Der Lanstroper Marek Grzegorek bietet gemeinsam mit seiner Frau ein Mutmacher-Telefon an. © Andreas Schröter
Einsamkeit an Festtagen

Dortmunder hat ein „Mutmacher-Telefon“ für Einsame eingerichtet

So geht unkomplizierte Hilfe unter Nachbarn: Wer in diesen Tagen einsam ist oder andere Sorgen hat, hat die Möglichkeit, beim „Lanstroper-Mutmacher-Telefon“ von Marek Grzegorek anzurufen.

Die Einsamkeit gerade jetzt an den bevorstehenden Feiertagen ist für viele Menschen eines der Hauptprobleme während der Pandemie. Deswegen hat der Lanstroper Marek Grzegorek gemeinsam mit seiner Frau das „Lanstroper Mutmacher-Telefon“ ins Leben gerufen.

Täglich von 16 bis 18 Uhr leihen die beiden jedem ihr Ohr, der einfach mal reden will. Die Rufnummer lautet 0231-47592253 und beinhaltet zwei Leitungen.

Mutmacher-Telefon ist keine ärztliche Beratung

Grzegorek, der als Reiseberater arbeitet, jetzt gerade während der Corona-Krise aber wenig zu tun hat, betont, dass er keine psychologische oder soziale Ausbildung hat. Er möchte ein niederschwelliges Hilfsangebot von Nachbar zu Nachbar und gegen das Alleinsein unterbreiten.

Sollte jemand anrufen, der schwerwiegende psychische Probleme hat, würde er sofort an entsprechende professionelle Stellen verweisen. Vorgekommen sei das bisher aber noch nicht. „Wir sind schließlich keine ärztliche Sprechstunde“, sagt er, „wir sind ein Zuhörtelefon. Zuhören habe ich schließlich in meinem Beruf gelernt.“

Mit solchen Flyern, die unter anderem am Lotto-Toto-Laden neben dem Netto an der Färberstraße ausliegen, wirbt Marek Grzegorek für sein Angebot
Mit solchen Flyern, die unter anderem am Lotto-Toto-Laden neben dem Netto an der Färberstraße ausliegen, wirbt Marek Grzegorek für sein Angebot. © Andreas Schröter © Andreas Schröter

Die Anrufer, die sich bisher gemeldet haben, seien vorwiegend Ältere, die oft nicht verstehen, warum ihre Kinder und Enkelkinder an diesem Weihnachtsfest nicht kommen dürfen.

Senioren in Dortmund stehen vor schwierigen Entscheidungen

„Stellen Sie sich einmal vor, wie es ist“, so Grzegorek weiter, „wenn Sie in einer Zwei-Zimmer-Wohnung ohne Balkon an Heiligabend vollkommen allein sitzen.“ Allerdings gebe es auch den umgekehrten Fall. Er wisse von einem Senior, der in diesem Jahr nicht wie sonst die Reise nach Süddeutschland zu seinen Kindern auf sich nehmen wolle. Er setze sich in diesen Zeiten doch nicht in einen Zug, habe er gesagt.

In diesem Fall seien es die Kindern in Bayern, die diese Haltung nicht verstehen und sehr traurig sind. „Dann müsst Ihr mich eben mit dem Auto abholen“, habe der Senior gesagt. Dazu jedoch komme es wohl nun auch nicht.

Hemmschwelle bei den Lanstropern ist bisher noch hoch

Grzegorek wirbt für sein Angebot im Internet und hat für alle, die nicht im Internet unterwegs sind, Flyer zum Beispiel im Lotto-Toto-Laden mit integrierter Post-Filiale von Stefanie Winter neben dem Netto-Supermarkt an der Färberstraße 23 ausgelegt.

Allzu viele Anrufe habe es bisher allerdings nicht gegeben. Offenbar gebe es eine Art Hemmschwelle, die Nummer auch wirklich zu wählen. Er wolle allen, die reden möchten, Mut machen, sich mit ihm in Verbindung zu setzen. Wer lieber einen weiblichen Gesprächspartner hätte, den reiche er an seine Frau weiter.

Die Kirchengemeinden machen ähnliche Gesprächsangebote. Die Awo Asseln-Husen/Kurl hat ebenfalls ein Hilfstelefon eingerichtet. Es ist zu erreichen unter Tel. 0172 – 1751849.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Ich fahre täglich durch den Dortmunder Nordosten und besuche Menschen, die etwas Interessantes zu erzählen haben. Ich bin seit 1991 bei den RN. Vorher habe ich Publizistik, Germanistik und Politik studiert. Ich bin verheiratet und habe drei Töchter.
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Andreas Schröter

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