Wegen einer Ruhestörung an der Möllerbrücke musste die Polizei am Freitagabend ausrücken. © Privat
Anwohner verzweifeln

Wieder Eskalation an der Möllerbrücke: „Friedlich ist es seit Corona nicht mehr“

Erneut ist eine Feier an der Möllerbrücke in Dortmund ausgeartet. Unter Schlagstock-Einsatz hat die Polizei die Brücke geräumt. Anwohner sind verzweifelt - zuletzt habe sich dort einiges verändert, sagt eine 29-Jährige.

Nicht zum ersten Mal ist eine Party an der Möllerbrücke in Dortmund eskaliert. In der Nacht von Freitag auf Samstag (18.9.) ist die Brücke von Polizisten geräumt worden. Flaschen und Stühle flogen, Mülltonnen brannten und die Polizisten setzten Schlagstöcke und Pfefferspray ein.

Auch zwei große Böller explodierten gegen kurz vor halb 1 – sehr zum Leidwesen der Anwohner. „Wir können alle nicht mehr“, sagt die 29-jährige Jacqueline W. am Samstag im Gespräch mit dieser Redaktion. „Die Stimmung wird hier immer aggressiver“, so die direkte Anwohnerin.

Zahlreiche Beschwerden über Ruhestörungen seien am Freitag über den Notruf bei der Polizei eingegangen. Das führte zu einem größeren Polizeieinsatz gegen 0 Uhr, teilt die Behörde mit.

„Irgendwann seh‘ ich nur Richtung U-Turm ganz viele Mannschaftswagen“, beschreibt Jacqueline W. die Situation, die sie von einem Fenster ihrer Wohnung aus beobachten konnte. Dann seien Gegenstände geflogen und die Rauchbomben gezündet worden, die die Möllerbrücke einnebelten – „riesengroßer Qualm“, sagt die 29-Jährige.

„Das Möllern war nie das Problem“

Dass es das sogenannte „Möllern“ gibt, dass sich vornehmlich junge feiernde Menschen gerne an der Brücke versammeln, sei ihr schon bewusst gewesen, bevor sie im Sommer 2016 hierher gezogen sei. „Das Möllern war nie das Problem“, sagt sie, „aber das Ausmaß hat sich verändert“.

Und das laut Jacqueline W. erst vor Kurzem: „Friedlich ist es hier seit Corona nicht mehr.“ Das Klientel sei jetzt ein anderes. „Ich fühle mich nicht mehr so wohl, wenn ich da vorbeigehe, man bekommt auch Sprüche zu hören“, sagt sie.

Und: „Am Wochenende habe ich oft Angst um mein Auto.“ Denn Vandalismus sei hier an der Tages… oder besser gesagt, Nachtordnung. Geändert habe sich auch die Anzahl der Feiernden – es seien „bestimmt doppelt so viele“ wie vor der Pandemie.

Es würden metergroße Boxen aufgebaut, unter lautem Grölen absichtlich Flaschen zerdeppert, an Haltestellen und abgestellte Fahrräder uriniert – und dann gibt es da noch die „regelmäßigen Schlägereien“. Und an diesem Freitagabend ist das Ganze mal wieder eskaliert.

Rund 250 Feiernde trafen die Polizisten gegen 0 Uhr dort an, heißt es seitens der Behörde. Ein Teil der Menschen, rund 60 bis 80, habe „umgehend aggressiv“ reagiert und die Beamten unter anderem mit Flaschen beworfen.

„Mithilfe von Unterstützungskräften und Lautsprecherdurchsagen sprachen die Polizisten Platzverweise aus und räumten die Brücke“, teilt die Polizei mit. In der Folge seien Mülltonnen angezündet und Streifenwagen beschädigt worden.

„Wir sind alle keine Party-Muffel, aber das ist zu viel“

„Wir fühlen uns von der Stadt alleine gelassen“, klagt Jacqueline W. – mit „wir“ meint sie sich und viele ihrer Nachbarn. Eine Lösung für das Problem fällt ihr aber auch nicht ein, gibt sie offen zu.

„Wir sind alle sehr jung im Haus“, sagt die 29-Jährige. „Wir sind alle keine Party-Muffel, aber das ist zu viel.“ Ein großes Problem: Nicht nur am Wochenende sei hier immer wieder viel los – „wir sind alle berufstätig“.

Am liebsten würde sie direkt umziehen, sagt sie – doch das lohne sich jetzt nicht mehr. Denn sie werde beruflich ohnehin bald umziehen müssen. Doch von ihren Nachbarn wisse sie, dass sich bereits viele nach neuen Wohnungen umschauen.

Die Polizei ermittelt nun unter anderem wegen des Verdachts des besonders schweren Falls des Landfriedensbruchs, wegen tätlicher Angriffe auf Vollstreckungsbeamte und Sachbeschädigung.

Zudem kündigt sie am Samstag an: „Aufgrund der Ereignisse wird die Dortmunder Polizei ihren Fokus auf den Bereich rund um die Möllerbrücke legen“ – immerhin das dürften die Anwohner gerne hören.

Über den Autor
Redakteur
Baujahr 1993, gebürtig aus Hamm. Nach dem Germanistik- und Geschichtsstudium in Düsseldorf und dem Volontariat bei Lensing Media in der Stadtredaktion Dortmund gelandet. Eine gesunde Portion Neugier und die Begeisterung zum Spiel mit Worten führten zum Journalismus.
Zur Autorenseite
Wilco Ruhland

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.