Jürgen Klippert (73) präsentiert stolz seine Weihnachtsstadt. © Irina Höfken
Weihnachtsgefühl

Dortmunder Ehepaar baut sich eine eigene Weihnachtsstadt

Im Corona-Jahr ist alles neu und alles anders. Umso schöner, wenn alte Traditionen doch noch möglich bleiben: So wird ein Dortmunder Ehepaar zu weihnachtlichen Architekten im Wohnzimmer.

Das Wohnzimmer von Jürgen und Christiane Klippert verwandelt sich jedes Jahr in ein Weihnachtsparadies. Lichterketten, Christsterne und Kerzen sorgen für eine wohlige Atmosphäre. Auf das Kernstück, das Sahnehäubchen, ist das Paar besonders stolz: Vor dem großen Fenster zwischen Ofen und Fernseher erstreckt sich eine beleuchtete Weihnachtsstadt aus 70 Porzellan- und Keramikhäuschen.

Seit 40 Jahren sammeln die Klipperts Porzellan- und Keramikhäuschen und erweitern stetig ihre Weihnachtsstadt.
Seit 40 Jahren sammeln die Klipperts Porzellan- und Keramikhäuschen und erweitern stetig ihre Weihnachtsstadt. © Irina Höfken © Irina Höfken

„Nächstes Jahr lassen wir die Häuser im Karton im Keller“

Seit 50 Jahren ist das Ehepaar Klippert verheiratet. Seit 40 Jahren sind sie die Architekten ihrer kleinen Weihnachtsstadt. Zu Beginn war es nicht einmal ein Dorf und bestand nur aus drei Häusern. Jetzt erfreut sich die Stadt an einem Bahnhof, einer Apotheke, einer Brauerei, etlichen Kirchen, sogar einem Spielkasino und vielem mehr. Der Kölner Dom etwa steht direkt neben dem Fernseher.

Beleuchtet wird die Stadt durch drei Lichterketten, obwohl Teelichter schöner wären, sagt Christiane Klippert. Zu gefährlich sei ihr das mit echten Kerzen nicht, alle anzuzünden würde einfach zu lange dauern. Sie lacht. Überhaupt nimmt der Aufbau sehr viel Zeit in Anspruch. Jedes Jahr sagen sich die beiden: „Nächstes Jahr lassen wir die Häuser im Karton im Keller.“

Über die Menschen in der Weihnachtsstadt im Wohnzimmer freut sich Jürgen Klippert besonders, zwar seien nicht maßstabgetreu, machen die Stadt aber lebendig.
Über die Menschen freut sich Jürgen Klippert besonders, zwar seien sie nicht maßstabgetreu, machen die Stadt für ihn aber lebendig. © Irina Höfken © Irina Höfken

Der Aufbau strapaziert die Nerven

Jedes Jahr bauen sie sie doch wieder auf – und kriegen sich dabei auch gerne mal in die Haare, erzählt Frau Klippert und schmunzelt. Für das Ergebnis lohnt sich die Mühe am Ende doch immer. Nur letztes Jahr, das einzige Mal überhaupt, blieben die Häuser im Keller zurück – zur Enttäuschung der drei Enkelinnen. Architektin Klippert trug einen Gipsarm und hatte sozusagen einen Krankenschein.

Jetzt stehen die Häuser wieder auf dem von Jürgen Klippert gebauten Holzgestell. Immer werden sie neu angeordnet. Einen Namen haben sie ihrer Stadt deswegen nie gegeben. Sie sehe ja jedes Jahr anders aus. Betlehem sei sie von ihrer Mutter immer genannt worden, sagt Frau Klippert – was aber eigentlich auch Quatsch sei, wirft ihr Ehemann ein.

Auch Schnee gibt's: Zu Weihnachten dürfen es die Enkel über der Stadt mit Kunstschnee schneien lassen.
Auch Schnee gibt’s: Zu Weihnachten dürfen es die Enkel über der Stadt mit Kunstschnee schneien lassen. © Irina Höfken © Irina Höfken

Kleiner Gebrauchtwagen in der Fensterbank

Beim Kauf der Häuser achten sie darauf, was die Menschen in ihrer Weihnachtsstadt brauchen können, erklärt Herr Klippert. „Leider ist nichts so richtig Typisches aus Dortmund dabei“, sagt er. Die Reinoldikirche hätte die Sammlung wunderbar ergänzt, sei ihm aber schlichtweg zu teuer gewesen. Insgesamt stehe ein kleiner Gebrauchtwagen in der heimischen Fensterbank. In Zahlen sei der Wert aber nicht auszudrücken.

Wie jedes Jahr wird die Weihnachtsstadt bis Mitte Januar im Wohnzimmer der Klipperts stehen, bis sie hübsch verpackt im Keller verschwindet. Dann werden sie wohl wieder sagen: „Nächstes Jahr lassen wir sie im Keller“ – und sich dagegen entscheiden.

Über die Autorin
Volontärin
Ist am Niederrhein geboren und aufgewachsen. Hat Germanistik und Kunstgeschichte studiert und lebt seitdem in ihrer Wahlheimat Bochum. Liebt das Ruhrgebiet und all seine spannenden Menschen und Geschichten.
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Irina Höfken

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