Michael und Gabi Rudolph haben das Naturphänomen im Süggelwald entdeckt. Künftig wollen sie öfters vorbeikommen. © Daniel Immel
Eiche und Buche

„Baum-Paar“ im Süggelwald: Laubbäume sorgen für kurioses Naturspektakel

Im Süggelwald sorgen eine Buche und eine Eiche für ein besonderes Schauspiel der Natur. Ein Scharnhorster Ehepaar hat die Bäume entdeckt. Die Faszination ist immer noch groß.

Es ist ein einzigartiges Phänomen der Natur, das Spaziergängern im Süggelwald geboten wird. Eine Symbolik, die zwei Bäume in einer Symbiose erzeugen. „Wir sind hier spazieren gegangen und wollten ein Runde drehen“, sagt Gabi Rudolph. Den Allerheiligenfeiertag am Montag (1.11.) verbringt sie mit Ehemann Michael Rudolph im Süggelwald. „Ich habe einen Fahrradfahrer gesehen und wollte mal gucken, wo der herfährt“, sagt Michael. Als sie dem Zweiradfahrer folgen, umgeben sie mehrere Buchen. Eine davon sticht ihnen sofort ins Auge.

Es ist eine mehrere Jahrzehnte alte Buche, die mit einer Eiche verwachsen ist. Zwei Aststämme kollidieren miteinander und verwachsen – so sieht es zumindest aus – zu einem Ast. Zuvor ist Gabi und Micheal Rudolph die Baumsymbiose nicht aufgefallen.

Dabei kann man das Kuriosum von dem angrenzenden Süggelweg erkennen – die Bäume stehen direkt am Waldrand, gegenüber von einem Feld. Ein kurzer Trampelpfad führt in den Süggelwald hinein, an den Laubbäumen vorbei.

„Das ist ein Pärchen, die küssen sich“, sagt Gabi Rudolph über ihre erste Reaktion, als sie die miteinander verwachsenen Laubbäume entdeckt. Andere Äste der Buche wachsen um die Eiche herum – für Gabi Rudolph sieht es aus, als würde eine Person der anderen den Arm umlegen. Ein Zusammenwachsen zweier Bäume hätten beide vorher noch nicht gesehen.

Astabbruch wahrscheinlich als Auslöser

„Bei der Eiche gab es offensichtlich einen Astabbruch vor einigen Jahren“, sagt der zuständige Förster für den Bezirk Nord, Axel Dehler. An solchen Abbruchstellen bilden die Eichen Holzzellen, die die Bruchstellen überwachsen, um die offene Stelle schnell zu schließen.

Buche küsst Eiche: Zumindest mit etwas Fantasie könnte einem dieses Bild vor Augen kommen.
Buche küsst Eiche: Zumindest mit etwas Fantasie könnte einem dieses Bild vor Augen kommen. © Daniel Immel © Daniel Immel

Das sei wichtig für den Baum, weil über solche Abbruchstellen Pilzsporen oder Insekten in den Holzkörper eindringen und den Baum gefährden können. Dieser sogenannte Überwallungsprozess könne bis zu zehn Jahre dauern. „Während des Prozesses ist dann vermutlich die Buche der Eiche in die Quere gekommen“, sagt Axel Dehler, „der Seitenast der Buche ist dann in den Prozess der Eiche miteinbezogen.“

Weniger als einen Meter sind beide Stämme voneinander entfernt. Durch diese Nähe seien die Bäume im Laufe der Jahre regelrecht ineinander gewachsen. Das Phänomen eines Überwallungsprozesses würde bei Eichen oft auch mit benachbarten Zäunen oder Verkehrsschildern auftreten, sagt Förster Axel Dehler.

Keine gemeinsamen Holzzellen

So faszinierend die Symbiose der beiden Laubbäume zwar ist, einen kleinen Wermutstropfen gibt es dennoch: „Die Bäume sind mit Sicherheit nicht fest miteinander verwachsen, das heißt sie können keine gemeinsamen Holzzellen bilden“, sagt Axel Dehler. Zu einem Austausch von Nährstoffen oder Wasser würde es daher nicht kommen.

Ungewöhnlich ist eine derartige Symbiose zweier unterschiedlicher Laubbäume dennoch – vor allem aus Sicht eines Spaziergängers. Axel Dehler hingegen kennt weitere ähnliche Fälle. „Ich habe auch schon gesehen, dass Hainbuchen oder Buchen, die aus einer Wurzel zwei Schäfte gebildet haben, später an den Berührungsstellen wieder zusammengewachsen sind.“ Das Baum-Paar aus seinem Revier, dem Süggelwald, kannte der Förster dennoch nicht.

In Zukunft will das Ehepaar Rudolph ihrer Entdeckung öfters einen Besuch abstatten. Bei einem der nächsten Male wollen sie es ihrem Enkel zeigen. „Dem wird das bestimmt gefallen.“

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