An der Rheinischen Straße haben es sich Wohnungslose nahezu wohnlich eingerichtet. © Kevin Kindel
„Waschcafé“

Neue zentrale Einrichtung für Obdachlose in Dortmund geplant

Die Diakonie betrieb vor der Pandemie zwei Standorte mit Hilfsangeboten für Obdachlose in der Nordstadt. Beide Stellen sollen geschlossen werden, dafür ist ein neues Projekt geplant.

Mit den verschärften Hygiene- und Abstandsregeln sind im Frühjahr einige Hilfsangebote für Obdachlose in ihren bisherigen Räumlichkeiten unmöglich geworden. Anfang Oktober schuf die Diakonie eine Alternative zu ihrem vorherigen Angebot: Seitdem können sich Wohnungslose im Wichernhaus an der Stollenstraße aufhalten und bekommen dort Essenspakete.

„In dieser Zeit ist die Erkenntnis gereift, dass sich das Wichern gut als Wohnungslosenhilfezentrum eignet“, sagte Diakoniepfarrer Niels Back am Dienstagabend im Dortmunder Sozialausschuss.

Im Laufe des Jahres 2021 wird das Gebäude zwischen Nordmarkt und Bornstraße nun also umgebaut. Beratungsstelle und Tagesaufenthalt, die zuvor an zwei verschiedenen Stellen lagen, werden dann an einem Ort zusammengeführt. So könne das Team „eine ganz andere fachliche Qualität und Form der Beratung und Betreuung ermöglichen“, so Back.

Auf die Befürchtung, so eine Sammelstelle nah am Nordmarkt könne die Wohnqualität in der Nachbarschaft beeinträchtigen, antwortete Niels Back, dies könne man aus der bisherigen Erfahrung nicht bestätigen. Außerdem würden die bisherigen Angebote an der Kesselstraße und der Rolandstraße geschlossen, was dann einen Effekt auf die dortigen Nachbarschaften haben könnte.

Neues „Waschcafé“ ähnlich zum zeitlich begrenzten Angebot

Im Keller des bisherigen Tagungs- und Kulturzentrums Wichern soll ein „Waschcafé“ mit Duschmöglichkeiten für Wohnungslose entstehen. Seit April gibt es aktuell eine ähnliche Anlaufstelle der Stadtverwaltung an der Leuthardstraße am Burgwall, wo sich Wohnungslose waschen können – doch dies ist bislang bis Ende März 2021 begrenzt geplant.

Seit Mitte April sind dort durchschnittlich rund 130 Duschvorgänge pro Woche registriert worden. Über 11.000 Hygiene- und Waschpakete sind laut Sozialamtsleiter Jörg Süshardt ausgegeben worden.

Mehr Präventionsarbeit

Die Stadt Dortmund hat währenddessen mit den großen Wohnungsvermietern Dogewo, LEG, Vonovia und Vivawest vereinbart, enger in der Prävention von Wohnungslosigkeit zusammenzuarbeiten. „Als Sozialamt sollen wir viel früher Infos bekommen, wenn es im Mietverhältnis knirscht“, sagte Süshardt. Dann könne die Behörde frühzeitig beratend einschreiten.

Das Team des Sozialamtes soll bald häufiger auf den Straßen unterwegs sein. Es sei wichtig, die Wohnungslosen dazu zu bewegen, bestehende Hilfsangebote auch zu nutzen.

Ihre Zahl habe sich in Dortmund seit Beginn der Pandemie übrigens „nicht wesentlich“ geändert, so Süshardt. Etwa 400 Personen beziehen demnach entsprechende Leistungen. Der Amtsleiter schätzt, dass 50 bis 100 Personen obdachlos auf der Straße leben. Vertreter von Hilfsorganisation gehen von einer deutlich höheren Zahl aus.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Kevin Kindel, geboren 1991 in Dortmund, seit 2009 als Journalist tätig, hat in Bremen und in Schweden Journalistik und Kommunikation studiert.
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Kevin Kindel

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