Dr. Christina Neder ist neue Schulleiterin an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule in Brackel. Die Digitalisierung ist ihr ein wichtiges Anliegen. © Andreas Schröter
Geschwister-Scholl-Gesamtschule

Neue Schulleiterin hält ein Fach wie Chinesisch für zeitgemäßer denn je

An der Geschwister-Scholl-Gesamtschule hat sich ein personeller Wechsel vollzogen: Nachfolgerin des langjährigen Schulleiters Klaus Zielonka ist Dr. Christina Neder. Wir haben sie interviewt.

Dr. Christina Neder (55) ist seit dem 1. April 2021 neue Schulleiterin an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule (GSG). Sie tritt damit die Nachfolge von Klaus Zielonka an, der im vorigen Jahr in den Ruhestand gegangen ist. Christina Neder, die verheiratet ist und eine 23-jährige Tochter hat, ist seit 16 Jahren an der Schule tätig und hat in dieser Zeit bereits Schulleiteraufgaben wahrgenommen. Zuletzt war sie Organisationsleiterin. Wir sprachen mit ihr.

Hallo Frau Dr. Neder, was haben Sie gemacht, bevor Sie Lehrerin geworden sind?

Ich habe eine Lehre als Buchhändlerin gemacht und auch zwei Jahre in diesem Beruf gearbeitet. Danach habe ich Sinologie in Erlangen studiert, bin für zwei Jahre nach Peking gegangen, bevor ich mein Studium und auch meine Promotion in Bochum beendet habe. Das Thema meiner Doktorarbeit war das Leseverhalten der Chinesen in den Städten vor dem Hintergrund der Transformation im Buch- und Verlagswesen.
Danach habe ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin zehn Jahre an der Ruhr-Uni Bochum weitergearbeitet, bevor mich Klaus Zielonka zum Aufbau des Faches Chinesisch nach Brackel geholt hat. Ich setze mich auch für die NRW-weite Ausbildung im Fach Chinesisch ein und glaube, dass wir da einiges geleistet haben und als vorbildlich gelten.

Und nun sind Sie Leiterin an der GSG. Wie geht‘s mit Ihnen an der Spitze weiter?

Ich lege viel Wert auf eine gesunde und nachhaltige Schule sowie auf die Digitalisierung.

Können Sie das näher ausführen?

Ein Beispiel zur Digitalisierung: Eine unserer Lehrerinnen hat ein krankes Kind und kann deshalb nicht in die Schule kommen. Sie gibt aber Digital-Unterricht von zu Hause aus. Das mag in Corona-Zeiten normal erscheinen, aber es sollte auch nach der Corona-Pandemie möglich sein. Schule muss flexibler werden.
Und es geht dabei auch um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Möglicherweise werde ich dazu noch Diskussionen mit der Schulaufsicht haben, aber es sollte doch in diese Richtung gehen. Zu klären sind natürlich Fragen wie „Wie können dabei soziale Beziehungen gewährleistet werden?“
Und zum Themenkreis gesunde und nachhaltige Schule gehören eine gesunde Ernährung auch für Lehrer in unserer Mensa, die Abfallentsorgung, ein neues Fach „Fit for Future“, das ich einführen möchte, oder auch neue Räume zum Arbeiten und Chillen, die es geben wird, wenn unser Anbau fertig wird. Wir wollen Schülern und Lehrern Bewegungsangebote machen.
Wichtig bei allen Prozessen ist mir die Kommunikation – auch mit den Eltern und unserer sehr aktiven Schülervertretung.

Die Geschwister-Scholl-Gesamtschule ist bekannt für ihr Fach Chinesisch. Und speziell Sie als Chinesisch-Lehrerin haben es aufgebaut. China wird heute wegen seiner Menschenrechtsverletzungen und seiner Weltmachtsansprüche vielfach kritisch gesehen. Ist ein solches Fach heute überhaupt noch zeitgemäß?

Es ist zeitgemäßer denn je, denn unsere Schüler haben dadurch später auf dem Arbeitsmarkt nicht nur ein Alleinstellungsmerkmal, sie erlernen auch interkulturelle Handlungskonzepte. Man kann heute nicht nur europäisch denken, sondern muss es global tun.
China ist ein wichtiger Handelspartner und wird es durch den Bau der neuen Seidenstraße bis Duisburg noch mehr werden. Da ist es wichtig, sich auch kritisch mit diesem Land auseinandersetzen zu können. Ich habe zum Beispiel zuletzt eine Unterrichtsreihe gemacht, in der wir das unterschiedliche Verhalten von Jugendlichen in China und Deutschland in der Corona-Krise miteinander verglichen haben.

Der Geschwister-Scholl-Gesamtschule wurde in der Vergangenheit häufiger vorgeworfen, sich nur die besten Schüler rauszupicken und damit dem Konzept der Gesamtschule zuwider zu handeln.

Wir sind seit vielen Jahren eine inklusive Schule mit derzeit 75 inklusiven Schülern. Das Leistungsvermögen unserer Schüler entspricht 1:1 dem der Grundschüler. Wichtig ist uns, jeden einzelnen unserer 1400 Schüler gemäß seinen Fähigkeiten individuell weiterzuentwickeln. Was wir natürlich nicht leisten können, ist, eine Förderschule zu ersetzen. Das wird uns manchmal vorgeworfen.

Ich möchte Sie gerne auch persönlich unseren Lesern etwas näher vorstellen. Kommen Sie aus Dortmund?

Nein, ich komme aus Franken – aus der Nähe von Bad Kissingen, lebe aber seit 1992 im Ruhrgebiet, derzeit in Bochum. Und ich kann sagen: Ich bin ein riesengroßer Fan des Ruhrgebiets geworden und möchte nie wieder weg. Ich weiß zum Beispiel noch, als ich in einer ganz frühen Phase an der Phoenix-See-Baustelle stand. Jemand erklärte mir, was dort entstehen soll und ich dachte: niemals. Und jetzt gibt es den See.
Ich mag die Industriekultur, zum Beispiel die Jahrhunderthalle in Bochum, und ich finde es toll, wie hilfsbereit sich das Ruhrgebiet in der Flüchtlingskrise gezeigt hat. Die Menschen hier sind bodenständig und authentisch.

Wenn man mit Menschen spricht, die Sie näher kennen, hört man stets, Sie seien außerordentlich engagiert für die Schule. Haben Sie noch Zeit für Hobbys?

Ja, natürlich. Ich lese unglaublich gerne bei Tag und bei Nacht, kaufe mir zum Beispiel regelmäßig die „Zeit“. Ich höre gerne Podcasts im Deutschlandfunk, und ich schaue sehr gerne Fußball. Das passt gut dazu, dass die Geschwister-Scholl-Gesamtschule ja auch Partnerschule des BVB ist.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Ich fahre täglich durch den Dortmunder Nordosten und besuche Menschen, die etwas Interessantes zu erzählen haben. Ich bin seit 1991 bei den RN. Vorher habe ich Publizistik, Germanistik und Politik studiert. Ich bin verheiratet und habe drei Töchter.
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Andreas Schröter

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