© Stephan Schuetze
Fußball-Bezirksliga

20 Kilo abgenommen, kein Burrito mehr vor dem Training – Bezirksliga-Kicker plant Großangriff

Er kam vor drei Jahren zu seinem Klub, spielte aber wenig. Während der Corona-Unterbrechung hat er sich fitgemacht und insgesamt 20 Kilo abgenommen. Er möchte demnächst spielen.

Diese Geschichte geht im Sommer 2018 los. Damals startet der TuS Eichlinghofen in die Vorbereitung auf die Bezirksliga-Spielzeit. Es ist eine der ersten Trainingseinheiten als Marc Risse auf die Eichlinghofener Anlage marschiert.

Mit als Erstes erblickt ihn einer seiner Spieler im Schneidersitz. Mit einem Burrito in der Hand. Ja, Sie lesen richtig. Einem Burrito, einem fülligen Gericht aus der mexikanischen Küche.

Der Spieler war Leo Wöhl, ganz frisch dazugestoßen zu dem Zeitpunkt. Er wechselte aus Witten nach Dortmund. „Lass das scheiß Essen verschwinden“, hat Risse ihm damals zugeraunt.

So erzählt Risse die Geschichte heute. Doch es geht nicht darum, hier einen Spieler bloßzustellen oder einfach eine Anekdote zu erzählen. Leo Wöhl ist ein Spieler, den es so nicht allzu häufig gibt. Das stellt Risse gleich klar.

Riesenkompliment für Wöhl

„Seit 15 Jahren bin ich im Amateurfußball, aber so einen Typen wie Leo habe ich noch nie getroffen“, sagt Risse. Es ist ein Riesenkompliment von einem Trainer, der seit Jahren Jungs um sich herum hat, die als charakterlich einwandfrei gelten, vor allem über die grandiose Teamchemie kommen.

„So einen Typen wie Leo lernst du wirklich nur einmal kennen. Er ist immer gut drauf, immer nett und höflich und einer der beliebtesten im Team“, sagt Risse.

In der riesigen Dortmunder Amateurfußball-Community ist Wöhl vor allem denjenigen ein Begriff, die bereits mit ihm unterwegs waren. Denn Wöhl hat in den vergangenen Jahren wenig gespielt, kam im Bezirksliga-Kader Eichlinghofens kaum zum Einsatz, saß meistens auf der Bank.

„Es gab auch Spieltage, wo ich wütend war. Die Trainingswoche war geil und dann spielst du halt nicht“, sagt Wöhl, räumt aber ein: „Ich wusste halt, dass ich schon etwas hinten dran war.“

120 Kilo verteilten sich auf den 1,95 Meter großen Riesen. Die Fitness war für das Bezirksliga-Niveau nicht gegeben. „Er ist fußballerisch viel, viel besser als es seine Einsatzzeiten hergibt“, sagt Risse über ihn. Denn ausgebildet wurde Wöhl beim TSC Eintracht Dortmund, ging für ein kurzes einjähriges Intermezzo nach Witten, ehe er wieder nach Dortmund wechselte.

Hat kommende Spielzeit viel vor: Leo Wöhl. © Dortmunder Sportfotografie / Schulze © Dortmunder Sportfotografie / Schulze

Die Liebe zum Dortmunder Amateurfußball kann man ihm nicht nehmen. „Der Dortmunder Fußball hat mir ein bisschen gefehlt, der ist schon einzigartig“, sagt Wöhl. „Man trifft halt alle auf Malle immer wieder.“ Der Zusammenhalt ist ihm wichtig, deshalb wechselte er auch nach Eichlinghofen. „Es ist halt ein geiler Verein. Du hast Fans da, die dich immer unterstützen, die Mannschaft ist überragend. Nach dem Training hast du immer zehn bis 12 Leute, die danach immer in der Kabine saßen“, sagt er.

Und Wöhl hat sich da nahtlos eingefügt, ist zum Training gekommen, sorgt für gute Laune und gehört zu den beliebtesten Typen im Team, so beschreibt es Risse. Dieser ist nun nicht mehr sein Trainer und wird die Verwandlung des Leo Wöhls nicht mehr als Übungsleiter miterleben.

20 Kilogramm hat er abgenommen während der Corona-Pandemie. Durch Fitness-Videos und Laufeinheiten. Mittlerweile gehört er – so gibt es die Runtastic-Gruppe seines Teams wieder – zu den lauffreudigsten Jungs, legt jeden Monat zwischen 60 bis 80 Kilometer zurück.

Die Abmachung ist klar – Wöhl muss sich fithalten

„Ich will mich fit machen, denn ich studiere Sport auf Lehramt, da muss ich fit für sein. Auch die Pause hat da was beizutragen“, sagt Wöhl, der vor allem zentral spielt. Sei es Innenverteidigung, Sechser oder Stürmer.

Die neu dazugekommene Fitness hat sich bereits zu Beginn der vergangenen Saison im Herbst deutlich gemacht. Damals hat er sich bereits in die Startelf gespielt, ehe die Coronavirus-Pandemie für die Unterbrechung und jetzt feststehende Annullierung der Saison sorgte.

Zur kommenden Saison möchte Wöhl nun erstmals regelmäßiger auf dem Platz stehen. Mit seinem neuen Coach Marc Neul ist es klar abgemacht, das er sich fit halten soll.

Dazu gehört auch, dass es für Wöhl wohl keine Burritos auf dem Platz in Eichlinghofen mehr gibt. Damals hatte Risse den Frischling aus den Augen verloren und fand ihn wenige Minuten später in einem Gebüsch wieder, wo er den Burrito zu sich nahm. „Man kann ihm dauerhaft nicht böse sein“, sagt Risse und freut sich jetzt bereits darauf, wenn er demnächst als Zuschauer zu Gast in Eichlinghofen ist und Leo Wöhl dann auf dem Platz spielen sieht.

Über den Autor
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David Nicolas Döring

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