Eine Pflegekraft hält die Hand einer Seniorin. In Zeiten von Corona ist der Kontakt zu anderen Menschen vor allem für die Bewohner von Pflegeeinrichtungen stark eingeschränkt. (Symbolbild) © picture alliance/dpa
Angehöriger erzählt

Nach Corona-Ausbruch im Seniorenheim: „Käme mir vor wie im Käfig“

In einem Dortmunder Seniorenzentrum in Wambel hat es einen Corona-Ausbruch gegeben. Ein Angehöriger erzählt über den Moment, als er davon erfahren hat und seinen Umgang mit der Pandemie.

Es muss ein Schock sein. Es geht um den Moment, wenn man erfährt, dass in dem Seniorenheim, in dem ein Familienmitglied lebt, das Coronavirus grassiert. Bernd Winter (Name von der Redaktion geändert) erhielt vor knapp zwei Wochen solch eine Hiobsbotschaft.

Ein Mitarbeiter des Karola-Zorwald-Seniorenzentrums in Wambel rief an und sprach von Besuchsverbot und Corona.

Seniorenzentrum: 24 Personen mit Corona infiziert

Bei einer routinemäßigen Reihentestung von Mitarbeiterinnen und Bewohnern wurde dort ein Bewohner positiv getestet. Umgehend informierte die Einrichtung das Gesundheitsamt. PCR-Tests ergaben dann, dass insgesamt 24 Personen – 19 Bewohner und fünf Mitarbeiter – mit Corona infiziert seien.

„Die sprechen dann ja nicht von Zahlen, wenn sie einen Anrufen“, erzählt Bernd Winter im Gespräch. Seine Schwägerin Elisabeth (Name geändert) wohnt in dem Awo-Seniorenzentrum an der Sendstraße.

„Es ist schon sehr bedrückend, wenn man das hört. Das beschäftigt einen ganz schön.“ Gleichzeitig sei er aber sehr beruhigt gewesen, dass seine Schwägerin nicht erkrankt sei.

Stand Dienstag (2.2.) gab die Stadtverwaltung noch an, dass aktuell 21 Personen infiziert seien. Das Lagebild änderte sich dann über den Nachmittag bis zum nächsten Tag schlagartig: Die Ergebnisse einer Testung trudelten ein, nach denen aktuell nur noch 6 Personen in dem Heim infiziert seien.

Seit März: Mehr Quarantäne als Freiheit

Bernd Winter und seine Frau nehmen die Bedrohung durch die Pandemie ernst. „Seit März letzten Jahres sind wir mehr in Quarantäne gewesen als in Freiheit. Wir versuchen, alles richtig zu machen“, meint er.

Kontakte schränken er und seine Frau weitestgehend ein. Auch wenn es schwerfällt. Schon vor dem Anruf der Awo-Einrichtung waren die Winters lange nicht mehr dort gewesen – aus Sorge, das Virus ins Zentrum zu tragen.

Nur vom Parkplatz aus hätten sie mit Elisabeth kurz gesprochen. Sie habe im Fenster gestanden und gesagt „alles gut“, als die Winters ihr erklärten, dass sie erst mal nicht mehr kommen werden.

„Man versucht dann, nicht die Contenance zu verlieren“, meint Bernd Winter. Leicht sei es nicht. „Grundsätzlich ist es bedrückend, das Heimleben zu sehen“, findet er. „Und dann noch die traurige Geschichte mit Corona.“

Dass sie Elisabeth vorerst nicht mehr besuchen wollen, haben die Winters etwa um die Zeit des „Super-Lockdowns“, wie Bernd Winter den Lockdown seit dem 15. Dezember nennt, beschlossen.

Schwägerin Elisabeth akzeptiere das und könne die Gefahr einschätzen. „Die haben dort ja Fernsehen und bekommen das auch mit.“ Und er vermutet: „Sie würde uns rausschmeißen, wenn wir jetzt in ihr Zimmer kommen würden.“

„Mitarbeiter sind fantastisch“

Bernd Winter stellt sich die Situation für die Bewohner nach einem Ausbruch sehr bedrückend vor: „Ich käme mir vor wie im Käfig. Sie müssen ja jetzt in ihren Zimmern bleiben, bekommen das Essen dahin gebracht und können nicht raus. Eigentlich ist das dort ja anders. Die Bewohner können sich frei bewegen und sind nicht eingesperrt.“

Im Karola-Zorwald-Seniorenzentrum an der Sendstraße waren 24 Bewohner und Mitarbeiter am Corona-Virus erkrankt.
Im Karola-Zorwald-Seniorenzentrum an der Sendstraße waren 24 Bewohner und Mitarbeiter am Corona-Virus erkrankt. © Geoportal Ruhr © Geoportal Ruhr

Auf die Einrichtung selbst lässt er aber nichts kommen. „Elisabeth hat Glück, dass sie in einem sehr sauberen, netten Heim untergekommen ist. Die Mitarbeiter dort sind fantastisch und arbeiten vernünftig.“

Wöchentlich telefoniert das Ehepaar mit Mitarbeitern der Einrichtung und wird auf dem Laufenden gehalten. „Wir wissen, dass es ihr gut geht. Mittlerweile sollte sie auch das zweite Mal geimpft worden sein.“

Besuchsverbot ist aufgehoben

Am Mittwoch (3.2.) hat das Gesundheitsamt dann nach der Besserung des Lagebildes grünes Licht gegeben und das Besuchsverbot für die betroffenen Wohnbereiche aufgehoben.

Besuchen werden die Winters Elisabeth aber trotzdem noch nicht: „Solange da nur ein Fall ist, gehe ich da nicht hin.“ Auch wenn es dem Ehepaar nicht leicht fällt, halten sie an ihrer Strategie fest. „Wir sind noch gesund, das ist der Beweis dafür, dass wir alles richtig machen.“

Über die Autorin
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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