Bilder wie dieses, auf dem links der Malakow-Turm und rechts das Lanstroper Ei zu erkennen sind, hat Dr. Wolfgang Gaertner gemalt. © Wolfgang Gaertner
Malender Arzt

Lanstrop-Gemälde könnten demnächst im Haus Wenge hängen

In Lanstrop gab‘s einmal einen malenden Arzt namens Dr. Wolfgang Gaertner. Ein Teil der Werke, die er damals angefertigt hat, haben nun den Weg zurück in Dortmunds Nordosten gefunden.

Ältere Lanstroper werden sich noch an Dr. Wolfgang Gaertner erinnern, der bis zum Jahr 1980 als Hausarzt in Lanstrop praktiziert hat. Gaertner ist am 11. Oktober 2020 im hohen Alter von 98 Jahren gestorben. In seinen Hinterlassenschaften finden sich zahlreiche Bilder, denn der Arzt hat sich – wohl zum Ausgleich zu seinem stressigen Beruf – mit der Malerei befasst.

Zu den Bildern, die sein Sohn Dr. Thomas Gaertner nun gesichtet hat, gehören auch zahlreiche Lanstrop-Motive. Zehn davon hat er Matthias Hüppe vom Aktivkreis „Ja zu Lanstrop!“ zukommen lassen, der nun seinerseits versuchen will, geeignete Orte zu finden, um die Werke zu zeigen – zum Beispiel im Haus Wenge.

Dr. Wolfgang Gaertner hat bis 1980 in Lanstrop als Hausarzt praktiziert
Dr. Wolfgang Gaertner hat bis 1980 in Lanstrop als Hausarzt praktiziert. © Archiv Gaertner © Archiv Gaertner

Wolfgang Gaertner, der in Beuthen (heute Bytom) im damaligen Oberschlesien geboren worden war, muss ein Mensch gewesen sein, der sich bis zur Selbstaufgabe für seine Patienten eingesetzt hat. Er praktizierte zu einer Zeit in Lanstrop, als der Stadtteil zwar einerseits – auch durch die Großsiedlung – immer größer wurde, es andererseits für die Kassenärztliche Vereinigung äußerst schwierig war, weitere Ärzte in einen so abgelegenen Stadtteil zu locken. Folge für Gaertner war, dass er sich ganz allen um Tausende von Patienten kümmern musste.

14-Stunden-Tage waren bei ihm die Regel. Schon damals fragte sich sein Umfeld, wie er es dennoch schaffte, nebenbei auch noch zu malen. Mehr noch: Er beschäftigte sich auch mit der Bildhauerei und mit Theologie.

Hier ein weiteres Bild, das Dr. Wolfgang Gaertner im impressionistischen Stil gemalt hat
Hier ein weiteres Bild, das Dr. Wolfgang Gaertner im impressionistischen Stil gemalt hat. © Archiv Gaertner © Archiv Gaertner

Doch dieser Lebensstil forderte seinen Tribut. Als Gaertner 1980 im Alter von nur 58 Jahren seinen Beruf an den Nagel hängte, sei er gesundheitlich stark angegriffen gewesen, sagt sein Sohn, der in Mainz lebt.

Umso verwunderlicher sei es, dass er danach noch volle 40 Jahre gelebt habe. Sein Vater habe Lanstrop damals den Rücken gekehrt und sei nach Bad Salzschlirf in Hessen gezogen. Diese Entscheidung habe er nicht etwa getroffen, weil er sich in Lanstrop unwohl gefühlt habe. Vielmehr habe er wohl Angst gehabt, dass es kein richtiger Ruhestand werden würde, wenn er seinen alten Patienten auch weiterhin über den Weg laufen würde.

Gaertners Öl- und Aquarell-Bilder zeigen Lanstroper Ei und St.-Michael-Kirche, aber beispielsweise auch den Blick über die Felder hin zum Wasserturm, den man hat, wenn man auf der Lanstroper Straße steht. Auch wenn er wohl von Impressionisten wie Lovis Corinth geprägt worden war, hat er stets über sich selbst gesagt: „Mein Stil ist, dass ich keinen Stil habe.“ Künstlerischen Austausch hat er mit der Bildhauerin Liesel Bellmann gesucht, die in Lanstrop ein Atelier hatte.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Ich fahre täglich durch den Dortmunder Nordosten und besuche Menschen, die etwas Interessantes zu erzählen haben. Ich bin seit 1991 bei den RN. Vorher habe ich Publizistik, Germanistik und Politik studiert. Ich bin verheiratet und habe drei Töchter.
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Andreas Schröter

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