Pony Kolya wurde von den unbekannten Tätern besprüht. Nach der aufregenden Nacht ist er fix und fertig. © Sylva Witzig
Vandalismus

Tiere mit Farbe besprüht, Feuer gelegt: „Seltsame Form von Lokalpatriotismus“

Tierquälerei, Graffiti, ein Einbruch und eine abgebrannte Holzhütte: Vandalen richteten auf dem Abenteuerspielplatz immensen Schaden an - mit Folgen für die Tiere, Kinder und Betreiber.

Der Geruch des Feuers liegt noch in der Luft. Asche weht über den Spielplatz, auf dem man heute kein Kinderlachen hört. Von dem Werkzeughäuschen, an dem sonst Workshops stattfanden, ist nur noch eine ausgebrannte Ruine übrig.

Als die Feuerwehr am 26. Juli gegen 22 Uhr auf dem Abenteuerspielplatz in Scharnhorst anrückte, brannte das Holzhaus lichterloh. Zwei verängstigte Ponys stürmten über das Gelände, wurden nicht nur Zeugen, sondern auch Opfer des Vandalismus.

Kolya und Brokkoli sind Trubel gewohnt. Kleine Kinder lernen auf ihnen reiten und tollen mit ihnen herum. Da kann es auch mal etwas ruppiger zugehen. Doch als sie von den unbekannten Vandalen mit lila Farbe besprüht und freigelassen wurden, nutzten sie ihre Chance und büxten aus – um später von der Feuerwehr und den Mitarbeitern des Spielplatzes wieder eingefangen und beruhigt zu werden.

Pferde und Hühner müssen sich vom Trubel erholen

Am Tag nach dem Brand sind die beiden Ponys hundemüde, dösen vor sich hin und lassen den Schreck erst einmal sacken. „Normalerweise wäre heute Ponyreiten gewesen, da wären sie jetzt topfit“, erzählt die Fachreferentin Indra Paas, die den städtischen Abenteuerspielplatz betreut.

Auch die Hühner sind noch ganz aufgebracht, verstecken sich, geben kein fröhliches Gackern von sich. Normalerweise dürfen sie über den ganzen Platz sausen, doch heute bleiben sie aus Sicherheitsgründen in ihrem Gehege, von dem aus sie auf das ausgebrannte Holzhaus blicken können. Zehn Hühner haben die unbekannten Sprayer ebenfalls beschmiert.

Zehn Hühner wurden mit Farbe besprüht.
Zehn Hühner wurden mit Farbe besprüht. © Sylva Witzig © Sylva Witzig

„Wir sind schon im Gespräch mit dem Tierarzt, wie wir die Hühner wieder sauber bekommen. Die Pferde kann man einfach mit dem Schlauch abspritzen, mit den Hühnern ist das etwas schwieriger“, so Paas.

Auch an den Ställen haben die oder hat der Täter Farbe versprüht – wie auf den Tieren hauptsächlich wahllose Striche. Und die Postleitzahl von Scharnhorst.

„Darauf kann ich mir so gar keinen Reim machen“, sagt Paas, „das ist eine sehr seltsame Form von Lokalpatriotismus, hier so eine Zerstörung zu hinterlassen.“

Unter den Schmierereien ist die Postleitzahl von Scharnhorst.
Unter den Schmierereien ist die Postleitzahl von Scharnhorst. © Sylva Witzig © Sylva Witzig

Einbruch und Diebstahl

Die Hühner wurden in der Nacht laut Paas nicht nur besprüht, sondern auch bestohlen: „Vermutlich hat der Täter die Eier direkt unter den Hühnern weggezogen.“

Und mit diesen Eiern wurde geworfen, wie ein Karton mit zerbrochenen Eiern belegt. Der liegt vor dem Container, an dem die Gärtner ihr Material lagern – in den wurde obendrein noch eingebrochen. Was genau fehlt und wie hoch der Schaden ist, sei noch nicht abzuschätzen.

Der Werkzeugschuppen wurde durch das Feuer komplett zerstört.
Der Werkzeugschuppen wurde durch das Feuer komplett zerstört. © Sylva WItzig © Sylva WItzig

Ähnlich sieht es mit dem abgebrannten Holzhaus aus: Sämtliche Werkzeuge sind dem Feuer zum Opfer gefallen. Daher werde es in der nächsten Zeit erst einmal keine Werk-Workshops geben. Die einsturzgefährdeten Überreste der Hütte sind nun durch einen Bauzaun gesichert.

Wenn alles gut geht, hofft Paas, können die Kinder bereits in der kommenden Woche wieder auf den Spielplatz. Bis dahin beschäftigen sich die sechs hauptamtlichen Pädagogen und die Hilfskraft mit ihnen auf den umliegenden Spielplätzen.

Der Abenteuerspielplatz bleibt erst einmal geschlossen - Indra Paas hofft, dass es in der kommenden Woche wieder Aktivitäten auf dem Platz geben wird.
Der Abenteuerspielplatz bleibt erst einmal geschlossen – Indra Paas hofft, dass es in der kommenden Woche wieder Aktivitäten auf dem Platz geben wird. © Sylva Witzig © Sylva Witzig

Rund 50 Kinder nutzten den Abenteuerspielplatz in den vergangenen Wochen, nahmen an Workshops teil und beschäftigten sich mit den Tieren. Einige Kinder standen laut Paas am Tag nach dem Brand vor dem Tor und fragten, wann es denn weiterginge.

Über die Autorin
Volontärin
Geboren in Hamm, dann ausgezogen in die weite Welt: Nach ausgiebigen Europa-Reisen bin ich in meine Heimat zurückgekehrt und berichte nun über alles, was die Menschen in der Gegend gerade bewegt.
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Sylva Witzig

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