Dieter Weinand in der Ringecke zusammen mit Bundestrainer Heinz Schwarz. © Schumann
Boxen

3000 Mark als Entschädigung für die verpassten Olympischen Spiele 1980

Er war siebenmal Deutscher Meister, verpasste zweimal die Olympischen Spiele und war später TV-Star in „Die Helden der Kreisklasse“. Ein großer Dortmunder Boxer wird am heutigen Dienstag 60.

Er hat 365 Boxkämpfe bestritten, galt Ende der 1970er Jahre als das größte Talent des Deutschen Boxsports und war insgesamt siebenmal Deutscher Meister. Die Olympischen Spiele 1980 in Moskau verpasste er durch den Boykott des Westens – und Profi-Ambitionen hat er nie wirklich entwickelt. Am Dienstag wird Dieter Weinand, Dortmunds Vorzeige-Boxer, 60 Jahre alt.

Silbernes Lorbeerblatt vom Bundespräsidenten erhalten

Beim Blick zurück erinnert sich Weinand an seine großen Erfolge – so als wäre es erst gestern gewesen. Der großgewachsene junge Mann aus Hacheney begann mit elf Jahren bei der ÖSG Viktoria 08, wechselte später zu Boxfreunde 29 Hörde und galt Ende der 1970er Jahre als Hoffnungsträger des deutschen Boxsports.

Vier Jahre lang beherrschte er die Nachwuchs-Klassen. 1976/77 Deutscher Jugendmeister, 1978/79 Deutscher Juniorenmeister, 1980 EM-Zweiter bei den Junioren. Seinen ersten Finalkampf bei den Senioren verpasst er 1980 wegen eines zuvor gebrochenen Handwurzelknochens, sechs Wochen später schlug er Titelträger Jassmann aus Korbach klar.

Von 1981 bis 1983 gewann der Dortmunder danach die Mittelgewichts-Titel bei den Senioren. Von seinen 375 Kämpfen verlor er nur 25, 15 endeten unentschieden. 1981 wurde Weinand vom damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker mit dem Silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet. „Ein Höhepunkt in meiner Laufbahn“, blickt Weinand zurück.

Mit dem Olympia-Boykott des Westens endete ein Lebenstraum

Bekannte Namen machten damals das Boxen populär. Rene Weller, Graciano Rocchigiani, Peter Hussing – und mittendrin Dieter Weinand, Vorgänger des späteren Profi-Boxweltmeisters Sven Ottke in der Klasse bis 75 kg.

Die Fahrkarte zu den Olympischen Spielen 1980 in Moskau hatte Weinand als Nationalmannschaftsboxer und Zweiter bei der Junioren-EM so gut wie sicher in der Tasche, er war eingekleidet, die Trainingslager absolviert, nichts konnte eigentlich mehr schief gehen. Doch der Lebenstraum war schnell dahin.

Als die Sowjetunion in Afghanistan einmarschierte, drängten die USA zum Boykott der Sommerspiele in Moskau. „Wir haben damals eine Entschädigung von 3000 Mark erhalten. Das war’s“, so Weinand, der mit seinen 18 Jahren jüngster deutscher Olympia-Boxer gewesen wäre.

Profi-Angebot vom Boxstall Sauerland war schnell erledigt

Die Karriere ging dennoch weiter. Auf nationaler Ebene dominierte Weinand die Szene im Mittelgewicht. Der Dortmunder hatte aber ein Manko. Er war einfach zu schwer für das Mittelgewicht bis 75 kg, musste regelmäßig abkochen. „Bis zu acht Kilo in der Woche vor dem Kampf“, erklärt der Dortmunder, „das geht natürlich auf die Substanz und war einfach sehr, sehr unangenehm.“ 1983 kam ein Profi-Angebot vom Boxstall Sauerland. „Das Thema war schnell vom Tisch. Und ich habe es nie bereut. Ich wollte meinen Trainer Fritz Wein dabei haben, Sauerland nicht“, blickt Weinand zurück.

Im Trainingslager in den USA beim Sparring verletzt

1984 dann der zweite Anlauf Richtung Olympische Spiele. Weinand flog mit den deutschen Spitzenboxern ins Trainingslager nach Colorado Springs in die USA. Im Sparring mit den besten US-Kämpfern verletzte er sich, musste lange pausieren. Die Olympiade in Los Angeles fand ohne Weinand statt.

Dieter Weinand zusammen mit Ehefrau Birgit.
Dieter Weinand zusammen mit Ehefrau Birgit. © Schumann © Schumann

Dennoch wurde der 1,88 m große Dortmunder im Halbschwer-Gewicht bis 81 kg 1984 nochmal Deutscher Vizemeister, kämpfte mit BC Gelsenkirchen-Erle in der 1. und 2. Bundesliga, stiegt mit BSK Ahlen in die 1. Bundesliga auf. Dachte aber auch bereits ans Aufhören, der Beruf und die Familie mit Ehefrau Birgit rückte in den Vordergrund.

1986 siegte er noch dreimal in drei Kämpfen für den BC Dortmund und stieg mit ihm in die 2. Box-Bundesliga auf. 1989 war dann endgültig Schluss, aus dem Boxer Weinand wurde der Trainer Weinand.

Die Helden der Kreisklasse. Dieter Weinand mit seinen Schützlingen vom SSV Hacheney.
Die Helden der Kreisklasse. Dieter Weinand mit seinen Schützlingen vom SSV Hacheney. © Schumann © Schumann

Zwischenzeitlich wurde es ruhig um Dieter Weinand, er wurde schwer krank, das Boxen zweitrangig. Nur seinen Boxpass mit seinen 365 Kämpfen habe er von damals noch behalten, mehr nicht, gesteht Weinand. Der 2005/06 eine kleine TV-Karriere machte als Trainer des Fußball-Kreisligisten SSV Hacheney. Zusammen mit dem Ex-Borussen „Manni“ Burgsmüller spielten Weinand und seine Jungs beim TV-Sender Kabel 1 in 45 Sendungen „Die Helden der Kreisklasse“.

2020 schloss sich der Kreis. Weinand kehrt zum Boxen zurück. DBS-Vorsitzender Dieter Schumann („ich habe das Feuer in seinen Augen gesehen“) hatte ihn angesprochen. Als DBS-Jugendtrainer und will er eine neue Staffel heranbilden.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Ein waschechter Dortmunder, Jahrgang 1957. Vor dem Journalismus lange Jahre Radprofi, danach fast 30 Jahre lang Redakteur bei Dortmunder Tageszeitungen, seit 2015 bei den Ruhr Nachrichten, natürlich im Sport.
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Peter Kehl

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