Manfred Gärtner besitzt eine Parzelle in der Gartenanlage unweit des Fundorts. Er hat auch mit dem Förster über den Fund gesprochen und kann sich keinen Reim darauf machen. © Andreas Schröter
Rehköpfe

„Barbarei“: Entsetzen nach Fund von Reh-Köpfen – und eine Theorie

Nach dem erschreckenden Fund zweier abgetrennter Rehköpfe ermittelt die Polizei wegen Jagdwilderei. Wie kamen die Kadaver-Teile an den exponierten Fundort? Es gibt eine Theorie.

Es war ein grausiger Fund, den Polizisten im Dortmunder Norden machten – und zu dem sich die Behörde jetzt mit Details an die Öffentlichkeit wendet:

Die Polizei sucht Zeugen, die etwas zum Fall zweier abgetrennter Rehköpfe beitragen können. Die Köpfe der Tiere wurden am 11. Januar (Montag) von der Polizei östlich vom Schäffleweg auf einer Grünfläche gefunden, nachdem ein anonymer Hinweis bei den Behörden eingegangen war.

Auf Anfrage erklärt die Stadt, dass bei ihr auch entsprechende Hinweise von Spaziergängern eingegangen seien. „Eine Suche blieb aber erfolglos“, so Stadtsprecher Christian Schön. Auch die Jäger, die im Bereich Scharnhorst unterwegs seien, hätten der Stadt nichts zurückgemeldet.

Wer hat was gehört oder gesehen?

„Wie weggeworfen“, hätten die Schädel der Tiere am Wegesrand in Richtung Waldgebiet gelegen, schildert Polizeisprecher Sven Schönberg die Szenerie. Er nimmt an, dass das Wild in den Morgenstunden unerlaubterweise geschossen wurde. Deshalb hofft die Polizei, dass Anwohner vielleicht Schüsse gehört haben und sich melden.

„Die Tiere müssen ja auch abtransportiert worden sein“, so Sven Schönberg. Vielleicht hat also jemand ein ausreichend großes Auto wahrgenommen.

Die Köpfe hat der zuständige Jäger, der im Fachjargon als Jagdausübungsberechtigter bezeichnet wird, inzwischen entfernt. „Bei solchen Fällen oder auch wenn ein Wildschwein angefahren wird, informieren wir immer den zuständigen Jagdausübungsberechtigten“, so der Polizeisprecher.

Ermittelt wird nun wegen des Verdachts auf Jagdwilderei. Denn dass die Tiere durch Menschenhand ihr Leben verloren, da ist sich die Polizei sicher. „Ein Wolf wird es nicht gewesen sein. Wir gehen davon aus, dass die Tiere geschossen und dann die Köpfe säuberlich abgetrennt wurden. Die wurden wie ein Abfallprodukt einfach weggeworfen“, meint Sven Schönberg. Laut Strafgesetzbuch drohen für Jagdwilderei bis zu drei Jahre Haft oder eine Geldstrafe, erläutert der Polizeisprecher.

Die Polizei glaubt an Jagdwilderei – es gibt auch andere Theorien

An einen Wolf glaubt auch Winfried Hardes nicht, Förster vom Landesbetrieb Wald und Holz. „Da es bisher keine Wolfsnachweise im Raum Dortmund gibt, ist es eher unwahrscheinlich, dass ein Wolf die Tiere getötet hat.“

Dazu, wie die Köpfe an den öffentlichen Fundort gelangten, hat er eine Theorie: „Es könnte ein Fuchs gewesen sein.“

Klar, ein Fuchs könne keine Rehe erbeuten – aber es könnte sein, dass die Rehe angefahren wurden und der Fuchs sich dann Teile der Kadaver genommen hätte. Und noch eine Möglichkeit zieht der Förster in Betracht:

Kopf, Fell und Innereien von erlegtem Wild seien für Menschen uninteressant. Zwar sei er selbst momentan nicht „jagdlich aktiv“, aber er kenne es durchaus so, dass die genannten Teile im Wald zurückgelassen würden – versteckt und nicht sichtbar für Spaziergänger. Daraus ergibt sich eine andere Möglichkeit: „Füchse, Krähen oder Dachse könnten die Köpfe an den Fundort verschleppt haben“, meint der Förster.

„So eine Barbarei“

Auch die Anwohner in Scharnhorst rätseln über den Fall. Manfred Gärtner, der eine Parzelle in der Gartenanlage Alte Körne besitzt, hat neulich sogar mit dem Förster über den grausigen Fund gesprochen.

Er könne sich keinen rechten Reim darauf machen, sagt Gärtner. Vielleicht seien es Wilderer gewesen oder womöglich sei irgendwo ein Tier verendet und jemand habe den Kopf abgeschnitten.

Entlang des Weges wurden die Tierschädel gefunden. Noch gibt es nur Theorien, wie sie dort hingelangt sein könnten.
Entlang des Weges wurden die Tierschädel gefunden. Noch gibt es nur Theorien, wie sie dort hingelangt sein könnten. © Andreas Schröter © Andreas Schröter

Eine Anwohnerin, die nicht namentlich genannt werden will, ist entsetzt über „so eine Barbarei“. Sie nutzt den Weg unweit des Fundortes gerne für ihre Spaziergänge und habe schon oft Rehe im nahen Naturschutzgebiet gesehen und auch die Menschen beobachtet, die sich an den Tieren erfreuen.

Traurige Details über die toten Rehe

Noch ein Detail gibt Sven Schönberg im Gespräch preis: Es handelt sich wohl bei den erlegten Rehen um eine Mutter und ihr Kitz. So sei es ihm zumindest von den Kollegen, die vor Ort waren, berichtet worden.

Wenngleich sich die Tat dadurch noch schrecklicher anhört, ist sie doch keine ungewöhnliche Praxis unter Jägern. „Jetzt sind die Kitze eigentlich schon selbstständig, manchmal bleiben sie noch bis zum April bei ihren Müttern“, so Winfried Hardes.

Unter Jägern sei es so, dass man zuerst das Jungtier und dann die Ricke, also das weibliche Reh, schieße. „Alles andere ist unethisch“, so der Förster. Denn gehe man umgekehrt vor, würde das Kitz womöglich als Waise zurückbleiben.

Haben Kleinkinder zuerst den grausigen Fund gemacht?

Wegen Tierquälerei ermittelt die Polizei übrigens nicht. „Wir gehen davon aus, dass die Tiere bereits tot waren, als ihnen die Köpfe abgetrennt wurden.“ So einfach lasse sich ein Reh schließlich auch nicht einfangen.

Es gibt außerdem die Vermutung, dass zuerst Kindergartenkinder einen der Köpfe gefunden haben könnten. Bei Winfried Hardes habe nämlich eine Kindergärtnerin aus Scharnhorst angerufen und von einem Rehkopf erzählt. „Ich habe ihr erläutert, dass der auch durch einen Fuchs dorthin gebracht worden sein könnte und den Fall dem Jagdaufseher gemeldet“, so Winfried Hardes.

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Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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Redaktion Dortmund
Ich fahre täglich durch den Dortmunder Nordosten und besuche Menschen, die etwas Interessantes zu erzählen haben. Ich bin seit 1991 bei den RN. Vorher habe ich Publizistik, Germanistik und Politik studiert. Ich bin verheiratet und habe drei Töchter.
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Andreas Schröter

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