Kabel

Bei der Leitung, die gekappt worden ist, handelte es sich um ein Licht-Wellen-Leiter-Kabel. Das ist für den Bahnverkehr wertvoll, aber für Schwarzmarkthändler wertlos. Dirk Pohlmann erklärte: „Alle Signale und Weichen werden über dieses Kommunikationskabel bedient, außerdem stellt es die Kommunikation über Bordtelefon mit den Zugführern sicher.“

Die irrtümliche Entfernung des Kabels hatte beträchtliche Auswirkungen. Nichts ging mehr im weiten Umkreis von Dorsten, sämtliche Bahnen in Dorsten und auch in Castrop und Herne standen am Mittwoch und bis weit in den Donnerstag hinein still, bis Ersatz zur Verfügung stand.

Erst im Laufe des Donnerstags konnte die Deutsche Bahn Entwarnung geben, nachdem ein Team von Bauarbeitern das Kabel im Gleisbett erneuert hatte. Eine mühselige Kleinarbeit, die Meter für Meter auf einer Strecke von 800 Metern erledigt werden musste.

Container ist offen zugänglich

Währenddessen sorgt ein Foto eines Wulfeners von einem Container am Bahnübergang Burenkamp für Rätselraten. „Sind es Kupferkabel, die hier offen aufbewahrt werden oder alte Leitungen, die nutzlos geworden sind?“, fragte ein Anlieger bei uns und bei der Deutschen Bahn nach.

Die geht der Frage jetzt auf den Grund: „Es darf natürlich nicht sein, dass Kupferkabel für jedermann griffbereit herumliegen“, so Dirk Pohlmann. Man werde bei der bauausführenden Firma nachfragen und notfalls höhere Sicherheitsstandards fordern, damit das kostbare Baumaterial gesichert ist.

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