Das Wasser kam oft nur tropfenweise - wenn überhaupt: Zehntausende Dortmunder mussten am Sonntag ohne Wasserversorgung auskommen. © picture alliance / Christoph Schmidt/dpa
Problem mit dem Wasserdruck

Toilettenspülung per Gießkanne: Anwohner berichten vom Ausfall der Wasserversorgung

20.000 Haushalte standen am Sonntag mit kaum oder ganz ohne Leitungswasser da: Alltägliche Dinge werden da zur Herausforderung. Betroffene erzählen von ihren Erlebnissen.

„Man merkt erst, wie wichtig das Wasser ist, wenn es fehlt. Die Situation ist ja noch beschissener als bei einem Stromausfall“, findet Anja Neuhaus aus Husen.

Als sie am Sonntagmittag ihren fest an die Wasserversorgung angeschlossenen Trinkwasser-Sprudler starten wollte, tröpfelte es nur aus dem Wasserhahn. „Da war ich erst einmal irritiert. Neulich, als ein Tagesbruch an der Straße war und das Wasser für die Bauarbeiten abgestellt werden musste, fuhren die Stadtwerke herum und haben vorher Bescheid gesagt, sodass man sich bevorraten konnte. Aber so stand man am Sonntag plötzlich ohne Wasser da.“

Im Keller hatte sie noch einen Kasten Sprudel, zu trinken war also genug da: „Aber was machen beispielsweise die Leute, die Milch für ihre Babys anmischen müssen? In Husen gibt es nicht einmal eine Tankstelle, um am Wochenende Wasser zu kaufen, lediglich einen kleinen Kiosk.“

Das restliche Wasser, das aus der Leitung kam, füllte Neuhaus in eine Gießkanne – denn die Toilettenspülung funktionierte natürlich auch nicht.

Am Mittag musste sie dann auch in der Küche Abstriche machen. Gerne hätte sie einen Cappuchino getrunken, doch das ging mit Sprudelwasser nicht, selbst ewenn man es koche: „Im Mineralwasser ist ja Salz, das schmeckt mit süßen Sachen ganz furchtbar. Kartoffeln habe ich schonmal mit Sprudel gekocht, das funktioniert wohl.“

Gegen 19 Uhr lief das Wasser in Husen dann wieder. „Beim Unwetter hatten wir zu viel Wasser, jetzt ärgern wir uns über zu wenig Wasser“, scherzt Neuhaus.

Abwasch mit Hindernissen

Ähnlich erging es Nils Althoff aus Asseln. Er hat eine Zweitwohnung in Dortmund, unter der Woche wohnt er in Essen. Und dorthin musste er am Sonntagmittag auch zurückkehren, weil an Duschen und Kochen beim geringen Wasserdruck nicht zu denken war.

Vorher wollte er aber den Abwasch erledigen – mit Hindernissen: „Es kam nur ganz wenig Wasser aus der Leitung. Mit Geduld klappte das alles schon. Das Problem ist nur, dass der Durchlauferhitzer auch erst mit einem gewissen Wasserdruck arbeitet. Also musste ich das Wasser zum Spülen mit dem Wasserkocher erhitzen.“

Von seinem Vermieter, der im selben Haus wohnt, erfuhr er am Morgen vom Wasserdruck-Problem.

„Passiert halt. Völlig normal.“

„Da bin ich erstmal ins Bad und habe mich selbst davon überzeugt. Da war ich erstmal baff“, sagt Althoff. Im Internet suchte er nach Informationen zum Problem – auf Facebook fand er dann Leidensgenossen, die ebenso ratlos vor ihren tröpfelnden Wasserhähnen standen.

Erst am Nachmittag verkündete die DEW auf Twitter das Wasser-Problem, das rund 20.000 Haushalte im Dortmunder Nordosten betraf. „Da hätte ich mir früher Infos gewünscht“, so Althoff.

Mila Wagner aus Lanstrop ist ebenfalls eine der Betroffenen, sieht das Ganze aber entspannt: „Es war nur weitaus weniger Druck. Aber Wasser kam trotzdem noch.

Somit hatten wir keine großen Schwierigkeiten. Und nach der Naturkatastrophe ist es doch auch kein Wunder. Oder es war irgendwo ein Defekt. Passiert halt. Völlig normal.“

Schieberegler war nicht richtig geöffnet

Inzwischen weiß man auch bei DEW21 mehr darüber, was der Wasserversorgung am Sonntag den Garaus machte. Wie Sprecherin Rebecca Alisha berichtet, war in der Aplerbecker Straße ein Schiebeorgan der Hauptversorgungsleitung, die den Nordosten mit Wasser versorgt, kaputt. Dadurch floss das Wasser schon seit längerem nicht mehr in die eine Richtung. Das war aber lange nicht aufgefallen.

Erst, als dann auch noch ein Defekt an einer Leitung im Asselner Hellweg auftauchte, konnte das Wasser schließlich auch nicht mehr in die andere Richtung fließen. Die Wasserversorgung stoppte. „Da sind wirklich sehr viele Zufälle zusammen gekommen“, so Alishah.

Durch das Öffnen der verschlossenen Stelle am Asselner Hellweg konnte die Wasserversorgung wiederhergestellt werden. Gegen 19 Uhr lief das Wasser wieder in Asseln, Husen, Wickede und Lanstrop.

Über die Autorin
Volontärin
Geboren in Hamm, dann ausgezogen in die weite Welt: Nach ausgiebigen Europa-Reisen bin ich in meine Heimat zurückgekehrt und berichte nun über alles, was die Menschen in der Gegend gerade bewegt.
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Sylva Witzig

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