Einzelhändler Matthias Hülsebus und Künstlerin Anique Bossink posieren neben einem Nussknacker vor dem Geschäft „Unterhaltung Lieblingsstücke". Der Nussknacker soll hier die Maskenpflicht "kontrollieren". © Daniel Reiners
Bemalte Schaufenster

Darum tauchen im Kreuzviertel gerade überall Kreidezeichnungen auf

Auf vielen Schaufenstern im Dortmunder Kreuzviertel und an der Kleinen Beurhausstraße prangen derzeit kunstvolle Kreidemalereien. Hinter ihnen steckt ein Muster.

Anique Bossink (37) hat es fast geschafft. Die gebürtige Niederländerin, die in Düsseldorf wohnt, ist derzeit sehr häufig in Dortmunds Kreuzviertel und der benachbarten Kleinen Beurhausstraße unterwegs. Bossink hat eine Mission. Eine Kunst-Mission.

„Die Schaufenster von rund 40 Einzelhändlern wollen wir am Ende gestaltet haben”, sagt Bossink. Dabei hätte das Projekt, das sie zusammen mit dem Niederländer Jonas Termijtelen umsetzt, zunächst gar nicht nach Dortmund kommen sollen. Worum geht es?

Security-Nussknacker und Rentiere im Brautkleid

Matthias Hülsebus ist Einzelhändler und Inhaber zweier Geschäfte mit den Standorten Düsseldorf und Dortmund. In Dortmund betreibt er das Geschäft „Unterhaltung Lieblingsstücke” an der Schillingstraße.

In der Vergangenheit war er auf ein Projekt namens “Das Wunderfenster” aufmerksam geworden – und hatte mit seinem Düsseldorfer Standort daran teilgenommen. „Die Idee des Projektes ist es, diverse Schaufenster des Einzelhandels und der Gastronomie mit kunstvollen Weihnachts-Motiven und -Szenarien zu versehen, und zwar so, dass sich eine Verbindung zwischen allen Standorten ergibt”, sagt Hülsebus.

Am Seitenfenster von „Unterhaltung Lieblingsstücke” erscheinen Rentiere, holländische Häuserfassaden sowie ein Bus. © Daniel Reiners © Daniel Reiners

Da ihm das Projekt auch für Dortmund interessant erschien, nahm er kurzerhand Kontakt zur verantwortlichen Künstlerin auf und überzeugte sie davon, das Projekt nach Dortmund zu bringen. Am 16. November begann die Künstlerin dann tatsächlich die Malarbeit an den Dortmunder Schaufenstern.

Auf den Fensterscheiben von „Unterhaltung Lieblingsstücke” sind derzeit Rentiere, ein Reisebus sowie Amsterdamer Häuserfassaden zu sehen. Der Bus geht dabei auf Hülsebus Kappe – eine persönliche Leidenschaft des Inhabers. Am Eingangsfenster kontrolliert schließlich ein wundersamer Nussknacker die Maskenpflicht.

Das „Herr Liebig Kaffeehaus”auf der Liebigstraße. Hier erfreuen sich zwei Rentiere an einer Torte. © Daniel Reiners © Daniel Reiners

Wenige Meter weiter, auf den Fensterscheiben des Herr Liebig Kaffeehaus, läuft denselben Rentieren – passend zum Lokal – dann über einer Torte das Wasser im Mund zusammen.

Improvisiertes Malen mit einer speziellen Kreide-Technik

Auch an vielen weiteren Stationen des Kunstprojekts sind die Zeichnungen an den Schaufenstern auf die Geschäfte hinter ihnen abgestimmt: Am Braut- und Abendmodegeschäft „Zeitlos” an der Kreuzstraße hat sich, wie könnte es anders sein, ein Rentier feierlich in Brautmode geworfen und posiert stilsicher.

Im Schaufenster vom Braut- und Abendmodegeschäft „Zeitlos” an der Kreuzstraße posiert ein Rentier im Brautkleid. © Daniel Reiners © Daniel Reiners

Wieder wenige Meter weiter lacht ein Abbild des Hundes, der im Friseurgeschäft „Frisierbar” an der Hohen Straße zum festen Interieur gehört, auf der Fensterscheibe die eintretenden Kunden an.

Das Friseurgeschäft „Frisierbar” auf der Hohen Straße. Auf diesem Fenster ist ein Hund zu sehen, den es im Inneren des Geschäftes tatsächlich gibt. © Daniel Reiners © Daniel Reiners

Anschließend erscheint vor dem Restaurant „Luups” am Neuen Graben ein überdimensional großer Cocktail samt Olive.

Im Fenster vom Restaurant “Luups” am Neuen Graben ist ein überdimensionierter Cocktail zu sehen. © Daniel Reiners © Daniel Reiners

Bossink stattete jedem Laden, dessen Fenster sie gestaltete, einen mehrstündigen Besuch ab, ließ sich durch Unterhaltungen vor Ort inspirieren, und improvisierte dann mit einer speziellen Fenster-Kreide einfach drauf los.

„Die Menschen sehen ein bemaltes Fenster, entdecken dann plötzlich ein weiteres, anschließend noch eins – und beginnen, das Gesehene miteinander zu verknüpfen; sich ihre eigene Geschichte dazu auszudenken”, so Bossink.

An der Buchhandlung Anton Reiser tollt ein Rentier durch den Winterwald. © Daniel Reiners © Daniel Reiners

Am Ende des Spazierganges an der Kleinen Beurhausstraße, wo ein Kreide-Winterwald die Buchhandlung Anton Reiser verdeckt, verabschiedet sich Bossink dann zügig – sie habe schließlich bereits den nächsten Maltermin: „Bis zur endgültigen Fertigstellung ist noch viel zu tun, also besser keine Zeit verlieren”, sagt die Künstlerin.

Am Freitag will sie das letzte Schaufenster bemalen.

Auf dem Instagramkanal “Das Wunderfenster” unter www.instagram.com/daswunderfenster/ sind die aktuellen Arbeiten des Künstlerduos Anique Bossink & Jonas Termijtelen zu finden.

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