Nur wenige Menschen sind in der Dortmunder City unterwegs. Trotzdem haben einige Imbissbuden geöffnet, seit ein paar Tagen auch der Imbiss „Wurst Willi“. Die Mitarbeiterinnen Lien Vu und Monika Wolf wünschen sich jedoch deutlich mehr Kundschaft. © Tabea Prünte
Corona-Lockdown

„Das ist eine Geisterstadt“ – Warum Imbissbuden in der City trotzdem öffnen

Die Dortmunder City ist menschenleer. Das ist problematisch für Imbissbuden. Kaum Kundschaft, doch laufende Kosten müssen gedeckt werden. Betreiber erzählen, wie sie den Lockdown erleben.

„Ich wusste gar nicht, dass Sie wieder geöffnet haben“, sagt ein Kunde, der sich für die Mittagspause eine Portion Currywurst bei „Wurst Willi“ holt. Rein zufällig sei er auf den erst kürzlich wieder geöffneten Imbissstand gestoßen – seit Mittwoch (6.1.) versucht das Team der bekannten Bude an der Petrikirche in Dortmund wieder den Verkauf anzukurbeln. Es gelingt recht schleppend, erzählen die Mitarbeiterinnen.

Dortmunder haben keinen Grund, in die Stadt zu kommen

„Wir haben schon damit gerechnet, dass es schwierig werden wird“, sagt Monika Wolf, die den Betrieb führt, wenn der Chef nicht da ist. „Und es ist schon sehr schwierig. Aber die Leute aus den Büros sind unendlich dankbar, wenn sie Hunger haben und zu uns kommen können.“

Dies mache jedoch nicht annähernd so viel Kundschaft aus, wie an sonstigen Tagen. Seit Beginn des Lockdowns sei deutlich weniger los. „Das ist hier eine Geisterstadt“, findet Wolf. „Die Leute sind unsicher. Sie haben Angst und außerdem gar keinen Grund, überhaupt in die Stadt zu kommen.“

„Verlustminimierung“ ist das Ziel

Der Betreiber von „Wurst Willi“, Willi Nowakowski, schätzt die Lage ähnlich problematisch ein. Trotzdem sei es ihm wichtig, den Versuch zumindest zu starten. Innerhalb der ersten zwei geöffneten Tage habe der Verkauf „wenigstens 25 Prozent“ der tagesüblichen Einnahmen eingebracht.

„Verlustminimierung“, so Nowakowski. „Wir müssen den Leuten erstmal bewusst machen, dass wir offen haben. Das probieren wir aus bis mindestens Ende nächster Woche, egal was passiert“, sagt er am Freitag (8.1.).

„Die Geschäfte in der Stadt leiden alle“

Aus einer ähnlichen Motivation heraus lässt Servet Akdogan das Geschäft am Laufen. Dabei ist von der leer bleibenden Innenstadt auch das „Kebap Haus“ im Dortmunder Brückstraßenviertel betroffen.

„Die Geschäfte in der Stadt leiden alle“, sagt er. „Aber ich bleibe trotzdem geöffnet für die Stammkunden.“ Denn würde er nun schließen, würden ihm auch diese eventuell noch in Zukunft wegfallen, befürchtet Akdogan und das könne er sich nicht leisten. „7000 Euro kosten mich monatlich Miete, Strom und so weiter. Wo soll ich das hernehmen?“

Auch das Brückstraßenviertel ist während des Lockdowns kaum besucht. Die Imbissgeschäfte hier klagen ebenfalls über schlechte Einnahmen, einige haben gar nicht erst geöffnet.
Auch das Brückstraßenviertel ist während des Lockdowns kaum besucht. Die Imbissgeschäfte hier klagen ebenfalls über schlechte Einnahmen, einige haben gar nicht erst geöffnet. © Tabea Prünte © Tabea Prünte

„Wir fühlen uns hier beschissen“, sagt ein Mitarbeiter eines anderen Dönerladens im Brückstraßenviertel. „Wir schauen uns die Lage noch ein paar Tage lang an und machen sonst wieder zu, wenn weiterhin keine Kundschaft kommt.“

Einige Geschäfte wollen trotz wenig Kundschaft geöffnet bleiben

„Wenn es so weiter geht, bin ich bald pleite“, sagt ein Verkäufer eines anderen Imbissgeschäfts. „Ich sitze hier teilweise zwei Stunden und es kommt kein Kunde in der Zeit. Aber wenn ich nicht hier sein würde und jemand kommt, macht das die Kunden sauer.“

Und so bleiben verschiedene Imbissgeschäfte trotz geringer Einnahmen vorerst geöffnet. Andere haben diesen Ansatz offenbar schon aufgegeben, denn in verschiedenen Läden bleiben die Fenster an diesem Freitagmittag dunkel.

Abdurrahim Caglar vom „Döner Kebap Snack Express“ hat auf das ursprünglich angekündigte Ende des Lockdowns gesetzt. „Wir haben auf eine Verbesserung ab dem 10. Januar gehofft. Bis dahin wollten wir das Geschäft am Laufen halten, wenn auch auf der Kippe“, sagt Caglar.

Doch nun kommt das Ende des Lockdowns nicht zum erwarteten Zeitpunkt. „Wir denken deshalb jetzt über einen Lieferservice nach.“

Mühen gelten als Dank für die Kunden

Doch auch diese Option gestaltet sich für einige Imbissbuden schwierig. Nowakowski von „Wurst Willi“ möchte das Risiko einer Investition für einen Lieferservice momentan nicht eingehen. Dafür müsste er zunächst ein Fahrzeug anschaffen und einen Fahrer bezahlen. „Das rechnet sich überhaupt nicht.“

„Momentan wollen wir positiv bleiben“, sagt Mitarbeiterin Wolf. „Die Kunden freuen sich, dass wir da sind und bedanken sich bei uns. Dabei müssen wir uns bei ihnen bedanken.“

Über die Autorin
Freie Mitarbeiterin
1998 im Rheinland geboren und seit ein paar Jahren zum Studieren im Ruhrgebiet Zuhause. Verschiedene Menschen und ihre Geschichten - das möchte ich erleben und darüber berichten.
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Tabea Prünte

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