Die Neuntklässler der Hauptschule am Externberg bekamen von Mitgliedern des Gewerbevereines erklärt, wie das Berufsleben funktioniert. © Sylva Witzig
Berufsvorbereitung

Berufswunsch Rapper: Evinger Jugendliche lernen viel über Job-Einstieg

Die einen haben keine Lust auf Arbeit, die anderen überhöhte Erwartungen: Rund 70 Hauptschüler sprachen mit Gewerbetreibenden über Arbeitsmoral, den ersten Eindruck und Gehaltsvorstellungen.

Arzt, Anwalt, Rapper, Influencer: Viele Jugendliche haben Berufswünsche, die sich nicht so leicht erreichen lassen. Die Arbeit, die dahinter steckt, ist ihnen ebenso wenig klar. Mitglieder des Evinger Gewerbevereins waren an der Hauptschule am Externberg zu Gast, um mit den Neuntklässlern über das Berufsleben zu sprechen.

Nur ein Drittel bis maximal die Hälfte der Schüler weiß nach Schätzungen des Schulsozialarbeiters Holger Steinrücke schon, was sie einmal werden möchten.

Die einen wollen am liebsten gar nicht arbeiten, die anderen das große Geld verdienen, um sich irgendwann ein dickes Auto leisten zu können.

Das Handwerk indes ist bei den Hauptschülern „out“. Sie denken, so Klassenlehrerin Kristin Tigges, im Handwerk verdiene man nichts, man müsse studieren. Außerdem schieben die Schüler die Entscheidung für einen Beruf vermehrt auf.

Wer fleißig ist, kann sich schnell hocharbeiten

Wer den Realschulabschluss macht oder auf die Gesamtschule wechselt, lebt komfortabel. „Als Schüler muss man sich um nichts kümmern. Wenn man Fehlstunden hat oder zu spät kommt, gibt es kaum Konsequenzen. Das ist im Berufsleben anders. Aber wer fleißig ist, kann auch als Hauptschüler erfolgreich werden“, so Meik Hibbeln, erster Vorsitzender des Evinger Gewerbevereins.

Fast alle der anwesenden Unternehmer gingen mal zur Hauptschule. „Aus uns ist trotzdem was geworden, auch wenn man direkt einen Stempel aufgedrückt bekommt“, sagt der Bestatter.

Gerade jetzt gebe es viele Betriebe, die Nachfolger suchen und fleißige Praktikanten mit Kusshand als Azubis einstellen würden. Die Aufstiegschancen seien hoch: „Wer pünktlich zur Arbeit kommt, fleißig mit anpackt und sympathisch auftritt, hat schon die halbe Miete.“ Außerdem, so Hibbeln, helfe ein Handwerksberuf auch im Privatleben: „Heute scheitern viele junge Leute schon an einfachen Aufgaben wie dem Aufhängen eines Bildes. Sowas passiert einem Handwerker nicht.“

Der erste Eindruck zählt

Bald geht es für die Schüler ins Praktikum – wie man überhaupt einen Platz bekommt, erklärt Hibbeln den Schülern: „Kleinere Betriebe freuen sich über eine persönliche Vorstellung. Der erste Eindruck zählt – wer da ordentlich gekleidet, freundlich und motiviert vorbeikommt, hat direkt einen Stein im Brett.“

Nur etwa fünf von 20 Bewerbern pro Jahr bringen in seinem Betrieb die Bewerbungsunterlagen persönlich vorbei.

„Viele kümmern sich erst zwei Wochen vor dem Praktikum um einen Praktikumsplatz. Das zeigt schon eine gewisse Grundhaltung – wer sich rechtzeitig engagiert, macht einen besseren ersten Eindruck“, fügt er hinzu.

„Heutzutage sind die Eltern aber auch nicht mehr so hinterher, dass ihre Kinder einen Ausbildungsplatz bekommen. Den Jugendlichen wird mehr Freiraum gelassen. Wir sind heute hier, um den jungen Leuten einen Schubs zu geben und ihnen zu zeigen, dass eine solide Ausbildung viele Vorteile hat, auch wenn man dadurch ab und zu aus seiner Komfortzone heraus muss“, so Hibbeln.

Hohe Erwartungen an den Praktikumsplatz

Zum Bewerbungsprozess gehören Absagen dazu. Hibbeln und seine Kollegen vom Gewerbeverein vermittelten den Schülern, wie man mit Niederlagen umgeht, anstatt den Kopf in den Sand zu stecken.

Die Gewerbetreibenden erklärten den Hauptschülern auch, was sie von einem Praktikums- und Ausbildungsplatz zu erwarten haben: Wer mit der Erwartung, Frisuren zu stylen ins Praktikum beim Friseur geht, wird schnell enttäuscht. An den Kunden werde man in den meisten Berufen nicht sofort gelassen.

Durch die Gesprächsveranstaltung haben die Neuntklässler nun eine etwas genauere Vorstellung davon, was sie im Berufsleben erwartet und dass man kein Doktor werden muss, um sich ein schickes Auto leisten zu können.

Über die Autorin
Volontärin
Geboren in Hamm, dann ausgezogen in die weite Welt: Nach ausgiebigen Europa-Reisen bin ich in meine Heimat zurückgekehrt und berichte nun über alles, was die Menschen in der Gegend gerade bewegt.
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Sylva Witzig

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