Dimitrios Kalpakidis, Amateurfußballer und Trainer, hat 2017 die Kneipe „Perpendikel“ am Heiligen Weg übernommen. © Stephan Schuetze (Archiv)
Ruhestörung

Polizeieinsatz an Innenstadt-Kneipe: „Wo sollen die Leute denn um diese Zeit hin?“

Ein großer Polizeieinsatz an einer beliebten Dortmunder Innenstadt-Kneipe hat in der Nacht zum 8. August für Aufsehen gesorgt. Der Betreiber schildert seine Sicht auf einen Abend mit Folgen.

In der östlichen Innenstadt kam es in der Nacht von Samstag (7.8.) auf Sonntag (8.8.) zu ungewöhnlichen und kurzzeitig chaotischen Szenen. Rund 15 Polizeibeamte lösten eine Ansammlung von rund 70 Personen vor der Kneipe „Perpendikel“ gegen 1 Uhr auf.

Blaulicht und viele diskutierende Menschen, überwiegend circa Anfang 20, bestimmten das Bild an der Eckkneipe an der Straße Heiliger Weg, angrenzend an ein Wohnviertel. Gastwirt Dimitrios Kalpakidis spricht von einer Situation, die „für mich irgendwann immer unübersichtlicher geworden ist“.

Der Abend begann ruhig mit dem BVB-Pokalspiel

Das „Perpendikel“ sei beim BVB-Spiel am Samstagabend wie in den vergangenen Monaten geöffnet gewesen. Das bedeutet: Tische mit Trennwänden innen, eine Handvoll Plätze im Außenbereich. Gut besucht und friedlich, wie der Chef erzählt.

Nach Spielende sei eine größere Gruppe hinzugekommen. „Und dann kamen noch mehr und noch mehr“, sagt Kalpakidis. Gegen 0 Uhr hätten die Leute auf der Straße vor der Kneipe gestanden und zum Teil sogar mit selbst gekauften Getränken bis auf die andere Straßenseite.

„Ich habe sie mehrfach darauf hingewiesen, dass das nicht geht. Aber, wenn es zwei, drei Leute gibt, die sich weigern, bekommst du so eine Truppe nicht bewegt“, sagt der Dortmunder Gastronom.

Die Kneipe „Perpendikel“ liegt an der Ecke Heiliger Weg/Kronprinzenstraße im Kaiserviertel. © Felix Guth © Felix Guth

Nachdem eine erste Polizeistreife nach kurzem Gespräch wieder abgerückt war, löste ein zweiter Anruf wegen Ruhestörung schließlich den größeren Einsatz aus. Kalpakidis berichtet, er sei gerade wieder nach drinnen gegangen, um sich dort um seine Gäste zu kümmern, als 15 Polizisten vor der Tür standen. Sie beendeten die Ansammlung im Freien.

Für kurze Zeit herrscht „Chaos pur“

Für einige Minuten habe dann „Chaos pur“ geherrscht. Rund 20 Personen seien beim Eintreffen der Polizei in den kleinen Innenraum der Kneipe gesprintet. „Das hat man gar nicht mehr richtig steuern können.“

Letztlich ging die Nacht friedlich zu Ende. Doch es bleibt eine Situation, in der sich auch Dimitri Kalpakidis als Leidtragenden sieht. „Wie versuchen hier alles, um wieder anzufangen und die Gäste zu bedienen und mit ihnen zu lachen. Aber es ist Kehrseite, wenn sich ein paar Dullmänner nicht an die Regeln halten.“

Die Großbaustelle an der Straße Heiliger Weg erschwert die Situation zusätzlich.

Das „Perpendikel“ gehörte zu den Dortmunder Kneipen, die auch in den schwierigen Monaten zwischen und nach den Lockdowns versucht haben, präsent zu bleiben. So gab es etwa zwischenzeitlich ein To-Go-Konzept mit einem 50-Meter-Radius um die Kneipe.

Mit einer Mischung aus mittelalten Stammgästen und eher jüngerem, oft fußballaffinem Publikum gehört die Eckkneipe zu den belebteren ihrer Art. Das gilt besonders, seit im Juni viele Regeln für die Gastronomie gelockert worden sind. „Die Leute wollten sich fressen, weil alle wieder Bock auf Kontakt unter Menschen haben“, sagt Dimitrios Kalpakidis.

Dem Gastwirt steht nun eine Bestrafung durch die städtische Gewerbeaufsicht bevor. Wie genau diese ausfällt, war am Montag (9.8.) noch nicht bekannt.

„Ich kann mir ja jetzt keinen Türsteher holen.“

Kalpakidis geht nicht davon aus, das weiteren Vorfällen dieser Art passieren, sieht aber auch die Grenze dessen, was eine kleine Kneipe leisten könne. „Ich kann mir ja jetzt keinen Türsteher holen.“

Letztlich landet auch Kalpakidis bei einer Frage, die in Dortmund zuletzt an vielen Orten gestellt worden ist. „Wo sollen die Leute um diese Zeit hin?“

Er wirbt außerdem um Verständnis dafür, dass ein gewisser Geräuschpegel bei einer Gastronomie in der Innenstadt nicht zu vermeiden sei. „Wem eine Unterhaltung beim Rauchen zu laut ist, der sollte dann vielleicht wirklich aufs Dorf rausziehen“, sagt er.

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Redaktion Dortmund
Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
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Felix Guth

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