Mit diesem Plakat an ihrer Tür wurde Rita L. empfangen, nachdem sie fünf Monate lang ihre Wohnung nicht betreten hatte. © Andreas Schröter
Kolumne Nordost-Geschichten

Frau springt dem Tod knapp von der Schippe – und hat dann Angst vor Spinnern

In der Kolumne „Nordost-Geschichten“ spricht Andreas Schröter heute über einen beeindruckenden Termin, der ihn nachdenklich gemacht hat. Es geht um Todesangst und Querdenker.

Liebe Leserinnen und Leser,

der mit Abstand beeindruckendste Termin in dieser Woche war für mich das Treffen mit der Brechtenerin, die wegen einer Corona-Infektion ihre Wohnung fünf Monate lang nicht gesehen hat. Erst war sie drei Monate im Krankenhaus – davon sechs Wochen im Koma -, dann zwei Monate in der Reha.

Nachdenklich gemacht hat mich ihr Wunsch, nicht fotografiert zu werden und nicht mit vollem Namen genannt zu werden – aus Angst vor Corona-Leugnern und Querdenkern.

Auch wenn ihre Angst womöglich übertrieben ist, frage ich mich: In was für einer Gesellschaft leben wir, in der jemand, der dem Tod so gerade eben noch von der Schippe gesprungen ist, auch noch Angst vor irgendwelchen Spinnern haben muss?

Ich garantiere: Querdenker, die sich mit der Brechtenerin unterhalten würden, wären danach von ihrem Leiden geheilt.

Andererseits hat besagte Frau aus Brechten unglaublich viel Hilfe und Zuspruch erhalten – und das nicht nur aus der katholischen Gemeinde, in der sie beheimatet ist, sondern auch von Brechtenern mit evangelischem Glaubensbekenntnis. Das versöhnt mich ja dann wieder etwas mit der Gesellschaft.

Machen Sie sich ein schönes Wochenende! Bis nächsten Samstag!

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Ich fahre täglich durch den Dortmunder Nordosten und besuche Menschen, die etwas Interessantes zu erzählen haben. Ich bin seit 1991 bei den RN. Vorher habe ich Publizistik, Germanistik und Politik studiert. Ich bin verheiratet und habe drei Töchter.
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Andreas Schröter
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