In der Nähe des Borsigplatzes wurde ein kultureller Treffpunkt für Migranten aus Afrika geschlossen. © African Tide Union
Finanzielle Notlage

Treffpunkt für afrikanische Zuwanderer in Dortmund wegen Corona geschlossen

Ein Verein, der Zuwanderern aus Afrika bei der Integration hilft, muss sich wegen der Coronavirus-Krise auflösen. Eine beliebte Anlaufstelle für Migranten in Dortmund wurde bereits geschlossen.

Der in Dortmund gegründete Verein „African Tide Union“ eröffnete im Januar 2020 in der Nähe des Borsigplatzes das Afrika-Haus Dortmund. Kurze Zeit später brach die Pandemie aus. Nun löst sich der deutsche Teil des Vereins auf. Damit fällt auch das Afrika-Haus weg.

Dr. Rosalyn Dressman, Präsidentin der African Tide Union, erklärt auf Anfrage: „Wegen der Corona-Pandemie musste unser Restaurant im Afrika-Haus schließen und die meisten Projekte mussten abgesagt werden.“ Deswegen würden nun die Einnahmen fehlen, um die Miete des Hauses zu bezahlen. Im Februar 2021 wurde es daraufhin geschlossen.

Projekte im Afrika-Haus seien anfangs erfolgreich gewesen

„Anfangs konnten wir unsere Miete durch das Restaurant sehr gut decken“, meint Dressman. Auch die Projekte seien gut angelaufen. Während des ersten Lockdowns habe der Verein finanzielle Unterstützung von der Stadt Dortmund bekommen, danach aber nicht mehr.

„Wir haben mit Herzblut im Afrika-Haus gearbeitet und die afrikanische Community in Dortmund hat uns dabei stark unterstützt“, erklärt die African Tide-Präsidentin. Doch ohne Einnahmen sei es unmöglich, das Afrika-Haus weiter zu betreiben.

Der Verein habe versucht, Geld vom Bund zu erhalten, um das Afrika Haus am Laufen zu halten. Doch weil die Bundesbehörden „immer etwas anderes zu prüfen hatten“, wie Rosalyn Dressman sagt, sei bei African Tide kein Geld angekommen. Auch für die Projekte des Hauses habe Geld gefehlt. „Das kann ein kleiner Verein nicht einfach vorschießen“, ergänzt sie.

Alle Dortmunder African Tide-Standorte ins Afrika-Haus verlegt

Die African Tide Union wurde 2010 gegründet, um Migranten – speziell afrikanischen – bei der Integration zu helfen. Das Afrika-Haus Dortmund war bis vor kurzem eine Anlaufstelle für die afrikanische und afro-diasporische Community in Dortmund. Sprachkurse, berufliche Aus- und Weiterbildungen, Kinderbetreuung und kulturelle Veranstaltungen fanden dort statt – zumindest bis zum Ausbruch der Pandemie.

African Tide verlegte alle Dortmunder Standorte ins Afrika-Haus, als das 2020 eröffnet wurde. Dazu zählte zum Beispiel das African Hope Center – ein sozialpädagogisches Zentrum für junge Flüchtlinge. „Das war ein kleiner Fehler“, sagt Dressman, „denn jetzt haben wir in Dortmund gar keine Stelle mehr für afrikanische Migranten.“

Verein wolle Afrika Haus nach Corona wiederbeleben

Nach der Pandemie wolle der Verein das Afrika Haus erneut eröffnen. „Ich denke, wir müssen nach Corona das ganze Projekt nochmal auf den Kopf stellen“, so Rosalyn Dressman. „Wir arbeiten an neuen Ideen, um nach Corona nachhaltig einen neuen Ort für die afrikanische Community in Dortmund aufzubauen.“

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
2000 in Heinsberg geboren, seit 2020 als freier Mitarbeiter bei den Ruhr Nachrichten. Ich studiere Journalistik und Politikwissenschaft in Dortmund. Mit 16 Jahren habe ich meine ersten Erfahrungen im Lokaljournalismus gemacht - und dort fühle ich mich zuhause.
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Nick Kaspers
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