Bei sonnigem Wetter und warmen Temperaturen strömen große Menschenmassen in den Dortmunder Park. Deren Verhalten brüskiert die Anwohner. © Hendrik Nachtigäller
Verärgerte Anwohner

Lärm, menschlicher Kot, Gestank und Drohungen: Park-Anwohner schlagen Alarm

Lärm- und Geruchsbelästigung bis in die späten Abendstunden, menschliche Hinterlassenschaften und Drohungen: Anwohner eines Dortmunder Parks suchen Hilfe.

Die Anwohner des Dortmunder Parks haben die Nase voll – im wahrsten Sinne des Wortes. Kleine wie große menschliche Geschäfte an der Rückseite ihrer Gartenzäune und der Qualm gewaltiger Grill-Partys sind dabei nur die riechbare Komponente.

Die damit einhergehende Lärm-Belästigung ist der hörbare, Müll und humane Hinterlassenschaften sind der sichtbare Teil. Ein Treffen im Park zwischen Lautastraße und Flughafenstraße in Scharnhorst sollte nun für Besserung sorgen.

Etwa 15 Anwohner haben sich an diesem Nachmittag eingefunden. Ebenfalls vor Ort sind Vertreter aus der Politik, darunter Scharnhorsts Bezirksbürgermeister Werner Gollnick (CDU), der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Olaf Schlienkamp und Ratsvertreter Rüdiger Schmidt (ebenfalls SPD). Auch Polizei und Ordnungsamt sind vertreten.

Die Bürger machen ihrem Unmut Luft. Ein Anwohner schildert stellvertretendeinen typischen Tag mit milden Temperaturen – und die damit einhergehenden Probleme.

Besucher fahren mit Autos in den Park

In der Mittagszeit gehe es damit los, dass Besucher mit ihren Autos in die Grünanlage fahren, um dort Tische, Bänke, Gartenstühle und Grills auszuladen. „Dann strömen immer mehr Menschen hier rein“, berichtet er.

Anschließend beginne „die große Grillerei“. „Es ist dann alles voll Rauch“, sagt er, „wir können draußen keine Kleidung zum Trocknen aufhängen und auch nicht Lüften, weil das alles ins Haus reinzieht.“ Auch gesundheitlich sei das sicher nicht optimal.

Geburtstags-Partys mit Pavillons

Zudem würden ganze Geburtstags-Partys in dem Park gefeiert. „Da werden hier Pavillons aufgebaut, das geht dann bis spät in die Nacht hinein.“ Auch der zurückgelassene Müll sei ein Problem – er ziehe Ratten an.

Obendrein würden im Park häufig große Gruppen junger Erwachsener sich sehr lautstark „mit 12, 16 Mann“ einen Fußball hin- und herspielen. „Wenn Kinder pölen, ist das kein Thema“, sagt der Anwohner. Aber das sei „etwas anderes“.

„Kleine und große Hinterlassenschaften“

Besonders in Kombination „mit dem Nebeneffekt, dass die Menschen an unsere Gärten gehen und kleine und große Hinterlassenschaften dalassen, inklusive Papiertüchern“.

Die Gärten der Anwohner trennt ein dünner, durchsichtiger Metallzaun vom Park. Im Park selbst verläuft parallel zu dem Zaun ein mit Gras bepflanzter Wall, der als Sicht- und Lärmschutz zu den Gärten dient.

Hinter diesem Wall im westlichen Teil des Parks beginnen die Gärten der Anwohner. An den Gartenzäunen hinter dem Wall verrichten Parkbesucher immer wieder ihre Notdurft. Ein kleiner Trampelpfad zeugt von regem Fußverkehr.
Hinter diesem Wall im westlichen Teil des Parks beginnen die Gärten der Anwohner. An den Gartenzäunen hinter dem Wall verrichten Parkbesucher immer wieder ihre Notdurft. Ein kleiner Trampelpfad zeugt von regem Fußverkehr. © Hendrik Nachtigäller © Hendrik Nachtigäller

Diesen Sichtschutz nutzten viele Park-Gäste, um ihre Notdurft zu verrichten: geschützt vor den Blicken der Park-Besucher, aber direkt hinter den Gärten der Anwohner.

Die anderen Nachbarn bestätigen die Schilderungen und verleihen ihnen zusätzlichen Nachdruck: Auf die Bitte, sich nicht am Zaun zu erleichtern, folgten mitunter Drohungen.

Die Probleme sind nicht neu. Bereits im vergangenen Jahr hatte es einen Ortstermin gegeben – doch die Beschwerden blieben. Maßnahmen wie das Zurückschneiden des Buschwerks zwischen den Gärten der Anwohner und dem Wall im Park, um Sichtschutz zu entfernen, trugen keine Früchte.

Eine Parkordnung ähnlich der im Westpark ist ein Vorschlag, der auf dem Tisch liegt. Doch um die durchzusetzen, gibt es im Westpark einen privaten Sicherheitsdienst.

Ordnungsamt und Polizei können keine Dauer-Kontrolle leisten

Ordnungsamt und Polizei, das machen die Vertreter beider Organisationen klar, können nicht so kontinuierlich kontrollieren, wie es nötig wäre, um den Problemen der Anwohner Linderung zu verschaffen. Zu groß sei die personelle Belastung in der Corona-Pandemie ohnehin schon.

Ein privater Sicherheitsdienst wie im Westpark würde sich für den im Verhältnis kleinen Scharnhorster Park nicht rechnen. Doch welche Maßnahmen können helfen?

Von Anwohnerseite kommt der Vorschlag, die Brombeer-Sträucher, die zwischen den Gärten und dem Park im Wall wachsen, nicht mehr zurückzuschneiden, um einen stacheligen Schutz der Gärten zu schaffen. Zudem solle die Zufahrt zum Park baulich versperrt werden, um das Hineinfahren mit dem Auto unmöglich zu machen.

Nur ein Mix aus Maßnahmen könne hier helfen, meint Olaf Schlienkamp (SPD). Mit seinem Parteikollegen Rüdiger Schmidt und Bezirksbürgermeister Werner Gollnick klinkt er sich nach einer Dreiviertelstunde für wenige Minuten aus dem größeren Gesprächskreis zur Beratung aus.

Drei erste Maßnahmen-Ideen

Das SPD-Trio hält zunächst „drei Dinge“, fest, die Gollnick vorstellt: Der erste ist das Aufstellen von Pfosten an den Eingängen zum Park, um Autos abzuhalten.

Zudem wolle man sich kümmern, dass die Stadt im östlichen Bereich des Parks, der von den Gärten und dem Spielplatz am westlichen Rand weiter entfernt ist, zwei bis drei ausgewiesene Grillplätze einrichte.

Als dritte Maßnahme folgt der Vorschlag, auf dem Wall einen Zaun zu ziehen, der begrünt werden soll, um die Parkbesucher davon abzuhalten, ihre Notdurft an den Gartenzäunen der Anwohner zu verrichten.

SPD-Ratsvertreter Rüdiger Schmidt (links) und Scharnhorsts Bezirksbürgermeister Werner Gollnick (CDU/rechts) unterhielten sich im Anschluss an den Ortstermin im Park zwischen Flughafen- und Lautastraße in Scharnhorst noch mit Anwohnern. Bei dem Termin trugen alle Anwesenden medizinische Masken.
SPD-Ratsvertreter Rüdiger Schmidt (links) und Scharnhorsts Bezirksbürgermeister Werner Gollnick (CDU/rechts) unterhielten sich im Anschluss an den Ortstermin im Park zwischen Flughafen- und Lautastraße in Scharnhorst noch mit Anwohnern. Bei dem Termin trugen alle Anwesenden medizinische Masken. © Hendrik Nachtigäller © Hendrik Nachtigäller

Ein weiterer Vorschlag, den Jürgen Walther vom Ordnungsamt anfügt, sind Patenschaften durch Kitas und Grundschulen. Denn, wie ein Anwohner angemerkt hatte: „Oma und Kleinkind kommen zum Spielen nicht hierhin.“ Somit solle der Park inklusive des Spielplatzes wieder mehr im Sinne seiner ursprünglichen Nutzung genutzt werden.

Bei Detlef Luchtenveld von der Wachtleitung der Polizei in Scharnhorst trifft das auf Zustimmung. Er schlägt zudem vor, auch die Wohnungsbaugesellschaften vor Ort anzusprechen. „Das Angebot für die Bewohner ist nicht besonders gut, wenn sie in so großen Zahlen hierher kommen“, merkt er an.

Über den Autor
Gebürtiger Dortmunder mit viel Liebe für den großen und kleinen Sport: Hauptsache, es rollt, tickt oder geht ordentlich vorwärts. Ob im Fernsehen, am Spielfeldrand oder selbst mit Ball und Rad unterwegs. Seit 2014 für Lensing Media im Einsatz, erst in Freier Mitarbeit, nun als Volontär.
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Hendrik Nachtigäller
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