Jasmin Melzner zeigt den Interessenten bei der Auftaktveranstaltung, was die Frauen beim Projekt erwartet. In Workshops sollen die Frauen einfache Malertechniken und beispielsweise tapezieren lernen, um später mehrere Orte im Stadtbezirk gemeinsam zu verschönern. © Sylva Witzig
Miteinander im Quartier

„Frauen können das“ – Integrationsprojekt verschönert den Stadtteil

Ein neues Projekt in Derne verbindet Frauen verschiedener Kulturen miteinander. Es soll unter anderem dafür sorgen, dass die Leute „nicht mehr so schäbbig zueinander sind“.

„Wir sind Frauen. Wir können das“ ist das Motto des Projektes „Miteinander im Quartier“, kurz „Mitiq“, das Frauen verschiedenster Nationalität verbinden soll. Im Zuge des Projektes lernen sich die Kulturen kennen, die Frauen lernen Handwerkstechniken, schulen ihr Deutsch und tun dabei noch etwas für den Stadtbezirk.

An verschiedenen Orten, beispielsweise im Warteraum der Bezirksverwaltungsstelle und im Polizeipräsidium, werden die Frauen innerhalb der nächsten drei Jahre ehrenamtlich Malerarbeiten durchführen. Abseits davon stehen Ausflüge nach Münster, Düsseldorf und Berlin auf dem Plan.

Finanziert wird das Projekt mit 48.000 Euro von der Bezirksvertretung und vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Sowohl für die Frauen, als auch für die Kooperationspartner, deren Räume aufgehübscht werden, ist das Projekt kostenlos. Interessierte Firmen können sich weiterhin beim Werkhof melden.

Keine Vorerfahrung nötig

Die gelernte Malerin Jasmin Melzner bringt den Frauen in zwei bis drei Workshops pro Woche grundlegende Techniken des Malerhandwerks bei – auch das Tapezieren. Können muss man dafür im Vorfeld nichts: „Jede vom Teenie bis zur Seniorin kann teilnehmen, wobei wir natürlich auf die körperlichen Möglichkeiten achten. Wir schicken eine Seniorin nicht unbedingt auf eine Leiter.“

Pädagogin Meike Findeisen-Lang, Malerin Jasmin Melzner und Teamleiterin Amal Douidi-Abusheikha freuen sich auf die kommenden Projekte mit den Frauen.
Pädagogin Meike Findeisen-Lang, Malerin Jasmin Melzner und Teamleiterin Amal Douidi-Abusheikha freuen sich auf die kommenden Projekte mit den Frauen. © Werkhof © Werkhof

Mitbringen sollte man lediglich Spaß am Projekt. Für jene, die noch nicht so gut Deutsch sprechen, gibt es keine Dolmetscher – Ziel sei es, gemeinsam Deutsch zu sprechen, damit die Frauen sich auch außerhalb des Projektes integrieren.

Interessierte melden sich beim Werkhof an und vernetzen sich dann über den Messenger Signal. Die Teilnahme an den Workshops und Aktionen ist nicht verbindlich – die Frauen können auch zwischendurch aussetzen.

Mix der Nationalitäten

Laut der Teamleitung Amal Douidi-Abusheikha haben sich bereits 16 Frauen angemeldet. Die Nationalitäten sind schon jetzt bunt gemischt: Dabei sind bisher Frauen aus Guinea, Syrien, Marokko, der Türkei und Polen, aber auch zwei Deutsche.

Teamleiterin Amal Douidi-Abusheikha informiert bei der Auftaktveranstaltung darüber, wie Akteure aus dem Stadtbezirk das Projekt unterstützen können.
Teamleiterin Amal Douidi-Abusheikha informiert bei der Auftaktveranstaltung darüber, wie Akteure aus dem Stadtbezirk das Projekt unterstützen können. © Sylva Witzig © Sylva Witzig

Manche kommen aus dem Übergangswohnheim, mache wurden durch vorherige Projekte des Werkhofs auf „Mitiq“ aufmerksam, andere durch das Müttercafé. Seit März werden bereits einzelne Angebote durchgeführt, wobei die Zahl der Teilnehmerinnen immer schwankt. Im Herbst sollen die ersten Verschönerungsaktionen im Stadtbezirk starten, konkrete Pläne gäbe es aber noch nicht.

Auftaktveranstaltung bei Regenwetter

Am 14. Juli wurde das Projekt bei einer kleinen Festveranstaltung vorgestellt – ein gewissermaßen feuchter Auftakt. Pünktlich zum Beginn der Veranstaltung begann es zu schütten. Während die Trommelgruppe des Übergangswohnheims für Stimmung sorgte, wurde das Wasser mit einem Schrubber von der Bühne gewischt. „Flüssiger Sonnenschein“ nannte der Bezirksbürgermeister die Wetterlage euphemistisch.

Eine Trommelgruppe sorgte bei der Auftaktveranstaltung für Stimmung - trotz schlechten Wetters.
Eine Trommelgruppe sorgte bei der Auftaktveranstaltung für Stimmung – trotz schlechten Wetters. © Sylva Witzig © Sylva Witzig

„Schäbbig“ ist ein Wort, das nicht nur auf das Regenwetter zutrifft, sondern auch auf den Umgang der Menschen miteinander. Das sei einer der Gründe, warum die Bundestagsabgeordnete Sabine Poschmann sich dafür eingesetzt habe, dass das Projekt vom Bund unterstützt wird: „Immer wieder kann man beobachten, wie Menschen richtig schäbbig zueinander sind. Das liegt aber auch daran, dass sie sich nicht kennen. Indem wir verschiedene Kulturen zusammen bringen, tragen wir dazu bei, dass sie freundlicher miteinander umgehen.“

Mit dem Projekt schlage man drei Fliegen mit einer Klappe: Integration, Gleichstellung und der Stadtbezirk wird verschönert. Laut Bürgermeister Norbert Schilff sei Dortmund eine Großstadt der Nachbarn, das Projekt in Scharnhorst habe eine Vorbildfunktion für die ganze Stadt. Er hofft, dass nach diesem Beispiel die Menschen auch in anderen Stadtteilen näher zusammenrücken werden.

Kontaktdaten

Werkhof Projekt

Derner Straße 540

44329 Dortmund

Tel.: 0231 87804 – 100

Über die Autorin
Volontärin
Geboren in Hamm, dann ausgezogen in die weite Welt: Nach ausgiebigen Europa-Reisen bin ich in meine Heimat zurückgekehrt und berichte nun über alles, was die Menschen in der Gegend gerade bewegt.
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Sylva Witzig

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