Zuhause im Container namens "Dorsten"

Flüchtlinge im Irak

Das "Flüchtlingsdorf Ruhrgebiet" in einem nordirakischen Kurdengebiet wächst. Auch ein Wohn-Container namens Dorsten ist bereits bezogen, sein Bewohner findet hier Schutz vor IS-Verfolgern. Die Stadt Dorsten will das Projekt weiter unterstützen.

Dorsten

, 19.04.2016, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

 

Die Häuser seiner Nachbarn sind ebenfalls nach Revier-Städten benannt, nach Duisburg, Herne, Essen oder Mülheim. Das hat einen Grund: Viele Menschen, Vereine, Firmen und Initiativen aus unserer Region haben den Bau des Camps unterstützt. Auch aus Dorsten kamen im vergangenen Jahr zahlreiche Spenden für das so genannte „Flüchtlingsdorf Ruhrgebiet“ zusammen: Mehr als 23 000 Euro wurden von hier aus über zwei städtische Spendenkonten sowie kirchliche Sammlungen überwiesen. Von dem Geld konnten vier Wohn-Container bezahlt werden.

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Initiiert wurde das Flüchtlings-Projekt nahe der nordirakischen Stadt Dohuk von dem kurdisch-stämmigen Bochumer SPD-Landtagsabgeordneten Derdar Yüksel in Zusammenarbeit mit der Caritas-Flüchtlingshilfe Essen. Ziel: Menschen, deren Heimatstädte von dem so genannten Islamischen Staat (IS) komplett zerstört wurden und der etliche Kilometer weiter noch immer wütet, einen sauberen und sicheren Zufluchtsort zu bieten.

Schutz vor Verfolgern

Viele Jesiden finden hier Schutz vor den IS-Verfolgern. Auch Saado Badil Alo, der Bewohner des 30 Quadratmeter großen Dorsten-Containers, stammt laut dem SPIEGEL-Online-Bericht aus einer einst von Jesiden bewohnten Stadt an der Grenze von Syrien, die vom IS verwüstet worden sei. Derzeit leben gut 400 Menschen in den 72 „Ruhrgebiets-Containern, „100 sind unser Ziel“, erzählt Rudi Löffelsend auf Anfrage unserer Zeitung. Er war viele Jahre Caritas-Mitarbeiter, ist jetzt Rentner und hat als einer der Flüchtlingsdorf-Mitstreiter das Flüchtlingsdorf noch vor ein paar Wochen besucht. „Eine optimale Infrastruktur, mit Wasserversorgung und festen Wegen“, sei dort geschaffen worden. Das Flüchtlingsdorf Ruhrgebiet sei zudem der Anstoß für internationale Organisationen gewesen, weitere Container aufzustellen, so dass inzwischen rund 800 Wohneinheiten für Flüchtlinge geschaffen wurden.

Und das Projekt läuft nach Angaben von Rudi Löffelsend weiter: So hat die Caritas-Flüchtlingshilfe Essen mit der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit vereinbart, dass letztere eine Schule mit Containern für zwölf Klassen baut. „Ebenso wird eine Krankenstation errichtet, die von der Deichmann-Stiftung unterstützt wird.“ Und mit Hilfe der Handwerkskammer NRW solle eine „Handwerker-Straße mit 40 Geschäften und Werkstätten entstehen.

Familienzusammenhalt

Solche Hilfe vor Ort könne auch dafür sorgen, dass weniger Flüchtlinge nach Deutschland wollen, sagt Rudi Löffelsend. „Was soll ich dort, hier fehlt mir doch nichts“, habe ihm der Bewohner des Dorsten-Containers gesagt, erzählt er. Dorstens Bürgermeister Tobias Stockhoff stößt ins gleiche Horn: Durch die Unterstützung dieses Projekts „halten wir Familien zusammen, ohne Sprachschwierigkeiten und ohne den Verlust sozialer Kontakte.“ Die Stadt will das Flüchtlingsdorf jedenfalls weiter unterstützen: „Die neuen Ideen, jetzt auch Werkstätten für Handwerker aufzustellen und so wirtschaftliche Impulse zu setzen, machen das Dorf zukunftsfähig über die Kriegszeiten hinaus“, so Stockhoff. 

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