Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht: Dieses Haus beherbergt eine neue Demenz-WG. © Andreas Schröter
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Neue Dortmunder Demenz-WG überrascht mit knalligem Graffiti-Look

In Dortmund gibt‘s ein mit einem großflächigen Graffito geschmücktes Haus, dem man auf den ersten Blick nicht ansieht, was es beherbergt: eine Demenz-WG. Wir haben uns dort umgeschaut.

Wenn die Heimaufsicht zustimmt, könnten schon in den nächsten Tagen die ersten Bewohner ins „Haus Karoline“ ziehen. Dabei handelt es sich um die neue Demenz-WG an der Flughafenstraße 388 in Scharnhorst.

Von außen zu übersehen ist sie nicht, denn Chefin Andrea Ferguson hat den Schriftzug „Haus Karoline“ in knalligen Farben im großformatigen Graffiti-Stil auf die Fassade des Hauses malen lassen, in dem auch ihr Pflegedienst untergebracht ist.

Sie möge diesen Stil, sagt sie, auch wenn sie schon Stimmen gehört habe, die darüber weniger begeistert waren und es nicht angemessen finden für eine Demenz-WG. Auch haben schon Besucher berichtet, sie hätten Schwierigkeiten gehabt, das Haus zu finden.

Bewohner bringen eigene Möbel mit

Natürlich haben sie die bunte Fassade gesehen, aber niemals für möglich gehalten, dass sich darin eine Demenz-WG befindet. Doch das alles ficht Andrea Ferguson nicht an – sie möge das Haus und seine Gestaltung, gibt aber zu, dass nervenaufreibende Wochen hinter ihr liegen.

Chefin Andrea Ferguson sitzt im neu entstandenen Aufenthaltsraum, der sogar über einen Kamin verfügt
Chefin Andrea Ferguson sitzt im neu entstandenen Aufenthaltsraum, der sogar über einen Kamin verfügt. © Andreas Schröter © Andreas Schröter

Auf drei Etagen sind jeweils vier Zimmer für die künftigen Bewohner entstanden. Und weil die sich ihre eigenen Möbel mitbringen dürfen, sind diese Zimmer bislang nur mit dem Nötigsten ausgestattet. Das Erdgeschoss verfügt über eine Küche und einen Aufenthaltsraum.

Letzterer ist lichtdurchflutet und hat sogar einen Kamin. Im ersten Stock gibt‘s einen weiteren Aufenthaltsraum, der auch für kleinere sportliche Aktivitäten genutzt werden kann. Große Fototapeten mit Motiven aus der Natur sorgen für einen freundliche Atmosphäre.

Die Zimmer für die einzelnen Bewohner verfügen bislang nur über das Nötigste. Jeder darf sich seine eigenen Möbel mitbringen
Die Zimmer für die einzelnen Bewohner verfügen bislang nur über das Nötigste. Jeder darf sich seine eigenen Möbel mitbringen. © Andreas Schröter © Andreas Schröter

Schade sei, dass nur zwei Zimmer über eigene Bäder verfügen, so Andrea Ferguson. Für die anderen Zimmer gibt es Tandembäder, die sich jeweils zwei Bewohner teilen müssen. Das sei baulich nicht anders möglich gewesen.

Wohngruppe als Alternative zum Heim

Eine Demenz-WG ist eine Zwischenstufe zwischen dem eigenen Zuhause und einem Heim. Ziel sei es, dass die Bewohner noch möglichst viel von ihrem täglichen Ablauf selbst erledigen.

Dazu gibt es Mitarbeiter, die – zum Beispiel mit geeigneten Spielen oder auch gemeinsamen Spaziergängen – das physische und psychische Leistungsvermögen der Senioren anregen. Alle Plätze im Haus Karoline sind bereits vergeben.

Die Flure und Aufenthaltsräume sind freundlich gestaltet und mit großformatigen Fototapeten versehen
Die Flure und Aufenthaltsräume sind freundlich gestaltet und mit großformatigen Fototapeten mit Naturmotiven versehen. © Andreas Schröter © Andreas Schröter

Ein 24-Stunden-Dienst werde vor Ort sein. Andrea Ferguson: „Ich finde es schade, wenn Demenz-Kranke bei Ausbrechen der Krankheit sofort in ein Heim gehen. Das muss gar nicht sein. Eine Wohngruppe ist doch viel individueller.“ Oft sei es bei dieser Krankheit so, sagt sie, dass die Patienten im fortgeschrittenen Stadium nur noch im Bett liegen.

Auch das soll im Haus Karoline möglich sei. Wer einmal dort einzieht, kann bis zum Ende dort bleiben. Bleibt noch der neue Name der Demenz-WG: Er ist Andrea Fergusons Oma gewidmet.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Ich fahre täglich durch den Dortmunder Nordosten und besuche Menschen, die etwas Interessantes zu erzählen haben. Ich bin seit 1991 bei den RN. Vorher habe ich Publizistik, Germanistik und Politik studiert. Ich bin verheiratet und habe drei Töchter.
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Andreas Schröter

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