Der scheidende Bezirksbürgermeister Heinz Pasterny steht auf dem Balkon seiner Wohnung an der Kafkastraße in Scharnhorst-Ost. Er hat aktiv miterlebt, wie dieser Stadtteil entstanden ist. © Andreas Schröter
Kommunalpolitik in Dortmund

Heinz Pasterny: Ein Scharnhorster SPD-Urgestein verabschiedet sich

Heinz Pasterny ist seit über 60 Jahren Mitglied in der SPD und ältester Bezirksbürgermeister, den Dortmund je hatte. Nun endet seine Amtszeit. Im Interview blickt er zurück.

Heinz Pasterny (82 – SPD) scheidet zum 1. November aus seinem Amt als Scharnhorster Bezirksbürgermeister aus. Als „Ochsentour“, wie er selbst sagt, hat er in den vergangenen sechs Jahrzehnten fast alles erlebt, was man als Kommunalpolitiker erleben kann. Er war Juso-Vorsitzender, stellvertretender Ortsvereins-Vorsitzender und Hauskassierer, Stadtbezirks-Vorsitzender, sachkundiger Bürger im Rat, zehn Jahre Ratsvertreter und 21 Jahre Bezirksvertreter, davon 16 als Bezirksvorsteher beziehungsweise Bezirksbürgermeister. Wir sprachen mit ihm.

Hallo Herr Pasterny, was würden Sie als Höhepunkt Ihrer langen kommunalpolitischen Karriere sehen?

Die Anfangsjahre in Scharnhorst-Ost. Als die ersten Bewohner zum Beispiel an die Kautskystraße oder den Simmelweg zogen, gab es dort doch gar nichts. Da herrschte Mangel an allem. Die Sparkasse und auch die beiden Kirchengemeinden waren in Baracken untergebracht.

Und trotzdem sehen Sie das positiv?

Ja, weil man zu dieser Zeit so viel erreichen konnte. Als die Kautsky-Grundschule ihre Arbeit aufnahm, stand der Rektor mit einem Megafon auf dem Dach des Toilettenhäuschens, damit er von den 500 Kindern und ihren Eltern gehört wurde. Als sich der erste Arzt an der Droote niederließ, hat man ihn mit einem Fackelzug begrüßt. Und als am 15. Mai 1976 die Stadtbahnlinie eröffnet wurde, gab‘s ein Volksfest. Teilweise standen in Scharnhorst-Ost bis zu 70 Baukräne gleichzeitig. Damals ist unglaublich viel Geld nach Scharnhorst-Ost geflossen. Viele andere Stadtteile waren neidisch, und in den politischen Diskussionen ging es hoch her.

Und was würden Sie aus der heutigen Zeit hervorheben?

Dass wir Haus Wenge für die Bürger gesichert haben. Und dann sollten wir mal über den Sport reden. Der Stadtbezirk Scharnhorst ist gut bis sehr gut mit Sportstätten ausgestattet. Und jetzt bekommen wir in Lanstrop noch ein modernes Leichtathletikstadion. Unser Problem ist noch die 50 Jahre alte Sportanlage am Buschei. Wir erwarten mit dem Masterplan Sport und dem Potsdam-Institut eine Lösung. Auch den Naturschutz kann man hervorheben. Wir haben fünf Waldgebiete, die naturbelassen sind. Scharnhorst ist der grünste Stadtbezirk in Dortmund und hat mit dem Naturlehrpfad ein starkes Pfund. Auch die Renaturierung der Körne und des Kirchderner Grabens mit den Nebengewässern haben den Norden enorm aufgewertet – ein Musterstück des Projektes „Nordwärts“. In Derne ist viel Gutes entstanden, und Husen verändert sich gerade sehr stark. Das gilt auch für die Westfalenhütte. Die gehört zwar nicht zum Stadtbezirk Scharnhorst, aber dort werden demnächst viele Scharnhorster Arbeit finden. Auch die Schaffung zahlreicher Arbeitsplätze auf der ehemalige Brache Gneisenau möchte ich erwähnen.

Was ist nicht so gut gelaufen?

Dass der Kreisverkehr an der Kreuzung Flughafenstraße/Buschei/Drosselweg noch immer nicht da ist, zum Beispiel. Zuletzt hieß es: nach den Sommerferien. Jetzt haben wir schon wieder Ende September, und nichts tut sich. Unzufrieden bin ich auch mit der Ausstattung des Stadtbezirks mit Kindergartenplätzen. Die Kita am Mackenrothweg hat eine Warteliste mit 400 Namen. Am Buschei soll eine achtgruppige Einrichtung entstehen. Aber wann? Ein Kindergarten ist zum Beispiel für Kinder, die noch kein Deutsch können, enorm wichtig, damit sie später in der Schule klarkommen.

War das ein emotional schwieriger Moment für Sie, als die SPD-Fraktionsvorsitzende Karin Heiermann und Ihr Stellvertreter als Bezirksbürgermeister, Werner Gollnick von der CDU, Sie am Ende der letzten Sitzung verabschiedet haben?

Ich kannte das ja schon, denn ich war vor sechs Jahren schon einmal verabschiedet worden, bin dann aber doch wieder aufgestellt und gewählt worden. Jetzt sollen auch mal Jüngere ran. Aber ich möchte mich bei allen bedanken, mit denen ich zuletzt zusammengearbeitet habe. Sie haben es mir leicht gemacht, auch wenn es sehr unterschiedliche Menschen mit sehr unterschiedlichen Meinungen waren. Ich nenne aber bewusst keine Namen, sonst vergesse ich sicher jemanden. Letztlich hat mir die Arbeit in der Bezirksvertretung viel Freude gemacht. Es ist schön, dass man damit für die Menschen etwas erreichen kann.

Sie sind mit 82 Jahren der älteste Bezirksvorsteher oder Bezirksbürgermeister, den es in Dortmund jemals gab. Wurden Ihnen die vielen Termine manchmal zu viel?

Nein, das würde ich nicht sagen. Dass man mal Stress hat, ist ja normal. Das geht auch einem jüngeren Menschen nicht anders.

Werden Sie Ihre Nachfolger beraten?

Wenn es gewünscht wird, gerne.

Aber Sie bleiben weiterhin aktiv, zum Beispiel im Haus Wenge?

Das weiß ich noch nicht. Ich will mich zwar nicht zurückziehen, aber ich fände es auch gut, wenn sich noch mehr Lanstroper stärker einbringen würden. Ich bleibe nach 60 Jahren SPD-Mitgliedschaft auf jeden Fall im SPD-Ortsverein Scharnhorst-Ost. Dort bin ich sogar Ehrenmitglied.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Ich fahre täglich durch den Dortmunder Nordosten und besuche Menschen, die etwas Interessantes zu erzählen haben. Ich bin seit 1991 bei den RN. Vorher habe ich Publizistik, Germanistik und Politik studiert. Ich bin verheiratet und habe drei Töchter.
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Andreas Schröter

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