Doris Jenken hat's momentan schwer. Wegen klaustrophobischer Panikattacken kann sie keine Corona-Schutzmaske tragen. Das erschwert ihren Alltag. © Andreas Schröter
Coronavirus

Attest gegen Maskenpflicht: Dortmunderin wird von Supermärkten abgewiesen

Keine Maske tragen zu müssen, kann auch eine Belastung sein. Eine Dortmunderin hat ein Attest, das sie von der Maskenpflicht befreit, und fordert mehr Toleranz für ihre Situation.

Doris Jenken (67) aus Brackel leidet an Klaustrophobie. In Aufzügen oder Tunneln wird sie von Panikattacken geschüttelt. „Die Tränen laufen mir in solchen Momenten übers Gesicht“, sagt sie, „und ich fange am ganzen Körper an zu zittern. Dann geht nichts mehr.“

Wenn jemand, den sie besuchen wolle, zum Beispiel in der achten Etage wohnt, sei sie gezwungen, die Treppe zu nehmen. Sie wisse partout nicht, woher das komme. Problem sei aber, dass es mit fortschreitendem Alter immer schlimmer werde.

„Es geht einfach nicht, ich kann es nicht“

Problem ist ebenfalls, dass Doris Jenken dieselben Symptome verspürt, wenn sie eine Corona-Schutzmaske aufsetzen soll. „Es geht einfach nicht, ich kann es nicht“, sagt sie. Deswegen habe ihr ihr Hausarzt ein Attest ausgestellt, dass sie keine Maske tragen muss.

Eine Schutzmaske zu tragen, wie diese Frau auf unserem Symbolbild, wäre für Doris Jenken undenkbar
Eine Schutzmaske zu tragen, wie diese Frau auf unserem Symbolbild, wäre für Doris Jenken undenkbar. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Das führt dennoch zu schwierigen Situationen im Alltag. Doris Jenken schildert einen Vorfall neulich, als eine MRT-Untersuchung anstand: „Ich komme zur Anmeldung, ohne Maske, fülle alles aus, werde zum Wartezimmer gebeten, bis mich ein junger Mann rein ruft. Er erklärt mir alles und dass ich ein Kontrastmittel gespritzt bekomme. Er kommt mit der Spritze wieder, er möchte einen Arm und meint, ich könne die Maske ruhig auflassen. Ich hatte aber gar keine Maske. Ich erklärte es ihm und wies auf das Attest hin. Dann würde er mir eine geben, sagte der junge Mann. Ich kann keine aufsetzen, erwiderte ich, auch das MRT macht mir zu schaffen.“

Doris Jenken musste die Behandlung abbrechen, weil sich das Personal weigerte, sie zu behandeln. Im Treppenhaus habe sie einen Nervenzusammenbruch erlitten. „Zum Glück rief gerade in diesem Moment meine Tochter an und konnte mich etwas beruhigen“, so Doris Jenken.

Das sei kein Einzelfall: Auch bei anderen Ärzten werde sie nicht behandelt und in manchen Supermärkten nicht mehr bedient. Einmal musste sie einen vollen Einkaufswagen an der Kasse stehen lassen, weil niemand bereit war, sie abzukassieren.

„Ich bin keine Coronaleugnerin“

Sie betont, dass sie keine Corona-Leugnerin sei. Sie habe genauso viel Respekt vor dem Virus wie alle anderen, sie könne nur eben einfach keine Maske aufsetzen. Momentan gehe sie eigentlich nur noch vor die Tür, um mit ihrem Hund Aris in der Umgebung ihrer Wohnung spazieren zu gehen. Was sie fordere, sei ein wenig Verständnis für ihre Situation. Sie könne doch nichts dafür.

Gegen ihre stärker werdende Klaustrophobie will sich Doris Jenken demnächst psychotherapeutisch behandeln lassen. Ein erster Termin in dieser Sache scheiterte, weil sie keine Maske getragen hat.

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Redaktion Dortmund
Ich fahre täglich durch den Dortmunder Nordosten und besuche Menschen, die etwas Interessantes zu erzählen haben. Ich bin seit 1991 bei den RN. Vorher habe ich Publizistik, Germanistik und Politik studiert. Ich bin verheiratet und habe drei Töchter.
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Andreas Schröter

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