Frank Schmidt-Kamann (v.r), WÜT- Geschäftsführer Philipp Richter (m.) und -Geschäftsführerin Andrea Terwey (h.r.) zeigen die Pläne und das Modell des Wohnprojektes. © Irina Höfken
Wohnraum

Grünes Licht für Bau von besonderem Wohnprojekt im Dortmunder Norden

Bezahlbarer Wohnraum wird immer knapper – auch in Dortmund. Im Herzen Evings soll 2022 ein ganz besonderes Wohnprojekt für viele verschiedene Zielgruppen entstehen.

Ein Senior sitzt vor seiner Wohnung an einem kleinen Tisch und schaut in den Innenhof, in dem ein kleines Kind auf dem Spielplatz spielt. Ein junger Mensch mit Behinderung kommt auf ihn zu und fragt: „Soll ich dir etwas aus dem Supermarkt mitbringen? Ich gehe einkaufen.“

Diese und weitere Szenen erhofft sich der Elisabeth-Vormfelde-Verein von seinem neuen inklusiven Wohnkonzept „Stadt im Kleinen“, das 2022 im Herzen Evings realisiert werden soll. Seit über 55 Jahren unterstützt der Verein Menschen mit Behinderungen dabei, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden.

An der Gärtnerstraße, gleich neben dem früheren Zechengelände Minister Stein, sollen Menschen mit Behinderung, Familien mit Kindern, Senioren und Studenten gemeinsam leben, eine gute Gemeinschaft bilden und sich gegenseitig unterstützen.

„Da soll Inklusion gelebt werden“, sagt Philipp Richter. Er ist Geschäftsführer der Werkstatt über den Teichen (WÜT), die zum Elisabeth-Vormfelde-Verein gehört.

So soll das Wohnprojekt an der Gärtnerstraße aussehen. © Linder Lohse Architekten BDA © Linder Lohse Architekten BDA

Grünes Licht für inklusives Wohnprojekt in Eving

„Wir haben einen positiven Bauvorbescheid, sozusagen grünes Licht“, erklärt WÜT-Geschäftsführerin Andrea Terwey. Sie sei sehr optimistisch, dass 2022 die Bagger rollen und 2023 die ersten Bewohner an der Gärtnerstraße 23 a-c einziehen könnten: „Es tut sich etwas.“

Das verlassene Bauerngehöft an der Gärtnerstraße wurde bereits abgerissen. Dort entsteht der neue Gebäudekomplex.
Das verlassene Bauerngehöft an der Gärtnerstraße wurde bereits abgerissen. Dort entsteht der neue Gebäudekomplex. (Archivbild) © Oliver Volmerich © Oliver Volmerich

Wo vorher ein verlassenes Bauerngehöft stand, soll rund um einen grünen Innenhof ein L-förmiger Gebäudekomplex aus drei Baukörpern für 36 Wohnparteien entstehen. Die Wohnungen sollen zwischen 45 und 111 Quadratmeter groß sein und demnach Platz für Singles als auch für Familien mit mehreren Kindern bieten.

Die offene Erschließung samt offener Flure soll die Gemeinschaft der Anwohner fördern. Je nach Bedarf können Bewohner Angebote wie Betreutes Wohnen, Pflegedienste, Hausmeisterservice oder andere Dienste nutzen.

Zentrale Lage – Straßenausbau geplant

Das Areal liegt sehr ruhig in zweiter Reihe hinter der Deutschen Straße, aber zugleich auch sehr zentral am Rande der Evinger Mitte mit Einkaufsmöglichkeiten, medizinischer Versorgung sowie Anbindung an Bus und Bahn in unmittelbarer Nähe. „Die Lage ist einfach fantastisch“, sagt Terwey. Außerdem solle die Gärtnerstraße 2022 ausgebaut werden.

Dort an der Gärtnerstraße mit Blick auf den Hammerkopfturm soll das Wohnprojekt entstehen
Dort an der Gärtnerstraße mit Blick auf den Hammerkopfturm soll das Wohnprojekt entstehen. © Irina Höfken © Irina Höfken

1,25 Millionen Euro sollen dafür investiert werden, bestätigt Stadtsprecher Christian Schön. Vorgesehen ist auch ein drei Meter breiter Rad- und Fußweg, der die Gärtnerstraße mit dem Grubenweg im Süden verbindet. Die Bauzeit betrage rund 1 Jahr.

2022 sollen sich Interessierte für eine Wohnung bewerben können

Ein Teil des Baugrundstücks für das Wohnprojekt müsse noch von der Stadt Dortmund gekauft werden, sagt Andrea Terwey. Laut Stadtsprecher Schön seien die Verhandlungen zwar nicht ganz abgeschlossen, aber erfreulich konkret. Mit dem Projekt bekäme Dortmund einen guten Anteil an öffentlich gefördertem Wohnraum, ergänzt er.

Etwa mit sieben bis acht Euro pro Quadratmeter Miete sei zu rechnen, sagt Frank Schmidt-Kamann vom Vorstand des Vereins und Bauherr des Bauprojekts. Ziel sei nicht, an den Wohnungen zu verdienen.

Im Vordergrund stehe die Philosophie des integrativen Wohnprojekts: „Alles steht und fällt mit den Bewohnern, die an der Gärtnerstraße einziehen werden.“ Wie und wann sich Interessierte für eine Wohnung bewerben könnten, soll 2022 bekannt gegeben werden.

Für Bezirksvertretung bleiben offene Fragen

Für die Bezirksvertretung Eving bleiben derzeit aber noch viele Fragen zu dem Projekt offen, erzählt Bezirksbürgermeister Oliver Stens (SPD) auf Anfrage der Redaktion.

Die Enttäuschung sei groß gewesen, als ein angeforderter Berichterstatter der Verwaltung zur letzten Sitzung der Bezirksvertretung im Dezember unentschuldigt gefehlt habe. Ein Austausch sei wünschenswert, sagt Stens, der dem Bauprojekt grundsätzlich positiv gegenüber steht.

Über die Autorin
Volontärin
Ist am Niederrhein geboren und aufgewachsen. Hat Germanistik und Kunstgeschichte studiert und lebt seitdem in ihrer Wahlheimat Bochum. Liebt das Ruhrgebiet und all seine spannenden Menschen und Geschichten.
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Irina Höfken

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