Pfarrerin Kerstin Hanke spendete mitten im Einkaufstrubel vor Edeka und Lidl in Wickede einen weihnachtlichen Segen für jeden, der das wollte. © Andreas Schröter
Evangelische Kirche

Supermarkt-Kunden staunen: Pfarrerin bietet Segen zum Mitnehmen an

Wer über den Parkplatz von zwei Supermärkten hetzt, erwartet nicht unbedingt eine Pfarrerin im Talar, die einen weihnachtlichen Segen spenden will. Und doch passierte genau das im Dortmunder Osten.

Ungewöhnliches spielte sich am Montag (21.12.) auf dem Parkplatz von Edeka Patzer und Lidl an der Eichwaldstraße in Dortmund-Wickede ab. Mitten im Trubel stand die evangelische Pfarrerin Kerstin Hanke und machte im Talar den Einkäufern das Angebot, ihnen einen „persönlichen Weihnachtssegen“ zu spenden.

Wenn die Menschen nicht in die Kirche kommen dürfen, müsse die Kirche eben zu den Menschen kommen, sagt sie. Es sei einfach mal ein Versuch. Wenn er gutgehe, wolle sie ihn auch in den nächsten Tagen wiederholen. Natürlich hatte sie sich im Vorfeld die Genehmigung dazu von Edeka Patzer abgeholt.

Wunsch nach Gesundheit und Frieden

Und der Versuch glückte: Erste „Kundin“ für Kerstin Hanke war Ingrid Knop, die auch im ökumenischen Chor in Wickede singt. Sie wünsche sich Gesundheit und Frieden, sagte sie.

Und als Kerstin Hanke das in ihren Segen einbaute, war die Einkäuferin ganz ergriffen und musste mit den Tränen kämpfen. Die Menschen sehnen sich in diesen tristen Zeiten nach Tröstlichem. Ingrid Knop jedenfalls fand Kerstin Hankes Aktion „super“. Ihr fehle das Singen. Alles sei momentan etwas schwierig.

„Angebot heute – weihnachtlicher Segen“ stand auf einem Aufsteller auf dem Supermarktparkplatz an der Eichwaldstraße in Wickede. © Andreas Schröter © Andreas Schröter

Viele Einkäufer bestaunten die Pfarrerin im Talar mitten im Einkaufstrubel. Nicht alle wollten sich segnen lassen, freuten sich aber über ein „Frohe Weihnachten!“. 60 Prozent der Menschen, mit denen sie in der einen Stunde, in der sie vor Ort gewesen war, Kontakt hatte, stammen aus ihrer Gemeinde, so schätzt Kerstin Hanke.

Ein junger Mann erzählte von seinem Zweifel, ob er aus der evangelischen Kirche austreten sollte oder nicht, und eine krebskranke Dame wünschte sich nur, dass ihr derzeitiger Gesundheitszustand noch möglichst lange andauern möge. Gesundheit für die Familie stand immer oben auf der Liste, dicht gefolgt von dem Wunsch nach Frieden.

Viele nutzten die Gelegenheit für einen netten Plausch mit der Pfarrerin, negative Reaktionen habe es überhaupt nicht gegeben. Und zum Abschied hatte sie für jeden sogar noch ein kleines Geschenk: eine FFP2-Maske aus dem Fundus von 500 Masken, die die Marien-Apotheke in Wickede der Gemeinde für den Weihnachtsgottesdienst, der nun ausfällt, zur Verfügung gestellt hatte.

Kerstin Hanke sagt als Fazit: „Die Warteschlange für die Einkaufswagen war zwar deutlich länger als die für mein Angebot, aber ich bin sehr positiv gestimmt über die Segensstunde.“

Vielleicht müsse sich so etwas bei den ja gemeinhin als zögerlich geltenden Deutschen durch Mundpropaganda erst herumsprechen. Das sei zum Beispiel auch bei einem Angebot auf dem Kirchentag der Fall gewesen: „Hug me – umarme mich!“

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Ich fahre täglich durch den Dortmunder Nordosten und besuche Menschen, die etwas Interessantes zu erzählen haben. Ich bin seit 1991 bei den RN. Vorher habe ich Publizistik, Germanistik und Politik studiert. Ich bin verheiratet und habe drei Töchter.
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Andreas Schröter

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