Der ASC-Trainer für die kommenden beiden Jahre steht fest. © Nils Foltynowicz
Fußball-Oberliga

Aplerbeck-Stürmer wünscht sich mehr Spielzeit – Muss er dafür den Verein verlassen?

Er hatte als kleiner Junge große Träume – vom Profifußball, vom BVB. Die musste er aber begraben. Jetzt spielt er in der Oberliga und auch da läuft es nicht so gut. Der Stürmer erklärt warum.

Er galt als großes Talent, spielte lange für die BVB-Junioren, hatte eine Profikarriere im Blick, wechselte später zu Preußen Münster und landete als Seniorenspieler beim höchst spielenden Dortmunder Amateurverein, dem ASC 09 Dortmund. Seine Hoffnungen, über den zweiten sportlichen Bildungsweg ganz nach oben zu kommen, hat er aufgegeben. Momentan fristet er auch in der Oberliga nur ein Reservistendasein.

Jonas Schneck (20) hatte als Junge Träume. Zufrieden mit seinem Status ist er nicht, aber er glaubt an sich. Doch längst ist dem groß gewachsenen Angreifer klar, dass es Wichtigeres im Leben gibt. Im Interview spricht Jonas Schneck über sich und seine Wünsche, aber auch über die Dinge, die aus ihm einen zufriedenen Menschen machen.

J

onas, ich darf darauf hinweisen, dass wir uns über deinen Bruder und meinen Neffen kennen, seitdem du ein kleiner Junge warst. Daher reden wir uns auch per Du an. Damals, vielleicht vor acht, neun Jahren, hast du mich, nicht gerade die Schlankheit in Person, im Garten bei einem kurzen Spaßkick beinahe mit deinem harten Schuss umgeschossen. Du hattest Träume. Wir hatten dann lange keinen Kontakt mehr. Sind die Träume mittlerweile ausgeträumt?

Ja, ich habe es akzeptiert und mich damit abgefunden, nicht mehr Profi zu werden. Natürlich war es mein Traum, das zu schaffen. Als der BVB im höheren Jugendalter nicht mehr mit mir plante, tat das auch schon sehr weh. Ich hatte dann gehofft, es über Preußen Münster noch zu schaffen. Das lief anfangs auch. Dann aber bin ich zurück nach Dortmund gegangen, zum ASC. Vielleicht noch in die 3. Liga zu kommen, hatte ich noch im Hinterkopf. Im Nachhinein muss ich aber sagen, dass es aus meinem Jahrgang nur die wenigsten geschafft haben. Es war schon verdammt schwer.

Und du spielst jetzt zumeist nur ein paar Minuten. Einen ehrgeizigen Stürmer dürfte das nicht glücklich machen.

Das stimmt. Ich habe natürlich in Maxi Podehl einen enorm starken Konkurrenten. Doch wir könnten auch nebeneinander im 4-4-2 oder voreinander, einer auf der Zehn, einer ganz vorne, spielen.

Woran liegt es, dass dein Trainer dir diese Möglichkeit nicht gibt?

Ich bin in dieser Liga und im Seniorenbereich dann vielleicht noch zu unerfahren. Mit Spielpraxis könnte ich dann mehr Sicherheit entwickeln und die manchmal noch auftretende Nervosität eindämmen.

Jonas Schneck © Nils Foltynowicz © Nils Foltynowicz

Selbst wenn du die große Karriere nicht mehr im Visier hast, traust du dir Oberliga aber schon zu, oder?

Ja, natürlich. Ich war ja auch kurz davor, größere Spielanteile zu erhalten. Vor der Saison vor einem Jahr hatte mir der damalige Trainer Daniel Sekic nach einer guten Vorbereitung bessere Chancen in Aussicht gestellt. Dann aber folgte ein Trainerwechsel. Tim Schwarz setzte mehr auf erfahrenere Leute. Jetzt haben wir ja wieder einen neuen Coach und ich hoffe, nach Corona noch einmal angreifen zu können. Ich bin ja nicht so vermessen und möchte vor einem Topspieler wie Maxi Stammspieler sein. Doch um mich zu zeigen, müsste ich mal eine Halbzeit oder auch mal von Anfang an spielen, jedenfalls länger als die wenigen Minuten, in denen es meine einzige Aufgabe ist, den Ball zu sichern.

Wäre der Weg deines Aplerbecker Kurzzeit-Angriffskollegen Jonas Telschow, der mittlerweile in der Westfalenliga absoluter Torjäger des FC Brünninghausen ist, auch ein denkbarer für dich?

Ich sehe zwei Wege. Der eine ist der bereits erwähnte über den ASC. Ich glaube an mich und auch, dass ich das Zeug habe, mich durchzusetzen. Ich muss mich weiter durch gute Trainingsleistungen empfehlen. Ich erhalte viel positives Feedback meiner Mitspieler und der Trainer, was mir sehr wichtig ist. Ich möchte auch dazusagen, dass ich mich im Verein sehr wohlfühle. Alle reden gut mit mir, da lässt mich keiner links liegen. Wenn es dann aber auf Dauer eben keine Perspektive gibt, dann gehe ich gerne einen Weg über einen anderen Oberligisten oder ein Team aus der näheren Umgebung, das vielleicht eine Liga tiefer spielt.

Ich studiere bei der Polizei. Meine Ausbildung für den gehobenen Dienst beinhaltet ein Studium. Ich sehe mich vielleicht mal im Kommissariat oder auch bei der Autobahnpolizei.

Da gäbe es bestimmt einige Vereine, die nicht nein sagen. Aber du sagst ja auch, dass dich andere Dinge im Leben zu einem zufriedenen Menschen machen. Ich hatte dich gerade während einer Online-Vorlesung erwischt. Jetzt hast du Zeit für die Antwort, was du studierst.

Das heißt, du bist nicht nur körperlich fit, sondern auch in Theorie und Praxis. Und das wiederum heißt, du hast schon Wert darauf gelegt, neben dem Fußballprofitraum Schule und Beruf nicht aus den Augen zu verlieren?

Meinen Eltern war die Schule immer wichtig. Auch der BVB achtete in meinen jungen Jahren auf gute Noten. Das klappte, bis ich zwölf, 13 war, auch ordentlich. Ich gebe aber zu, dass danach für ein paar Jahre nur eins von beiden gut lief. Entweder war ich in der Schule gut und im Fußball nicht mehr ganz so, oder ich spielte besser und brachte nicht mehr die besten Zeugnisse nach Hause. Ich habe dann den Realschulabschluss gemacht, anschließend am Berufskolleg das Abitur. Nach einem freiwilligen sozialen Jahr an der Sportschule Kaiserau nehme ich jetzt dieses duale Studium in Angriff.

Das aber funktioniert ja wohl wegen Corona nur online. Wie läuft das Leben mit Fußball, Beruf und Familie weiter?

Bald absolviere ich meinen ersten Teil vor Ort in Schloss Holte Stukenbrock. Da lerne ich zum Beispiel, auch zu schießen.

Das sollte dir allerdings als Angreifer ziemlich leicht fallen.

Ich sehe da auch eher weniger Schwierigkeiten.

Wie verbringst du die Corona-Zeit sonst?

Neben Lernen und Vorlesungen verbringe ich viel Zeit mit meiner Familie und meiner Freundin. Sie hat einen neuen Hund. Der benötigt Aufmerksamkeit und hält uns auf Trab. Ich würde auch lieber Fußball spielen, aber wer möchte das nicht? Ich halte mich fit, in dem ich laufen gehe, mal um den Phoenixsee, mal im Wald.

Dann wünsche ich dir, dass du alles weiterhin gut auf die Reihe kriegst und so positiv bleibst.

Danke. Wir sehen uns hoffentlich bald mal wieder auf dem Sportplatz.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Dortmunder Jung! Seit 1995 im Dortmunder Sport als Berichterstatter im Einsatz. Wo Bälle rollen oder fliegen, fühlt er sich wohl und entwickelt ein Mitteilungsbedürfnis. Wichtig ist ihm, dass Menschen diese Sportarten betreiben. Und die sind oft spannender als der Spielverlauf.
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Alexander Nähle

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