Cornelia Wimmer (v.l.), Hannah Rosenbaum und Thomas Oppermann wollen die Nordstadt gemeinsam nach vorne bringen. © Kevin Kindel
Bezirksvertretung

Die Nordstadt bekommt eine 32-jährige Bezirksbürgermeisterin

Das Wahlergebnis war eng. Knapp landeten die Nordstadt-Grünen im September vor der SPD. Jetzt ist eine Entscheidung gefallen, wer die Geschicke im Stadtbezirk mit den meisten Einwohnern leitet.

In der Bezirksvertretung Innenstadt Nord wird sich einiges verändern.“ Mit dieser bedeutungsvollen Ankündigung gehen die bei der Wahl erfolgreichsten Parteien in die neue Wahlperiode. Grüne, SPD, Linke haben zusammen mit der „Partei“ im September rund drei Viertel aller gültigen Stimmen bekommen und sich jetzt auf eine Kooperation geeinigt.

Zur neuen Bezirksbürgermeisterin wollen die Politiker am Mittwoch (11.11.) Hannah Rosenbaum wählen. Die Partei der 32-Jährigen, die Grünen, wurde mit 27 Prozent der Stimmen stärkste Kraft in der Nordstadt – nur ganz knapp vor Thomas Oppermanns SPD (26,1). Er soll Rosenbaums Stellvertreter werden, genau wie Cornelia Wimmer für Die Linke und Die Partei.

Hannah Rosenbaum ist im Vorfeld wichtig, als Vermittlerin aufzutreten. „Wir wollten einen übergreifenden Konsens finden mit möglichst großer Beteiligung“, sagt die Chemikerin, die in Lünen-Brambauer unweit der Stadtgrenze aufgewachsen ist und seit sieben Jahren in der Nordstadt lebt.

Ihre größten Schwerpunkte liegen in der Bildungsförderung, der Verkehrswende und der ökologischen Gestaltung des Stadtbezirks. „Ein großes Ziel ist, ein Haus der Bildung zu schaffen“, sagt sie: „Kindern einen Raum zu geben, der nicht immer zu Hause gegeben ist“. Angedacht ist eine Art Stadtteilbibliothek, in der sich die Menschen länger aufhalten können.

Verschiedene Vorstellungen zur Videoüberwachung

Thomas Oppermann von der SPD ist mit seinen Vorstellungen generell nah bei den Grünen, sagt aber auch: „Auf dieser Grundlage können wir kooperieren. Das ist aber nicht so festgezurrt wie ein Koalitionsvertrag.“ Bei Themen wie der Videoüberwachung etwa der Münsterstraße könne man trotz der generellen Sympathie auch unterschiedliche Forderungen einbringen.

Wichtig sei unter anderem auch, weniger Kinder pro Schulklasse zu unterrichten. Das kann die Bezirksvertretung zwar nicht entscheiden – sie kann aber darauf drängen, dass dieses Thema bei den Entscheidern Gehör findet.

Sehr große Überschneidungen sieht auch die Dritte im Bunde, Cornelia Wimmer. Ihr ist wichtig, dass möglichst alle Parteien der Bezirksvertretung (BV) an einem Strang ziehen, um die Innenstadt Nord gemeinsam nach vorne zu bringen – oder wie sie es formuliert: „Wir wollen die Nordstadt in Wert setzen ohne sie zu gentrifizieren.“ Die verschiedenen Quartiere sollen ihren Nordstadt-Charme behalten.

Wimmer wünscht sich, dass die gesamte Stadt mitarbeitet, um die Nordstadt zu entlasten. Dafür fordert sie etwa günstigen Wohnraum in anderen Gegenden. Es dürfe nicht sein, dass die erfolgreichen Nordstädter wegziehen und das allgemeine Niveau vor Ort überschaubar bleibt.

Angsträume beleben und heller machen!

Die Probleme des Stadtbezirks wollen die Politiker vor allem durch mehr Bürgerbeteiligung angehen. Wer sich für seine Nachbarschaft interessiert, achtet auch darauf, dass sie sauber und sicher ist, so der Konsens. Angsträume, in denen sich viele Menschen unsicher fühlen, könne man teilweise mit baulichen Veränderungen beseitigen, indem man sie heller oder besser einsehbar macht, so Rosenbaum. Ganz wichtig sei aber, Orte wie etwa den Dealer-Hotspot Dietrich-Keuning-Park mit Freizeitangeboten zu beleben.

Die zentrale Aufgabe für die Bezirksvertreter ist nun, für mehr Interesse und mehr Engagement in der Bevölkerung zu werben. Die BV-Wahlbeteiligung lag im September in der Nordstadt nur bei 24,5 Prozent – stadtweit haben fast doppelt so viele Menschen ihre Stimme abgegeben.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Kevin Kindel, geboren 1991 in Dortmund, seit 2009 als Journalist tätig, hat in Bremen und in Schweden Journalistik und Kommunikation studiert.
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Kevin Kindel

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