In einer Awo-Seniorenwohnstätte haben sich zwei Mitarbeiter mit Corona infiziert. Soll die Einrichtung für Besucher geschlossen werden oder nicht? © Andreas Schröter
Coronavirus

Corona in Dortmunder Seniorenheim: Angehöriger kritisiert Besuchsverbot

Soll man ein Seniorenheim für Besucher schließen, wenn sich dort zwei Mitarbeiter mit Corona infiziert haben? In einem aktuellen Fall gibt‘s dazu einen Konflikt.

In der Awo-Seniorenwohnstätte Eving am Süggelweg sind zwei Mitarbeiter positiv auf Corona getestet worden. Acht weitere Mitarbeiter befinden sich vorsorglich in Quarantäne. Diese Situation habe die Heimleitung dazu bewogen, das Haus vorübergehend für Besucher zu schließen, so Awo-Pressesprecherin Cordula von Koenen. Sie sagt: „Das Gesundheitsamt hat am vergangenen Donnerstag empfohlen, die Einrichtung zunächst zu schließen und eine Reihentestung angekündigt.“ Die sei am Montag erfolgt. Den betroffenen Mitarbeitern gehe es den Umständen entsprechend gut.

Telefonaktion für die Angehörigen

Und weiter: „Über eine Telefonaktion haben die Mitarbeiter versucht, alle Angehörigen kurzfristig über die Situation zu informieren. Sie wollten vermeiden, dass irgendjemand vor verschlossener Tür stehen muss. Falls im Einzelfall jemand nicht oder verspätet informiert wurde, so bedauern wir das.“ Sie sagt, gerade in dieser Einrichtung setzen sich die Mitarbeiter weit über das Maß für Bewohner und Angehörige ein. Die temporäre Schließung diene dem Schutz von allen Beteiligten.

Nicht einverstanden mit diesem Vorgehen ist ein Angehöriger, der namentlich nicht genannt werden möchte. Seine Mutter ist am Süggelweg untergebracht. Er wisse von einem anderen Fall in einem anderen Heim, wo die Einrichtung für Besucher aber nicht geschlossen worden sei. Die betroffene Bewohnerin habe einen leichten Verlauf der Erkrankung gehabt. Auch hätten die anderen Senioren dort ihre Zimmer verlassen dürfen.

Zitat aus der Corona-Schutzverordnung

Er zitiert weiter die Corona-Schutzverordnung: „Besuche in den in Absatz 1 (u.a. Seniorenheime) genannten Einrichtungen sind auf der Basis eines einrichtungsbezogenen Besuchskonzepts zulässig, das die Empfehlungen und Richtlinien des Robert Koch-Instituts zum Hygiene- und Infektionsschutz umsetzt. Dabei ist stets zu berücksichtigen, dass die jeweiligen Regelungen nicht zu einer vollständigen Isolation der Betroffenen fuhren dürfen. Weitergehende Einzelheiten kann das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales in Allgemeinverfügungen regeln.“

Der Angehörige sagt weiter, er habe fortwährend bei seinen Besuchen Personal ohne Maske am Empfang, auf den Fluren, beim Verlassen der Verwaltungsbüros und im Zimmer seiner Mutter angetroffen. Cordula von Koenen erwidert: „Es gibt ein striktes Hygienekonzept, das auch und besonders von den Mitarbeitern eingehalten werden muss. Verstöße dagegen werden durch die Einrichtungsleiterin sofort geahndet. Sollten hier andere Beobachtungen gemacht worden sein, bitten wir dies sofort der Einrichtungsleiterin zu melden.“

„Zu der Tatsache, dass in anderen Senioreneinrichtungen anders entschieden wurde, können wir nichts sagen“, erklärt Cordula von Koenen weiter.

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Redaktion Dortmund
Ich fahre täglich durch den Dortmunder Nordosten und besuche Menschen, die etwas Interessantes zu erzählen haben. Ich bin seit 1991 bei den RN. Vorher habe ich Publizistik, Germanistik und Politik studiert. Ich bin verheiratet und habe drei Töchter.
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Andreas Schröter

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