Mit Tränen in den Augen kehren Daniela und Dario Cordella (r.) Scharnhorst-Ost den Rücken. Der beliebte Kellner Vicenzo Fasto bleibt dem Betrieb erhalten. © Andreas Schröter
Gastronomie

Geschäftsaufgabe nach 49 Jahren: Im Dortmunder EKS fließen die Tränen

Der gefühlte Mittelpunkt von Scharnhorst-Ost schließt nach 49 Jahren. Für die Inhaber geht es nach Italien. Für treue Begleiter fällt der Abschied wegen Corona jedoch distanziert aus.

Im Eiscafé Cordella im Scharnhorster Einkaufszentrum EKS fließen momentan viele Tränen. Nach 49 Jahren haben sich Dario (74) und Daniela (67) Cordella schweren Herzens dazu entschlossen, ihren Betrieb aufzugeben. Und das trifft viele Scharnhorster mitten ins Herz.

Für ganze Generationen von Jugendlichen (und Erwachsenen) war Cordella der wichtigste Treffpunkt in Scharnhorst-Ost. Immer wieder klopfen in diesen Tagen Menschen ans Fenster – nicht, um doch noch ein letztes Eis auf die Hand oder einen Coffee-to-go zu ergattern, sondern einfach um den Cordellas alles, alles Gute zu wünschen und sich für ein tolles halbes Jahrhundert zu bedanken.

Das Freizeitverhalten habe sich geändert

„Besonders in der Anfangszeit gab‘s doch nichts anderes“, sagt Daniela Cordella, „in die Kneipen durften die Jugendlichen erst ab 18, also trafen sie sich bei uns, wenn sie jünger waren. In der heutigen Zeit habe sich das etwas geändert, weil sich auch das Freizeitverhalten der Jugendlichen geändert habe. Heute seien es eher ältere Menschen, die zu den Stammgästen bei Cordella gehörten.

„Wir hatten uns das alles etwas anders vorgestellt“, sagen sie, „natürlich wollten wir unseren Abschied groß feiern, aber leider hat uns Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht.“ Im November haben sie zwar den Straßenverkauf noch weiterlaufen lassen, aber das ist mittlerweile vorbei. Auch die Hoffnung auf ein paar letzte Öffnungstage im Dezember ist durch die Verlängerung des Lockdowns für die Gastronomie gestorben. Traurig für die Cordellas und ihre vielen treuen Gäste.

So sieht das Eiscafé Cordella im Scharnhorster Einkaufszentrum EKS von außen aus
So sieht das Eiscafé Cordella im Scharnhorster Einkaufszentrum EKS von außen aus. © Andreas Schröter © Andreas Schröter

Bretter vor der Tür schützten vor dem Schlamm

Dario Cordella, der vor seiner Scharnhorster Zeit schon 13 Jahre lang mit seinem Vater in einer Eisdiele in Derne gearbeitet hat, erinnert sich noch an die Anfangszeit 1971 in Scharnhorst, als der gesamte Stadtteil noch im Entstehen begriffen war: „Wir hatten Bretter vor der Tür, weil ansonsten alles im Schlamm versunken wäre.“ Trotzdem hat sich das Paar damals für den Schritt zur eigenen Eisdiele entschieden – auch Daniela Cordella hatte zuvor ein Jahr lang in der Derner Eisdiele ihres Schwiegervaters mitgearbeitet.

So traurig die Cordellas momentan auch sind, so sehr freuen sie sich darauf, im Januar zu ihren Kindern in die Nähe von Cortina d’Ampezzo in Italien zu ziehen. Auch Corona mit all seinen Einschränkungen sei übrigens ein Grund für den Entschluss gewesen, nun aufzuhören. „Wäre das nicht gewesen, hätten wir vielleicht noch ein Jahr drangehängt.“

Im Ladenlokal an der Gleiwitzstraße 269 wird es aber weiterhin Eis geben. Mauro Borsoi, der bereits eine Eisdiele an der Kleppingstraße hat, will so schnell wie es Corona erlaubt neu eröffnen.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Ich fahre täglich durch den Dortmunder Nordosten und besuche Menschen, die etwas Interessantes zu erzählen haben. Ich bin seit 1991 bei den RN. Vorher habe ich Publizistik, Germanistik und Politik studiert. Ich bin verheiratet und habe drei Töchter.
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Andreas Schröter

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