Der alte Beagle genießt seine letzten Tage auf dem Gnadenhof. © Arche 90
Tierleid

Zum Sterben einfach ausgesetzt: Hunde-Opa „Findus“ ist nun im Hospiz

Ein verwahrloster blinder und krebskranker Hund wurde in Lindenhorst ausgesetzt zum Sterben, ohne Futter, völlig hilflos. Nun gibt es neue Fakten über das Tier und den möglichen Halter.

Die Geschichte des ausgesetzten alten Hundes nimmt ein kleines Happy End. „Er tut alles, was ein Beagle am liebsten tut: fressen und schnüffeln. Der ist happy“, erzählt Gabi Bayer vom Tierschutzverein Arche 90, welche den verwahrlosten Hunde-Senior in ihre Obhut genommen hat. Inzwischen ist mehr über den Beagle bekannt: Er ist stolze 17 Jahre alt – und wurde vermutlich schon einmal gerettet.

Durch das Auslesen eines Chips hat die Arche herausgefunden, dass der Hund ursprünglich aus Spanien stammt und wohl über eine Organisation an einen deutschen Halter vermittelt wurde.

Ursprünglich hieß er „Curro“. In seiner Zeit in Spanien könnte der Rüde angeschossen worden sein, denn bei der Untersuchung beim Tierarzt wurde Metall in seinem Körper gefunden.

Ohren mussten unter Narkose gereinigt werden

Mehr Informationen konnten der Arche aus Datenschutzgründen nicht zur Verfügung gestellt werden. Der Verein sucht nun die Organisation, die ihn vermittelt hat. Das Ziel ist es, möglichst viele Informationen zu sammeln, um Anzeige wegen Tierquälerei zu erstatten.

Der Hund wurde schwer verwahrlost in einer Transportbox in Lindenhorst zurückgelassen. Seine Ohren eiterten so sehr, dass sie unter Narkose gereinigt werden mussten – für so einen alten Hund ein erhöhtes Risiko. Doch Findus, wie er nun heißt, geht es nun den Umständen entsprechend gut.

Nur noch ein paar Wochen Lebenszeit

Die Ohren sind nicht das einzige Problem des 17 Jahre alten Rüden. Er ist außerdem blind, leidet unter Hautverletzungen und diversen Tumoren an Hoden, Milz und Lunge, die zum Teil bereits Metastasen gebildet haben. „Wir müssen mit den Ärzten genau überlegen, wie die weitere Behandlung aussieht“, erklärt Heike Beckmann, Vorsitzende der Arche 90, „denn aufgrund der schweren Erkrankungen hat er leider nur noch ein paar Wochen zu leben – und die soll er so gut es geht genießen.“

Die Nase tief im Gras: Der alte Beagle tut alles, was Beagles nun einmal tun – fressen und schnüffeln. © Arche 90 © Arche 90

Die Ohren werden täglich gespült. „So eine schwere Ohrenentzündung ist in etwa so schlimm, als hätten wir permanent Kopfschmerzen“, beschreibt es Bayer. Daher wird Findus dagegen behandelt. In puncto der Tumore sei nicht mehr viel zu machen.

Schmerzmittel für einen unbeschwerten Lebensabend

Seine letzten Lebenswochen verbringt der Beagle in einer Hospiz-Pflegestelle in Waltrop mit rund 25 anderen alten und gehandicapten Hunden. Dort unternimmt er kleine Streifzüge durch den Garten und kann sich jederzeit eine kleine Pause gönnen.

Dank hochdosierter Schmerzmittel leidet Findus dabei nicht, sondern blüht auf und genießt die Zuwendung und die Zeit mit seinen Artgenossen. „Er soll es so schön haben, wie möglich“, betont Heike Beckmann, „er wird uns von selbst zeigen, wann er über die Regenbogenbrücke gehen möchte.“

Suche nach den Verantwortlichen geht weiter

Während der kleine Rüde seine letzten Wochen in einer liebevollen Umgebung genießt, geht die Suche nach dem (oder den) Verantwortlichen weiter. Zeugen hatten der Arche berichtet, dass es sich bei dem Halter um einen älteren Mann handeln könnte, der öfter zusammen mit einem weiteren Hund im Fredenbaumpark und im Stadtteil Eving nahe der Zeche Minister Stein gesichtet wurde.

Weitere Hinweise nimmt die Arche90 unter (0231) 87 53 97 oder per E-Mail mit dem Betreff „Ausgesetzter Beagle“ an info@arche90.de entgegen.

Sowohl die Tierquälerei als auch das Aussetzen sind verboten und können bestraft werden. Außerdem könne laut Gabi Bayer ein Tierhalteverbot vom Veterinäramt veranlasst werden.

Der kleine Findus bekommt von diesem Trubel nichts mit und freut sich, in seinen letzten Tagen alles fressen zu dürfen, was sich ein alter Beagle nur wünschen kann.

Über die Autorin
Volontärin
Geboren in Hamm, dann ausgezogen in die weite Welt: Nach ausgiebigen Europa-Reisen bin ich in meine Heimat zurückgekehrt und berichte nun über alles, was die Menschen in der Gegend gerade bewegt.
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Sylva Witzig

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