Es stehen nur noch die Holzpfähle wo letzte Woche noch der Baum des Gedenkens stand. Unbekannte haben den Ginkgo gestohlen. Das Dramatische: Mit dem Baum verschwinden auch die Namensschleifen der Verstorbenen. © Franka Doliner
Suizid-Gedenkstätte

Gedenkstätte im Dortmunder Stadewäldchen „geschändet“

Ein Ginkgo-Baum im Dortmunder Stadewäldchen - ein Ort des Gedenkens für Hinterbliebene. Jetzt ist der Baum verschwunden und mit ihm die Namensschleifen der Verstorbenen.

Der Ginkgo – einer der ältesten Bäume der Welt. Seit 2020 steht einer im Dortmunder Stadewäldchen – oder eher stand. Unbekannte haben den Baum gestohlen. Vermutlich in der Nacht vom 6. auf den 7. Mai (Freitag). „Der Schock ist groß“, sagt Professor Günther Apel, erster Vorsitzender des Freundes- und Förderkreis Krisenzentrum Dortmund.

In Dortmund auf Suizide aufmerksam machen

Mit Unterstützung des Krisenzentrums wurde der Ginkgo-Baum 2020 im Dortmunder Stadewäldchen gepflanzt. Er sollte Mittelpunkt einer Gedenkstätte sein, die auf das Schicksal von Menschen aufmerksam macht, die sich selbst getötet haben.

„Der Ginkgo dient als Symbol die schwere Situation mit Geduld und Zuversicht zu bewältigen“, beschreibt Johannes Ketteler, Leiter des Krisenzentrums Dortmund, „er sollte die Situation der Betroffenen und Hinterblieben an die Öffentlichkeit bringen“. Suizidalität sei ein weit verbreitetes Phänomen, das immer noch tabuisiert werde.

Unbekannte entwenden Baum samt Trauerschleifen

Der Ginkgo ist jetzt verschwunden. An seiner Stelle klafft ein großes Loch. Die Grasnarbe liegt noch daneben. Unbekannte haben den Baum ausgegraben und gestohlen. Das Dramatische: Mit dem Ginkgo sind auch die in die Äste geknüpften Namensschleifen der Verstorbenen verschwunden. „Die haben den Baum individualisiert und ihn für die Hinterblieben zu einem wichtigen Zeichen gemacht“, sagt Apel.

Die Schleifen hätten für die Hinterbliebene eine zentrale Bedeutung bei der Bewältigung ihrer oft existenziellen Krisen. Die Gedenkstätte im Stadewäldchen sei für viele der einzige Ort den sie haben, weil es zum Beispiel keine Grabstätte derjenigen gibt, die sich getötet haben.

Vereine erstatten Anzeige bei Dortmunder Polizei

Das Krisenzentrum Dortmund, die Hinterbliebenengruppe nach Suizid und der Freundes- und Förderkreis Krisenzentrum verurteilen die Beschädigung des Gedenkorts: „Die Respektlosigkeit vor dem Schicksal der Mitmenschen erschüttert uns zutiefst“. Apel habe bei der Polizei Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Er vermutet aber, dass die Täter wohl Unbekannte bleiben.

Ein neuer Ginkgo für das Dortmunder Stadewäldchen

„Wir denken jetzt darüber nach, wie wir mit diesem verlorengegangen Baum umgehen“, erklärt Apel, „eine Idee des Hinterbliebenenkreis war es, erst einmal mit dieser Leere zu leben“. Früher oder später soll die Gedenkstätte aber wieder vervollständigt werden. „Wir werden uns bemühen, einen etwas größeren Baum zu bekommen“, erklärt Apel. In der Hoffnung, dass der nicht gestohlen werden kann.

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