Kriminelle nutzen die Angst und Unsicherheit in der Pandemie aus. Ein beliebter Weg ist das Telefon (Symbolbild). © dpa
Betrugsmasche in Dortmund

Nach Anruf von Trickbetrügern – Rentner bietet sich als Lockvogel an

Betrüger haben versucht, einen 77-jährigen Dortmunder um 40.000 Euro zu erleichtern. Die dreiste Masche der Täter ist bei Weitem kein Einzelfall – und zuletzt in Dortmund vermehrt aufgetreten.

„Ich wollte nur mal fragen, ob du mich erkennst?“, fragte eine junge weibliche Stimme am Telefon. Ihr Gesprächspartner und vermeintliches Opfer war ein 77-jähriger Rentner aus Dortmund-Brechten.

Erst nachdem er aufgelegt hatte, sei ihm klar geworden, dass Trickbetrüger gerade versucht hatten, ihn um 40.000 Euro zu erleichtern. „Ich dachte erst, das war ein Witz, aber das ist höchst kriminell“, sagt er im Gespräch mit der Redaktion.

Glaubwürdiger Dialekt schöpfte Vertrauen

„Täglich“, so Polizeisprecher Sven Schönberg, würden Betrüger über unterschiedlichste Telefonmaschen versuchen, das Ersparte von Senioren in Dortmund zu ergaunern. „Leider zum Teil auch äußerst kreativ.“

So gelang es der jungen Frau auch bei ihrem Anruf in Brechten zunächst Vertrauen zu erzeugen: „Ich habe ein relativ gutes Gehör, also ich erkenne, wenn hier jemand aus der Gegend kommt“, erzählt der Brechtener, der anonym bleiben möchte. Durch den glaubwürdigen Dialekt und einer Reihe „raffinierter“ Suggestivfragen gelang es der Betrügerin, sich als Nichte des Opfers auszugeben.

40.000 Euro wegen Unfall in Duisburg

Der 77-Jährige erinnert sich noch genau an den Gesprächsverlauf. Seine vermeintliche Nichte habe erzählt, dass es ihr nicht gut gehe. Sie sagte: „Ich bin gerade in Duisburg und hatte einen Unfall. Ich habe jemandem die Vorfahrt genommen, während ich am Telefon war.“

Nun müsse der Totalschaden beglichen werden, sonst wäre ihr Führerschein in jedem Fall verloren und dazu bräuchte sie bitte schnellstmöglich 40.000 Euro. Sowohl die Summe, als auch der unfreundlich fordernde Tonfall der Frau am Hörer machten den Rentner stutzig, erzählt er. Er legte auf und alarmierte die Polizei.

Dort habe er sich sogar als Lockvogel angeboten, sollten weitere Anrufe folgen – die Beamten hätten das Angebot allerdings ausgeschlagen. Obwohl, wie Polizeisprecher Schönberg erklärt, die Polizei bisweilen auf Angebote dieser Art zurückgreifen würde.

Einige Überführungen seien schon über Lockvögel und von der Polizei fingierte Übergaben erfolgt. Warum der 77-Jährige in diesem Fall nicht als Lockvogel fungieren sollte, konnte der Polizeisprecher nicht sagen.

„Vermehrt“ Anrufe einer jungen Frau

Schönberg bestätigte allerdings auch, dass es sich bei dem Anruf in Brechten um keinen einzelnen Vorfall handelte. In den vergangenen Tagen, seien der Polzei vermehrt solche Anrufe einer jungen Frau, die einen Unfall gehabt haben soll, gemeldet worden.

Prinzipiell solle man, so Schönberg, „wenn man sich nicht sicher ist, lieber auflegen“ und die Polizei alarmieren. Zudem gibt es auf Polizei-Beratung.de weitere Hinweise, um sich gegen Betrugsmaschen zu schützen.

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