Die alte Rennbahn in Brünninghausen - bis 1913 wurden hier die Rennen ausgetragen, bevor die aktuelle Rennbahn in Wambel eröffnet wurde. © Archiv Stangl
Es war einmal in Brackel

Wie die Rennpferde sich in die Herzen der Dortmunder galoppierten

Den Dortmunder Rennverein gibt es schon länger als den BVB. Wir erzählen, was der Freiherr von Romberg, der Erbauer des Lanstroper Eis und was Brezeln mit der Geschichte zu tun haben.

Sie halfen bei der Arbeit auf dem Feld, zogen die Bahnen, waren im Bergbau aktiv, transportierten die Menschen, ihre Post und andere Güter und mischten ab dem 19. Jahrhundert auch im Sport mit: Pferde waren in der damaligen Zeit nicht wegzudenken, waren treue Begleiter und tapfere Nutztiere.

1820 wurden die ersten Pferderennen in Deutschland veranstaltet, das erste auf westfälischen Boden 1838 in Hamm – damals jedoch noch auf Feld und Wiese und mit „bäuerlichem Charakter“, so ist es überliefert.

Richtig modern wurde der Pferderennsport in Deutschland erst ab 1871, nach dem Deutsch-Französischen Krieg. Die Franzosen hatten gewissenmaßen eine „Vorreiterfunktion“, und so wurden in großen Städten die Rennbahnen aus dem Boden gestampft. Dortmund als damals größte Stadt in Westfalen musste da natürlich mithalten.

Großunternehmer mit einem Herz für Pferde

Am 25. Mai 1886 wurde von 35 Gründern der Dortmunder Rennverein gegründet – ein großer Name in der Vorstandsriege war der Großunternehmer August Klönne. Seine Firma ist unter anderem bekannt für den Bau des Lanstroper Eis.

Abseits seines Engagements in seinem Unternehmen galt seine Leidenschaft der Pferdezucht. Er unterhielt einen eigenen Rennstall an der Galopprennbahn „Hoppegarten“ in Berlin.

Das erste Pferderennen in Dortmund fand am 18. September 1887 um 3 Uhr an der Hobertsburg an der Gaststätte Schützenhof statt – Wetten gab es da noch nicht, aber bereits verschiedene Disziplinen wie Trab- Jagd- und Hindernisrennen.

Für das erste Rennen waren nur Pferde zugelassen, deren Besitzer in Dortmund oder Hörde wohnten. 100 Mark gab es damals für den Sieger. Laut des statistischen Bundesamtes entspricht die Mark von damals ungefähr 6,50 Euro.

Bierversorgung an der Rennbahn und prominenter Besuch

Drei Jahre später zog der Verein aus Platzgründen zur Seilerstraße in Eving um. Bei den damaligen Pferderennbahnen handelte es sich vielmehr um Wiesen und Feldwege, die von den Bauern zu Verfügung gestellt wurden. Eine Pferdebahnlinie vom Steinplatz wurde eingerichtet, um die Zuschauer zu befördern. Am 10. Juni 1888 konnte man erstmals Wetten abschließen.

Schon an der alten Rennbahn an der Buschmühle war der Andrang immens.
Schon an der alten Rennbahn an der Buschmühle war der Andrang immens. © Archiv Stangl © Archiv Stangl

Die Besitzer der Dortmunder Klosterbrauereien, die Gebrüder Meininghaus, eröffneten 1890 einen prachtvollen Saalbau direkt an der Droschkenhaltestelle. Bis zu 6000 Menschen pilgerten am Wochenende zum Fredenbaum und daher erweiterte man das Freizeitangebot um einen Biergarten und einen Freilichtpavillon, wo Militärkonzerte stattfinden konnten.

Bis zu drei Regimentskapellen kamen am Wochenende vorbei. Und es gab auch prominenten Besuch: Richard Strauß kam im Rahmen der Westfälischen Musikfeste mit seinem Orchester in die Stadt.

Rennfeste auf Rombergs Gelände

Im Jahr 1888 wählte man den Freiherrn Clemens von Romberg auf Buldern zum Präsidenten des Vereins. In Brünninghausen, nahe der Buschmühle, besaß der Großgrundbesitzer umfangreiche Ländereien.

Die stellte Clemens von Romberg letztlich zur Verfügung und so konnte mit dem Bau einer richtigen Rennbahn begonnen werden. Nach notwendigen Bodenbewegungen und Drainagearbeiten entstand eine hügelige Hindernisbahn, die neben der Castroper Rennbahn als beliebtester Rennkurs Deutschlands galt.

Die alte Rennbahn in Brünninghausen.
Die alte Rennbahn in Brünninghausen. © Archiv Stangl © Archiv Stangl

Am 24. September 1893 wurde sie feierlich eingeweiht. An diesem Tag konnte die neue Turfanlage die Besuchermassen kaum fassen. Romberg sorgte dafür, dass die Veranstaltungen auf seinem Grund zu regelrechten „Rennfesten“ wurden. Wer das nötige Kleingeld oder Beziehungen hatte, konnte auf einer Tribüne Platz nehmen. Diese Zuschauertribüne war die erste im Dortmunder Raum und die Einzige bis zur Eröffnung der Wambeler Rennbahn.

Schon zu Zeiten der alten Rennbahn an der Buschmühle hat man sich für den Rennbahnbesuch schick gemacht.
Schon zu Zeiten der alten Rennbahn an der Buschmühle hat man sich für den Rennbahnbesuch schick gemacht. © Archiv Stangl © Archiv Stangl

Auf dem Gelände von Clemens von Romberg gab es keine Flachrennen, sondern nur Hindernisrennen über hohe, breite Hecken und Oxer. Das war für die Zuschauer spannender und unterhaltsamer, die Einnahmen waren entsprechend hoch.

Brezeln für den Sieg

Wenn man gewonnen hatte, so wird es überliefert, brachten die Väter den Kindern große Brezel mit bunten Schleifen mit. Hatten die gewetteten Pferde nicht gesiegt, wurde am Abend in den Familien nicht mehr viel gesprochen. Allerdings gab es zunächst nur zwei Rennen pro Jahr – bis 1901 steigerte es sich auf 6 jährliche Veranstaltungen.

Aufgrund des Erfolgs wurden 120 Morgen Land dazugepachtet, ein Betriebsgebäude und ein Totalisatorhaus wurden gebaut – heute bekannt als Wettannahmestelle. Gewinne von bis zu 100.000 Mark wurden in dieser Zeit ausgegeben.

1906 erhöhte der Vorstand die Zahl der Rennveranstaltungen auf 12. Am 8. Juni 1913 wurde dort zum letzten Mal gewettet – der Standort wurde fortan vom Eisenwerk Phönix West genutzt.

Biergarten auch am neuen Standort

1911 feierte der Dortmunder Rennverein sein 25-jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass schmiedete man Pläne für die Zukunft. Die Stadtverwaltung stellte ein 270 Morgen großes Gelände zur Verfügung, auf dem sich bis dahin in Pacht fruchtbare Äcker der Wambeler Bauern befanden. Die Verträge konnten in kürzester Zeit gekündigt werden.

Die Wettannahmestelle an der Buschmühle.
Die Wettannahmestelle an der Buschmühle. © Archiv Stangl © Archiv Stangl

In nur zwei Jahren entstand eine Turfanlage mit einer pompösen, wuchtigen Haupttribüne – erstmalig wurde in Deutschland eine Tribüne gebaut, die ein 16 Meter breites Dach ohne Stützen besaß. Eine weitere Tribüne wurde errichtet, die man später ausbaute, und die dann eine Wettannahme und ein Bistro beherbergte. Drei weitere Fachwerkhäuser beherbergten die Wettannahme. Später wurden sie umfunktioniert zu einem Kronenbiergarten.

Straßenbau für die Rennbahn

Am 3. Juli 1913 wurde die Pferderennbahn in Wambel mit 42 Pferden feierlich eingeweiht. Man feierte 4 Tage lang. Auswärtige Gäste erreichten den Haupteingang über eine extra gebaute Zubringerstraße.

Diese Straße, heute der südliche Nussbaumweg, wurde vom Dortmunder Rennverein finanziert. Ein Zeitzeuge der damaligen Eröffnungsfeier berichtet davon, wie die Polizisten in der Innenstadt auch nach hunderten Fragen noch immer freundlich antworteten und die Besucher nach Wambel lotsten, wo Fahnen den Weg bis zur Rennbahn schmückten.

An der Südseite der Haupttribüne mit dem seitlichen Treppenturm entstand ein Führring. Auf dem kreisförmigen Landgeläuf werden vor Beginn des Rennens die teilnehmenden Pferde vorgeführt. Das Publikum kann dann die Gangart und das Temperament der Pferde erkennen. Dieser Führring ist abgegrenzt von einem Sattelplatz mit Sattelboxen.

Hier warten die Pferde auf die Freigabe des Führrings, wo sie von dem Pferdepfleger am kurzen Zügel geführt werden. Nach ein paar Runden erschallt eine Glocke und die Jockeys sitzen auf.

Die Pferde traben ins Innere der Anlage und stellen sich in Reih und Glied auf. Eine Starterbox gab es damals noch nicht. Mit einem Schuss beginnt das Rennen über eine 20 Meter breite und 2150 Meter lange äußere Bahn. Diese äußere Bahn diente dem Galoppsport.

Erster Gewinner fällt später tot vom Pferd

Die innere Bahn war damals mit einem Wassergraben und zahlreichen Hindernissen wie Hecken bestückt. Die Springstrecke gibt es nicht mehr, dort ist nun eine Allwetter-Sandbahn.

Die Lauf- und Springstrecken waren zwar markiert und eingezäunt, aber es fehlten noch gepflegte Rasenflächen. Auf Gras mit blühenden Margaritenfeldern kämpften Pferde und Reiter um die Lorbeeren.

Unter den Klängen einer Musikkapelle schwangen sich die Reiter in Uniform in die Sättel.

Das erste Rennen in Wambel gewann der Hengst „Donnerwetter“ unter Julius „Jule“ Rastenberger – der gewann in seiner Karriere 1148 Galopprennen. Bis zum letzten Atemzug lebte er den Pferdesport: Bei einem Rennen erlitt er 1943 im Alter von 56 Jahren einen Herzschlag und fiel hinter der Ziellinie tot vom Pferd.

In unserer Serie „Es war einmal in Brackel“ beschäftigen wir uns mit der Geschichte des Stadtteils und seiner Umgebung. Anneliese Stangl, geschichtsinteressiert und gebürtige Brackelerin, lässt uns dafür in ihr Archiv blicken. In regelmäßigen Abständen veröffentlichen wir historische Beiträge aus und rund um Brackel. In der nächsten Folge geht es noch einmal um die Galopprennbahn.

Über die Autorin
Volontärin
Geboren in Hamm, dann ausgezogen in die weite Welt: Nach ausgiebigen Europa-Reisen bin ich in meine Heimat zurückgekehrt und berichte nun über alles, was die Menschen in der Gegend gerade bewegt.
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Sylva Witzig

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