Gerd und Rosemarie Kerl und Nachbar Björn Janzik (2. v. l.) wurden mit Heizlüftern gegen die Kälte in der Wohnung abgespeist. © Lydia Heuser
Vivawest

Heizungsausfall in Dortmunder Siedlung: Vivawest stellt Heizlüfter bereit

In einem Quartier in Brechten bibbern Mieter vor Kälte, weil die Heizung ständig ausfällt. Der Vermieter Vivawest reagiert zögerlich und glänzt nicht mit seinem Kommunikationsgeschick.

Vivawest-Mieter in Brechten gehen seit einigen Tagen mit Bademantel, Winter-Socken und Wärmflasche ins Bett. Tagsüber laufen sie mit wärmender Fleecejacke in den eigenen vier Wänden umher.

Lauwarme Heizkörper oder Totalausfall

Knapp über 14 Grad misst das Thermometer von Gabriele Heiber (65) momentan – drinnen, in ihrer zweieinhalb Zimmer Wohnung. „Die Heizung steht auf drei“, stellt sie klar. Der Heizkörper werde nur minimal warm. Normalerweise habe sie nur eine Heizung an, ohne frieren zu müssen.

Die Bewohner der Häuser am Ortdieck 4 bis 14 wussten sich nicht anders zu helfen und schrieben unserer Redaktion. In sechs Wochen sei drei Mal die Heizung ausgefallen. „Man fühlt sich dermaßen hilflos“, klagt Gabriele Heiber. Denn die Servicehotline des Immobilienunternehmens Vivawest, die 2014 die Siedlung übernommen hat, sei keine Hilfe. „Da ruft man vier Mal an und hat fünf verschiedene Leute am Apparat“, meint die 65-Jährige.

Lukasz Kubiczek, Gabriele Heiber, Dieter Steinhau und Peter Hidusi frieren seit Dezember in ihren Wohnungen (v. l. n. r.). Bei einem Ortstermin schildern sie die Situation.
Lukasz Kubiczek, Gabriele Heiber, Dieter Steinhau und Peter Hidusi frieren seit Dezember in ihren Wohnungen (v. l. n. r.). Bei einem Ortstermin schildern sie die Situation. © Lydia Heuser © Lydia Heuser

Keine der 18 betroffenen Mietparteien konnte bisher in Erfahrung bringen, warum die Heizung nicht funktioniert und wann sie wieder mit einer warmen Wohnung rechnen können.

Ortstermin bei den betroffenen Häusern

Bei einem Ortstermin am Montag (11.1.) schildern die Anwohner die Situation. Man könne nicht mehr duschen, weil das Badezimmer so kalt sei. „Meine Katze hat schon einen Schnupfen“, beschwert sich Nina Henkel, die ihre Jacke in der Wohnung nicht mehr ausziehen mag.

Bei einem Ortstermin mit den Mietern steht zufällig auch ein Fahrzeug von Vivawest am Straßenrand.
Bei einem Ortstermin mit den Mietern steht zufällig auch ein Fahrzeug von Vivawest am Straßenrand. © Lydia Heuser © Lydia Heuser

Ein Vivawest-Fahrzeug parkt am Straßenrand der Häuserreihen. Kommt nun Bewegung in die Sache? Die Anwohner sind skeptisch, schon häufiger hätten sich Handwerker die Heizung angeschaut.

So reagiert Vivawest

Das bestätigt auch Gregor Boldt, Vivawest-Pressesprecher, auf Anfrage der Redaktion. Die 2017 eingebaute Gas-Zentralheizung habe bei kleineren Reparaturen immer am selben, spätestens am Folgetag repariert werden können.

Seit Dezember 2020 habe die Anlage aber immer häufiger in den „Störmodus“ geschaltet. Teilweise hätten Mieter deshalb schon im Dezember Heizlüfter zur „Unterstützung der Heizleistung“ erhalten.

Wer zahlt die zusätzlichen Stromkosten?

„Die kleinen Öfchen“, wie Gerd Kerl die elektrischen Heizlüfter nennt, hat auch er am Montag von Vivawest zur Verfügung gestellt bekommen – zwei Stück, ebenso sein Nachbar Björn Janzik. Benutzen möchte der die Geräte aber nur ungern: „Ich musste mal 500 Euro mehr Stromkosten zahlen, als ich ähnliche Heizlüfter verwendet habe.“

Auch Gabriele Heiber traut der Sache nicht, will am Ende nicht auf Mehrkosten sitzen bleiben. Stattdessen notiert sie sich Datum und Temperatur in ihrer Wohnung; den Tipp gab ihr der Mieterschutzverein. „Man sagte mir, dass eine Mietminderung allemal drin sei.“

Vivawest versichert auf Anfrage der Redaktion, dass die zusätzlichen Stromkosten „selbstverständlich“ von Vivawest getragen würden. „Das Kundencenter wird sich bei den betroffenen Mietern melden, um eine Pauschale abzustimmen“, erklärt Gregor Boldt. „Schauen wir mal“, meint Mieterin Heiber nur zu der Ankündigung.

Am Dienstag Totalausfall

Am Dienstagmorgen (12.1.) funktionierte die Heizung wieder mal gar nicht. Offenbar informierte der Vermieter die Bewohner nicht über die neuesten Entwicklungen. Wie Gregor Boldt am Dienstagmittag der Redaktion mitteilte, habe man sich entschieden, die Heizungsanlage auszutauschen. Die Maßnahme laufe seit Dienstagfrüh, dafür habe man die alte Heizung außer Betrieb nehmen müssen.

Die neue Anlage sei im Laufe des Tages eingebaut worden, wie Pressesprecher Gregor Boldt am Mittwoch bestätigte.

„Das hätte doch ein paar Tage früher passieren können“, findet Gabriele Heiber. Insgesamt sei das Verhalten von Vivawest „nicht prickelnd“. „Ich finde das eine zum Himmel schreiende Moral.“

Über die Autorin
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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