Claudia Schmidt im Homeoffice: Auf ihrem Esstisch findet alles Platz, was sie zum Arbeiten braucht. © Lydia Heuser
Homeoffice

Seelsorgerin in Quarantäne und Homeoffice: „Die App hat mich gerettet“

Wichtig ist es aktuell, Homeoffice zu ermöglichen. So soll die Ausbreitung des Coronavirus gehemmt werden. Wie klappt das bei Seelsorgern, bei deren Beruf Kontakte wichtig sind? Ein Beispiel.

Gemeindereferentin Claudia Schmidt hat ihren Esstisch zu einem Büro umfunktioniert. Laptop, Stift, Papier und Maus liegen auf dem hölzernen Tisch bereit; der Platz ist so gewählt, dass die studierte Religionspädagogin aus dem Fenster schauen kann.

Zwei Büros: Zuhause und im Pfarrgemeindehaus

„Ich habe zwar eigentlich oben einen Schreibtisch, aber da hätte ich nicht den Blick nach draußen“, begründet sie ihre Wahl. Dass ihr eine schöne Aussicht wichtig ist, beweist auch ihr eigentliches Büro an der Flughafenstraße 50 des Pastoralen Raums Ost.

Fast kein Unterschied zum Homeoffice: Das Büro von Claudia Schmidt im Pfarrbüro an der Flughafenstraße.
Fast kein Unterschied zum Homeoffice: Das Büro von Claudia Schmidt im Pfarrbüro an der Flughafenstraße. © Claudia Schmidt © Claudia Schmidt

Seit Mai vergangenen Jahres ist sie hier als Gemeindereferentin im Einsatz. Durch die Pandemie fiel schon die Begrüßung durch die neuen Arbeitskollegen anders aus als gewohnt, eine große Feier soll nachgeholt werden.

Die Einschläge kamen näher: Nur noch virtueller Kontakt

Aber auch der Arbeitsalltag ist durch Corona anders. „Ein Kaffee mit Kollegen ist nicht möglich“, so Schmidt. Der Kontakt zu den Kollegen läuft seit Anfang Dezember nur noch über Videotelefonate.

„Wir haben uns dafür entschieden, weil es uns zu heiß wurde. Die Einschläge kamen immer näher“, erklärt sie. Wie nah Corona kam, musste Claudia Schmidt kurz vor Weihnachten selbst erleben. Als Kontaktperson der ersten Kategorie war sie bis zum ersten Weihnachtstag in häuslicher Quarantäne.

Für Mitarbeiter gilt Maskenpflicht. Für Besucher ist das Pfarrbüro bis auf Weiteres geschlossen.
Für Mitarbeiter gilt Maskenpflicht. Für Besucher ist das Pfarrbüro bis auf Weiteres geschlossen. © Claudia Schmidt © Claudia Schmidt

Angesteckt hatte sie sich zum Glück nicht, wie die Tests ergaben. Trotzdem durfte sie nicht vor die Tür, also auch nicht ins Büro. Dabei war gerade jetzt, so kurz vor Weihnachten, allerhand zu erledigen. „Wir hatten uns entschieden, die Weihnachtsgottesdienste in unseren vier Kirchengemeinden abzusagen“, erinnert sie sich.

Die Telefonsoftware auf ihrem Dienstlaptop habe sie gerettet, als sie in häuslicher Quarantäne war.
Die Telefonsoftware auf ihrem Dienstlaptop habe sie gerettet, als sie in häuslicher Quarantäne war. © Lydia Heuser © Lydia Heuser

Wie sollte sie ihre Kollegen von Zuhause unterstützen? „Die App hat mich gerettet“, meint Schmidt. Mit der „App“ meint sie eine Telefonsoftware auf ihrem Dienstlaptop. Damit kann sie über ihre übliche Büronummer telefonieren, so als wäre sie im Büro. „Ich habe die ganze Zeit Gottesdienstteilnehmer angerufen und denen abgesagt.“

Videokonferenzen haben sich gut eingespielt

Auch jetzt benutzt sie die Telefonsoftware. Mittlerweile wechselt sie aber wieder zwischen Büro und Homeoffice. „Wir haben das Glück, dass jeder alleine in einem Büro sitzen kann.“ Ihren Dienstlaptop kann sie im Büro an eine sogenannten „Dockingstation“ anschließen, sodass sie mit einem großen Bildschirm und einer gewöhnlichen Tastatur arbeiten kann. Ihr Büro hat Claudia Schmidt im Grunde immer dabei: wichtige Unterlagen, Mailpostfach und Telefon – alles kann sie vom Laptop aus bedienen.

Selbst wenn das Pastoralteam nicht im Homeoffice sein sollte, wird über Video konferiert; was sich mittlerweile auch gut eingespielt habe.

„Meistens moderiert der Pfarrer und wir geben Handzeichen, wenn man was sagen will“, erklärt sie. Begonnen wird solch ein virtuelles Treffen immer mit einer Anfangsrunde, die unter dem Motto „Wie geht es euch?“ steht. „Man sieht sich ja so gut wie gar nicht mehr“, weiß die Gemeindereferentin. Deshalb sei es wichtig, wenigstens so das Zwischenmenschliche nicht ganz aus dem Blick zu verlieren.

Der Anspruch als Seelsorgerin

Claudia Schmidt glaubt, dass die Pandemie nicht bloß der Digitalisierung in Schulen einen Anschwung gegeben hat, sondern auch der katholischen Kirche. Die Youtube-Videos der Gemeinde seien da ein gutes Beispiel.

Wenngleich alles gut klappt, für Claudia Schmidt ist klar, dass es so nicht bleiben darf: „Als Seelsorgerin habe ich den Anspruch, für die Leute im Büro anwesend zu sein.“

Über die Autorin
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
Zur Autorenseite
Avatar

Ahaus, Heek und Legden am Abend

Täglich um 18:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt