Das Naturschutzgebiet Grävingholz ist auch bei Radfahrern beliebt. © Lydia Heuser
Konflikte im Wald

Was dürfen Radfahrer im Grävingholz? Antworten auf sieben häufige Fragen

Zu schnell, rücksichtslos und keine Klingel – Spaziergänger sind genervt von Radfahrern im Grävingholz. Was dürfen Radfahrer im Wald? Gilt auch hier die Straßenverkehrsordnung? Der ADFC klärt auf.

Der Lockdown mit seinen Einschränkungen macht Individualsport immer beliebter. Wo das Fitnessstudio schließen muss und die Fußballmannschaft nicht mehr trainieren darf, wechseln viele Menschen auf das Zweirad.

Im Grävingholz im Norden Dortmunds ist deshalb besonders an sonnigen Tagen viel los. Nicht nur Spaziergänger, Hunde und Reiter teilen sich dann die Wege, sondern auch Radfahrer. „Manche meinen, denen gehört der Wald“, klagt Jürgen Hoffmann, der gerne mit seiner Labrador-Hündin Donna in dem Naturschutzgebiet spazieren geht.

Er findet, dass viele Radfahrer durch den Wald rasen. Seine Frau Renate Hoffmann wiegelt ab: „Vor allem die, die sportlich unterwegs sind, sind sehr schnell und rücksichtslos.“

Auch im Internet lassen sich warnende Stimmen finden. Google-Nutzer „Ro Ro“ schreibt unter den Bewertungen des Waldgebiets Grävingholz: „Viele Radfahrer rasen gefährlich nahe an einem vorbei, ohne sich vorher bemerkbar zu machen und nuscheln sich was in den Bart.“

Gilt die Straßenverkehrsordnung im Grävingholz?

ADFC-Vorsitzender Werner Blanke beantwortet sieben häufige Fragen rund um das Thema Radfahren im Wald:



„Der Wald gehört zum öffentlichen Verkehrsraum“, stellt der 67-Jährige klar. Auch im Grävingholz gilt deshalb die Straßenverkehrsordnung. Paragraf 1 fordert die Straßenverkehrsteilnehmer zur ständigen Vorsicht und Rücksichtnahme auf.


Geboten ist enges Vorbeifahren nicht. Je schneller man unterwegs sei, desto größer sollte der Abstand sein. „Gerade im Grävingholz können Radfahrer bergab hohe Geschwindigkeiten erreichen“, weiß der Dortmunder. Da gilt es, rechtzeitig auf sich aufmerksam zu machen.


Eine Klingel findet Werner Blanke grundsätzlich sinnvoll und die sollte man nicht erst kurz vorm Überholen betätigen, sondern schon mit ausreichend großem Abstand. Rufen geht übrigens auch. Und: „Immer einfach freundlich sein“, rät der Dortmunder. Wer „Achtung“ ruft, bevor er angebraust kommt, kann das aggressiv oder ruhig sagen. „Wie man es in den Wald hineinruft, so schallt es auch hinaus“, meint Werner Blanke.


Da auch hier die StVO gilt, müssen Radfahrer während der Dämmerung, im Nebel und Regen sowie bei Dunkelheit das Licht einschalten. „Ich empfehle, das Licht immer einzuschalten“, dann wird man besser und früher von anderen wahrgenommen. Werner Blanke gibt zu bedenken: „Im Wald ist es erfahrungsgemäß immer dunkler.“


Nicht überall gilt eine Leinenpflicht, wie am Emscher Park Radweg. Werner Blanke, der selbst einen Hund hat, stellt aber klar: „Ich muss dafür sorgen, dass mein Hund hört. Erfahrungsgemäß ist das manchmal schwierig.“ Radfahrer sollten jedoch nicht vergessen, dass sie bei einem Unfall wohl automatisch mitverantwortlich gemacht werden, da hier die sogenannte „Verhaltenshaftung“ ins Spiel komme.


Ist die Aufteilung des Waldwegs zwischen Spaziergängern und Radfahrern geregelt? Für Radfahrer gilt ein Rechtsfahrgebot. „Fußgänger müssen bei Straßen ohne Gehweg auf der linken Fahrbahnseite laufen. Um der Gefahr ins Auge schauen zu können, würde es sich auch im Wald anbieten, als Fußgänger auf der linken Seite zu gehen“, meint Werner Blanke.


Ganz klar: Nein. Das Landesforstgesetz NRW erlaubt das Radfahren im Wald auf befestigten Wegen. Voraussetzung ist, dass diese Wege so breit sind, dass Radfahrer an Fußgängern vorbeikommen. Trampelpfade, also schmale Trails, indes sind tabu. „Wenn da hunderte Stollenreifen von Mountainbikes drüberbrettern, leidet der Waldboden“, erklärt der ADFC-Ortsvorsitzende. Rückewege, die zum Abtransport von gefällten Bäumen dienen, dürfen Radfahrer ebenfalls nicht befahren.

1. Gelten im Wald andere Regeln als auf der Straße?

2. Ist knappes Vorbeischlängeln an Fußgängern erlaubt?

Werner Blanke (67), Vorsitzender des Dortmunder ADFC, plädiert für ein freundliches Miteinander zwischen Radfahrern und Spaziergängern.
Werner Blanke (67), Vorsitzender des Dortmunder ADFC, plädiert für ein freundliches Miteinander zwischen Radfahrern und Spaziergängern. © RN-Archiv © RN-Archiv

3. Wie und wann sollten Radfahrer auf sich aufmerksam machen?

4. Besteht im Wald Lichtpflicht?

Rück- und Vorderlicht zum Anklemmen an Fahrradrahmen und Lenker sollte jeder Radfahrer dabei haben. Mit der Klingel können Radfahrer frühzeitig im Wald auf sich aufmerksam machen.
Rück- und Vorderlicht zum Anklemmen an Fahrradrahmen und Lenker sollte jeder Radfahrer dabei haben. Mit der Klingel können Radfahrer frühzeitig im Wald auf sich aufmerksam machen. © Lydia Heuser © Lydia Heuser

5. Konflikte zwischen Radfahrern und Hundehaltern passieren immer wieder: Was dürfen Hundehalter?

6. Wem gehört der Waldweg?

7. Dürfen Radfahrer überall im Wald fahren?

Über die Autorin
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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