Lehrerin Martina Bahren (v.l.) neben dem Konrektor Ulrich Gerdesmeyer, davor stehen Lothar Schnabel vom Kleingärtnerverein, die Schüler Bre, Julia und Gülcan sowie Imker Konrad Rokuß. © Tobias Larisch

Wie ein Gartenhäuschen in Eving zum Klassenzimmer wurde

In der Kleingärtneranlage Grüne Tanne wird eine Parzelle von Schülern gepflegt. Dafür gibt es sogar eine extra AG. Den Kindern soll so die Natur nähergebracht werden.

30 Grad Celsius draußen, fast genauso viele im Klassenraum: Da wird bei Schülern oft der Wunsch geäußert, draußen Unterricht zu machen. Meistens wird die Bitte von den Lehrern abgelehnt. Anders sieht das an der Theodor-Heuss-Realschule in Eving aus, die einen eigenen Schulgarten hat.

„Alle Lehrer sind herzlich eingeladen, in den Garten zu kommen und zu unterrichten“, sagt Ulrich Gerdesmeyer, Konrektor der Schule. Der Vorteil: Der schuleigene Garten, dessen Pacht aufgrund der pädagogischen Nutzung der Parzelle vom Stadtgartenverband übernommen wird, liegt nur wenige hundert Meter vom Schulgebäude entfernt.

Der Schulgarten mit der großen Kräuterspirale und dem dem Gartenhaus im Hintergrund.
Der Schulgarten mit der großen Kräuterspirale und dem Gartenhaus im Hintergrund. © Tobias Larisch © Tobias Larisch

Direkt neben der Realschule liegt der Kleingärtnerverein Grüne Tanne, auf dessen Anlage der Schulgarten liegt, und wo Lothar Schnabel seit 40 Jahren einen Garten hat. „Die Parzelle stand frei, deswegen habe ich mit der Schule Kontakt aufgenommen“, sagt der ehemalige Vorsitzende des Vereins. „Der damalige Schulleiter war von der Idee eines Schulgartens begeistert.“

Seit 2016 wird der Garten von den Schülern gepflegt, wobei anfangs erst einmal die Rückstände aus den vollgewucherten Beeten entfernt werden mussten. Von mehreren Spenden finanziert, die laufenden Kosten werden aus dem Schuletat bezahlt, wurde der Schulgarten mit der tatkräftigen Hilfe von anderen Pächtern so, wie er heute ist.

Die Schüler ernten die unter Anleitung von Lehrerin Martina Baehren die Gemüse aus dem Hochbeet.
Die Schüler ernten die unter Anleitung von Lehrerin Martina Baehren die Gemüse aus dem Hochbeet. © Tobias Larisch © Tobias Larisch

Mehrere Hochbeete wurden angelegt, das Gartenhaus wurde zu einem Klassenraum für schlechtes Wetter umgebaut und die Fassade künstlerisch gestaltet sowie eine große Kräuterspirale errichtet. Dazu wurden Sonnensegel gespannt und Pavillons angeschafft.

Besonderes Highlight für die Kinder: Die von Imker Konrad Rokuß aufgestellten Bienenvölker. Außerdem gibt es einen Bienenschaukasten, in dem die Schüler die Tiere gefahrlos beobachten können. „Mir gefallen die Bienen am besten“, sagt Bre aus der Klasse 8c.

Schülerin Gülcan am Bienenschaukasten - auf der Suche nach der Bienenkönigin.
Schülerin Gülcan am Bienenschaukasten – auf der Suche nach der Bienenkönigin. © Tobias Larisch © Tobias Larisch

Seiner Klassenkameradin Gülcan wird im Schulgarten nie langweilig. „Es gibt hier immer etwas Neues zu lernen“, sagt die 13-Jährige. „Und es ist so schön bunt hier.“ Mitschülerin Julia freut sich, dass sie das Gelernte aus dem Schulgarten in ihrem eigenen Beet zuhause anwenden kann.

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Bre ist auch in der Garten-AG, die sich einmal in der Woche um den Garten kümmert. Geleitet wird das Schulgarten-Projekt von Martina Baehren. „Die Gartenarbeit ist natürlich harte, körperliche Arbeit für die Schüler, aber dafür werden sie mit den Ergebnissen belohnt“, sagt die Biologie- und Chemie-Lehrerin.

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Klassenzimmer im Grünen: Schüler haben ihren eigenen Schulgarten

Da die Zeit mit der AG nicht zur Pflege des Schulgartens reiche und die in den Ferien auch ausfalle, verbringt Baehren auch in der Freizeit viel Zeit im Garten. „Der Garten kennt keine Ferien“, sagt sie. „Das mache ich aber gerne.“

Konrektor Herdesmeyer lobt das Engagement. „Die Ermäßigungsstunden für die Lehrer reichen bei weitem nicht aus, um die Zeit für die Pflege abzudecken“, sagt er. Der Schulgarten wird aber nicht nur von der Schulgarten-AG, sondern auch von anderen Klassen genutzt.

Im Schulgarten kann der Biologie-Unterricht an der frischen Luft und in der Natur stattfinden.
Im Schulgarten kann der Biologie-Unterricht an der frischen Luft und in der Natur stattfinden. © Tobias Larisch © Tobias Larisch

Neben dem Biologie-Unterricht fanden dort bereits Mathe-Stunden statt, in denen die Beete, Wege und Gebäude vermessen sowie anschließend die Flächen davon berechnet wurden. „Durch den Praxisbezug fällt ihnen die Theorie deutlich einfacher“, sagt Lehrerin Baehren.

Schnabel, der in der Kleingartenanlage für den Schulgarten und den angrenzenden Spielplatz verantwortlich ist, lege Wert darauf, den Kindern die Natur früh nahe zu bringen. „Es ist wichtig, dass sie sehen, wie Pflanzen wachsen“, sagt er.

Schüler haben ihr Wissen an Grundschüler weitergegeben

Genauso wichtig sei es, dass die Schüler eine Möglichkeit haben, ihr gelerntes Wissen auch weiterzugeben. Deswegen haben vergangenes Jahr drei Grundschulklassen der benachbarten Herder Grundschule den Schulgarten besucht, die von den Teilnehmern der Garten-AG mit viel Freude betreut wurden.

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Volontär
Hat im Mai 2020 in der für den Lokal-Journalismus aufregenden Corona-Zeit bei Lensing Media das Volontariat begonnen. Kommt aus Bochum und hatte nach drei Jahren Studium in Paderborn Heimweh nach dem Ruhrgebiet. Möchte seit dem 17. Lebensjahr Journalist werden.
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Tobias Larisch

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