Samir Habibovic muss das Trainer-Team des Oberligisten neu gestalten. © Stephan Schuetze
Fußball

ASC 09 oder Lüner SV? Samir Habibovic hat sein Ja-Wort für die kommende Spielzeit gegeben

Die Nachricht hat hohe Wellen geschlagen: Aplerbecks Sportlicher Leiter Samir Habibovic trifft sich mit dem Lüner SV zu Verhandlungen. Jetzt hat er den Klubs Bescheid gegeben, was er macht.

Samir Habibovc spricht ganz offen über die Gespräche mit dem Lüner SV. „Der Klub hat mir für die Westfalenliga einen höheren Etat versprochen, als das, was in Aplerbeck in der Oberliga möglich ist. Zudem ist das Lüner Stadion reif für die Regionalliga“, sagt Habibovic. Aber haben all diese Argumente letztlich gereicht, um ihn von seinem Herzensverein wegzulotsen?

Beim ASC ist er in seiner neunten Saison als Sportlicher Leiter. Niemand in der Stadt schafft es wie der 43-Jährige Jahr für Jahr junge Talente zu verpflichten, die sich binnen kürzester Zeit auf Oberliga-Niveau begeben. Maximilian Podehl, Jan-Patrick Friedrich, Mike Schäfer, Florian Rausch, Jan Stuhldreier, Lars Warschewski – allesamt sind sie Stammspieler beim ASC – wenn sie gesund sind. Allesamt kamen sie aus der Jugend direkt zum ASC. Zu der Riege gehört auch Maurice Buckesfeld, der jetzt in der Regionalliga für den TSV Steinbach spielt.

ASC ist Evergreen in der Oberliga

Der ASC gehört neben dem TuS Ennepetal, FC Gütersloh und Eintracht Rheine zu den Evergreens der Oberliga. „Und das, obwohl wir mit den meisten Klubs der Liga finanziell überhaupt nicht mithalten können“, sagt Habibovic. Nach langen Überlegungen hat er sich entschieden, beim ASC zu bleiben. „Mein Weg ist hier noch nicht zu Ende“, sagt er.

Diese Einschätzung hatte er zuletzt nicht immer. „Zwischenzeitlich hatte ich das Gefühl, hier geht es in Aplerbeck nicht mehr weiter. Mehr als wir jetzt erreichen, geht nicht mehr“, beschreibt er seine Gefühlswelt, die ihn dazu veranlasst hat, sich mit dem Lüner SV an einen Tisch zu setzen. Er gibt offen zu, dass er vom Plan des Lüner SV geschwärmt hat.

Der Klub hat ihm offengelegt, was finanziell alles möglich sei. Hinzu kommt das Stadion. Habibovic wurde klar, dass man mit dem Lüner SV mittelfristig die Regionalliga anpeilen kann. „Meine Frau hat mir mal gesagt, dass meine Augen funkeln, wenn ich über den Lüner SV spreche.“

Er hat immer mit offenen Karten gespielt. Er hat seinem Freund und ASC-Vorsitzenden Michael Linke frühzeitig erzählt, dass er bereit für neue Aufgaben sei und sich mit dem Lüner SV treffen werde. „Ja, Samir hat immer mit offenen Karten gespielt“, bestätigt Linke. Die Ruhr Nachrichten berichteten von dem anstehenden Treffen zwischen dem Lüner SV und dem ASC-Macher.

ASC-Vorsitzender Michael Linke ist in einem Sportschau-Beitrag zu sehen.
ASC-Vorsitzender Michael Linke ist in einem Sportschau-Beitrag zu sehen. © Frank Fligge / ASC 09 Dortmund © Frank Fligge / ASC 09 Dortmund

Zu diesem Zeitpunkt schien das Pendel Richtung LSV auszuschlagen. „Mit der Veröffentlichung dieses Artikels ist eine Menge auf mich eingestürzt“, sagt Habibovic. Spieler, Freunde, Sponsoren kontaktierten ihn sofort. Einige machten ihm deutlich, wie sehr sie mit ihm verbunden seien und dass er nicht gehen dürfe. Ein Umdenken begann. Habibovic wurde deutlich, was er zusammen mit Michael Linke in den vergangenen Jahren aufgebaut hatte.

Ein Oberliga-Team, das zweimal kurz vor dem Regionalliga-Aufstieg stand. Ein Stadion, das zwar noch nicht Regionalliga-tauglich ist, aber mit seinen zwei Tribünen zu den schönsten Anlagen in Dortmund gehört. Und er hat ganz viele Freundschaften aufgebaut, auch wenn er als Sportlicher Leiter immer wieder harte Entscheidungen treffen musste.

Der Pendel schwingt zurück zum ASC 09

All diese Punkte und die Gespräche mit Michael Linke ließen dann das Pendel zurück zum ASC schwingen. „Ich habe wieder richtig Bock auf den ASC. Hier gibt es noch einiges zu bewegen.“ Linke hat ihm für die kommende Spielzeit einen höheren Etat versprochen. Zusammen wollen sie das Stadion weiter ausbauen und dafür sorgen, dass die schon gut funktionierende Jugendabteilung noch erfolgreicher wird.

Aber wie sehen die Ziele für das Oberliga-Team aus? Ist es die Regionalliga? „Wir werden mit unserem Etat niemals in eine Saison gehen können und sagen, dass wir in die Regionalliga aufsteigen wollen“, erklärt Habibovic, „wir wollen aber dahinkommen, dass wir sagen können, wir wollen mit dieser Mannschaft im oberen Drittel mitspielen.“

Emre Konya präsentiert einen weiteren Neuzugang. © Stephan Schuetze © Stephan Schuetze

Im Gespräch mit Habibovic ist deutlich zu spüren, dass er mit dem Klub noch einiges vorhat. „Wir sind natürlich super froh, dass Samir bleibt. Es ist nicht selbstverständlich, dass er geblieben ist. Das muss jedem bewusst sein“, sagt Linke.

Wie ernst es Habibovic war, den Klub vielleicht zu verlassen, zeigt, wen er im vergangenen Jahr neu beim ASC installiert hat. Er hat Emre Konya mit in die Sportliche Leitung genommen. Er hat Uwe Kallenbach überredet, als Koordinator zwischen Erster Mannschaft, Zweiter Mannschaft und A-Jugend zu agieren. „Zum einen muss man sich als Klub breiter aufstellen. Zum anderen wäre der Verein gut aufgestellt gewesen, wäre ich gegangen“, sagt Habibovic.

„Samir hat uns noch einmal alle wachgerüttelt“

„Samir hat uns noch einmal alle wachgerüttelt. In Aplerbeck darf es einfach keinen Stillstand geben“, sagt Michael Linke. Nicht nur er ist froh darüber, dass Habibovic bleibt, auch die Spieler. „Samir hat sich mir anvertraut und mir verraten, dass er bleibt. Da war mir klar, dass ich auch verlängere“, erklärt Top-Stürmer Maximilian Podehl.

Für alle scheint die Vertragsverlängerung eine Win-Win-Situation zu sein – außer für den Lüner SV – und ein deutliches Zeichen an die Konkurrenz. Der ASC hat in der Zukunft noch einiges vor. Vielleicht klappt es ja irgendwann doch einmal mit dem Regionalliga-Aufstieg.

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Thomas Schulzke

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