Alexandra Terhoff steht vor einem der Strauchberge in der MSA-Siedlungen, die beweisen, wie massiv die Grünschnitt-Aktion von Vivawest war. © Andreas Schröter
MSA-Siedlung

„Tränen in den Augen“: Massiver Grünschnitt macht Anwohnerin traurig

In der MSA-Siedlung lässt Vivawest momentan in großem Stil Bäume und Sträucher entfernen. „Was soll das in Zeiten des Klimaschutzes?“, fragt eine Anwohnerin. Das Unternehmen erklärt sich.

Alexandra Terhoff wohnt seit ihrer Geburt vor 45 Jahren in der MSA-Siedlung in Scharnhorst. Besonders erfreut hat sie sich immer an den vielen Sträuchern und Bäumen rund um Richtersdorf-, Gleiwitz- oder Fellhammerstraße – zum Beispiel an den japanischen Zierkirschen oder an den Haselnusssträuchern: „Ich weiß noch, wie ich als Kind immer die Haselnüsse gesammelt habe“, sagt sie.

Diese Freude wird gerade massiv getrübt, denn Vivawest als Besitzerin vieler Häuser in der Gegend hat begonnen, die Vegetation in den genannten Straßen und auch anderswo radikal zurückzuschneiden oder ganz zu entfernen. „Wo sollen die Vögel denn demnächst noch ihr Nest bauen?“, fragt Alexandra Terhoff.

Dieser Bretterzaun war früher vor lauter Büschen gar nicht zu sehen. Jetzt gibt's hier nichtmal mehr das Wurzelwerk
Dieser Bretterzaun war früher vor lauter Büschen gar nicht zu sehen. Jetzt gibt’s hier nicht mal mehr das Wurzelwerk. © Andreas Schröter © Andreas Schröter

Einige der Kirschbäume seien nur noch tote Gerippe. Sie habe Tränen in den Augen, wenn sie das sehe. Es könne doch nicht sein, dass man in Zeiten des Klimaschutzes Steinvorgärten ablehne, aber anderswo sämtliches Grün zunichte mache.

Äußerst radikaler Rückschnitt

Und in der Tat mutet der Rückschnitt in der MSA-Siedlung äußerst radikal an. Zäune, die zuvor vor lauter Bewuchs gar nicht zu sehen waren, sind jetzt komplett nackt. Das Buschwerk, das bisher davor stand, ist nicht nur gekürzt, sondern mitsamt Wurzelwerk gänzlich entfernt worden.

An den Straßenrändern türmen sich die Gehölzberge, die erahnen lassen, wie großzügig diese Maßnahme wirklich ausgefallen ist. Und in diesem Zusammenhang hat Alexandra Terhoff eine weitere Sorge: „Was passiert mit den Tieren, die unterdessen Unterschlupf in diesen Strauchbergen finden, wenn die dann doch eines Tages weggeräumt werden?“

Auch hier stand bis vor Kurzem noch dichtes Buschwerk. Davon ist nichts mehr geblieben
Auch hier stand bis vor Kurzem noch dichtes Buschwerk. Davon ist nichts mehr geblieben. © Andreas Schröter © Andreas Schröter

Vivawest sieht‘s anders. Unternehmenssprecherin Katrin Lamprecht sagt: „Bei den Arbeiten handelt es sich um Rückbauarbeiten an den Pflanzflächen im Siedlungsbereich, die ursprünglich bereits im vergangenen Jahr stattfinden sollten.“ Diese dienen dazu, die Flächen zu revitalisieren, Angsträume zu beseitigen und Sichtachsen herzustellen. Dazu habe es im Vorfeld auch Hinweise aus der Mieterschaft gegeben.

Sichtbarrieren durch Hecken und Sträucher sollen in Kreuzungs- und Straßeneinmündungsbereichen (Laband- zu Gleiwitzstraße und Rybnik- zu Gleiwitzstraße) beseitigt werden, um das dadurch bestehende Gefahrenpotenzial zu beseitigen. Nachpflanzungen seien nicht geplant. Vielmehr sollen die Flächen mehrheitlich in Rasen umgewandelt werden.

Lamprecht weiter: „Die Resonanz unserer Mieter auf diese Maßnahmen war bisher durchweg positiv, da nun auch in die weiter unten liegenden Wohneinheiten mehr Tageslicht eindringen kann.“

Die Belange des Vogelschutzes werden bei der Ausführung berücksichtigt. Das sei auch ein Grund dafür, dass die Arbeiten zum jetzigen Zeitpunkt und damit vor Beginn der Vogelschutzzeit erledigt werden.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Ich fahre täglich durch den Dortmunder Nordosten und besuche Menschen, die etwas Interessantes zu erzählen haben. Ich bin seit 1991 bei den RN. Vorher habe ich Publizistik, Germanistik und Politik studiert. Ich bin verheiratet und habe drei Töchter.
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Andreas Schröter

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