Dieter Pfeifer setzt große Hoffnung in seine neue Postfiliale. © Irina Höfken
Briefe, Pakete und Co.

Existenzangst wegen Corona: „Neue Postfiliale ist mein letzter Retter“

Finanziell wird‘s eng für einen Dortmunder Textildrucker: Corona und Online-Konkurrenz sorgen für Existenzängste. Jetzt setzt er auf einen letzten Retter: Eine neue Postfiliale in seinem Laden.

Zwischen den Kleiderständern schlängeln sich die Kunden mit vielen Paketen und Briefen unter den Arm geklemmt. Seit dem 1. Dezember hat Dieter Pfeifer in seiner Textildruckerei in der Bayrischen Straße 189 eine Postfiliale. Er hat sie von der 300 Meter entfernten Boutique H&H Fashion übernommen. Für die Menschen in Eving ändert sich damit nicht viel – für Dieter Pfeifer hoffentlich schon.

Zwischen den Kleiderständern hat Dieter Pfeifer nun seine neue Postfiliale.
Zwischen den Kleiderständern hat Dieter Pfeifer nun seine neue Postfiliale. © Irina Höfken © Irina Höfken

Corona sorgt für Existenzangst

„Ich habe Existenzangst hoch fünf! Die Postfiliale ist mein letzter Retter“, sagt der Inhaber von Druck und Sport Pfeifer. Für jeden Anlass habe er den passenden Textil-Aufdruck, gefragt sei das momentan gar nicht. Die großen Aufträge der Vereine etwa bleiben corona-bedingt aus. Erschwerend komme der Konkurrenzdruck der Online-Branche hinzu – und absurderweise soll der Online-Handel jetzt das ersehnte Licht am Ende des Tunnels für ihn sein.

Vier Tage lang wurde Dieter Pfeifer von Petra Feierabend angelernt, die selbst seit Jahren eine Postfiliale in Dortmund betreibt. An Tag fünf muss der Textildrucker sie schon alleine schmeißen. „Das ist anspruchsvoll. Zwei Wochen Schulung wären mir lieber gewesen“, sagt er. Hilfe gibt es aber auch per Telefon von der Support-Hotline, wenn es knifflige Fälle gibt.

Auch bei kniffligen Fällen bewahrt Dieter Pfeifer Ruhe

Einer davon ist an diesem Vormittag der von Asiye Türker: Die 22-Jährige steht mit zwei großen Umschlägen und zwei riesigen Paketen an Pfeifers Schalter. Sie will wichtige Akten für die Rechtsanwaltskanzlei, in der sie ihre Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten macht, per Einschreiben schicken. Die Umschläge hat sie schon vorher mit Briefmarken beklebt, die für die schweren Akten aber nicht ausreichen.

Asiye Türker will wichtige Akten für die Rechtsanwaltskanzlei per Einschreiben verschicken - Briefmarken hat sie schon vorher aufgeklebt.
Asiye Türker will wichtige Akten für die Rechtsanwaltskanzlei per Einschreiben verschicken – Briefmarken hat sie schon vorher aufgeklebt. © Irina Höfken © Irina Höfken

Nachfrankieren ist für Pfeifer kein Problem, wie siehts aber per Einschreiben aus? Der Textildrucker bewahrt einen kühlen Kopf und wählt die Hotline. Dabei erzählt Türker: „Die Angebote beim Black Friday waren zu verlockend. Die großen Pakete sind Retouren.“ Geduldig wartet sie, bis Pfeifer das Telefonat beendet. Mittlerweile warten hinter ihr zwei weitere Kunden mit Paketen.

Schließlich klebt Dieter Pfeifer das passende Etikett auf den Umschlag, sie zahlt den fehlenden Betrag und die Akten werden auf den Weg gebracht. Mit ihren Retouren muss sie aber wieder den Heimweg antreten. Irgendetwas stimmte mit den QR-Codes nicht. Schade.

Bei den Kunden danach klappt aber alles reibungslos: Das Etikett wird gescannt, ein piepsendes Geräusch ertönt, der Bon wird gedruckt und das Paket landet auf dem Stapel hinter dem Postschalter. Dieser Monat werde über die Zukunft seines Ladens entscheiden, sagt Dieter Pfeifer. Er setzt große Hoffnung in die Postfiliale. Einen Plan B gibt es nicht.

Über die Autorin
Volontärin
Ist am Niederrhein geboren und aufgewachsen. Hat Germanistik und Kunstgeschichte studiert und lebt seitdem in ihrer Wahlheimat Bochum. Liebt das Ruhrgebiet und all seine spannenden Menschen und Geschichten.
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Irina Höfken

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