Die Verwirrung bei der BVB-U23 ist vor dem letzten Spiel in Wuppertal groß. © imago / Bielefeld
Borussia Dortmund

Aufstieg, Protest, dicke Luft: Verwirrung vor Regionalliga-Finale der BVB-U23

Die BVB-U23 will in Wuppertal den Drittliga-Aufstieg perfekt machen. Doch nach dem Essener Protest ist die Verwirrung vor dem Regionalliga-Showdown groß. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Eine für alle 21 Vereine kräftezehrende Saison steht vor ihrem finalen Akt. Wenn am Samstag um kurz vor 16 Uhr alle Partien der Regionalliga West abgepfiffen sind, blicken die Verantwortlichen auf die anstrengendste und turbulenteste Spielzeit der Geschichte zurück. Die Corona-Pandemie führte im vergangenen Sommer zunächst zu einer Aufstockung der Liga und einem damit verbundenen XXL-Spielplan. Zahlreiche coronabedingte Spielabsagen in der laufenden Saison verschärften die Situation. Dennoch wurde der Zeitplan eingehalten.

Saisonfinale der BVB-U23 am Samstag beim Wuppertaler SV

Die sportliche Ausgangslage schien für Borussia Dortmunds U23 nach dem 3:1 im Nachholspiel gegen Bergisch Gladbach am Dienstag simpel: Schon ein Punkt beim Wuppertaler SV (Samstag, 14 Uhr, bei uns im Live-Ticker) würde reichen, um Meisterschaft und Aufstieg perfekt zu machen. Doch seit Mittwochnachmittag herrscht große Verwirrung: Zunächst erklärte der Westdeutsche Fußballverband (WDFV) in einer nebulösen Mitteilung, dass die Meisterehrung in der Regionalliga West aufgrund vorliegender Einsprüche gegen Spielwertungen verschoben werden müsse.

Der WDFV-Vorsitzende Manfred Schnieders sagte: „Durch die Einsprüche wird die Entscheidung über den Titelträger unter Umständen über den 42. Spieltag hinaus vertagt. Die Situation erschwert unsere Planungen derart, dass der WDFV nicht umhinkommt, die Ehrung zu verschieben. Das bedauern wir sehr.“

RW Essen legt Einspruch gegen Spiele der BVB-U23 ein

Weitere Details ließ sich der Verband auch auf Nachfrage nicht entlocken. Dortmunds Aufstiegskonkurrent RW Essen bestätigte immerhin wenig später, dass die Einsprüche von dort getätigt wurden. Wir versuchen, Licht ins Dunkel zu bringen und beantworten die wichtigsten Fragen:

Warum hat RW Essen gegen die Wertung von Spielen mit BVB-Beteiligung Protest eingelegt?

Offiziell wollten sich weder Borussia Dortmund noch RW Essen und der Westdeutsche Fußballverband dazu äußern. Auf der Hand liegt jedoch, dass der Protest aufgrund der coronabedingten Spielverlegungen der BVB-U23 eingereicht wurde. Die Schwarzgelben hatten am 6. Mai bekanntgeben, dass mehrere Spieler mit dem Coronavirus infiziert seien. In Folge dessen mussten sich nach Rücksprache mit dem Gesundheitsamt Dortmund insgesamt zwölf Spieler in Quarantäne begeben. Da dem Team von Enrico Maaßen anschließend weniger als die vom Verband geforderten 15 einsetzbaren Spieler zur Verfügung standen, wurden die Partien in Rödinghausen und gegen Bergisch Gladbach abgesagt und neu angesetzt.

Nach Informationen der Ruhr Nachrichten spielen bei den Essener Einsprüchen auch die Namen Steffen Tigges, Ansgar Knauff und Felix Passlack und ihre angezweifelte Spielberechtigung eine Rolle. Das Trio gehörte ab Anfang Mai fest zum Profi-Kader und befand sich ab dem 12. Mai in dem von der Deutschen Fußball Liga vorgeschriebenen Quarantäne-Trainingslager. Die drei Profis hätten in dieser Zeit zwar für die U23 spielen können, hätten dafür aber die Quarantäne verlassen müssen und von der Profiabteilung nicht mehr eingesetzt werden dürfen. Das erste Spiel nach der Quarantäne absolvierte der BVB II am 23. Mai beim SV Straelen. Am Tag zuvor endete die Bundesliga-Saison.

Welche Spiele sind von dem Protest betroffen?

Auch dazu liegt bislang keine offizielle Stellungnahme vor. Höchstwahrscheinlich betrifft der Einspruch die beiden Nachholspiele gegen Rödinghausen und Bergisch Gladbach. Die drei weiteren BVB-Partien gegen Straelen (vom 22. auf den 23. Mai verschoben), Homberg und Wuppertal fanden oder finden zum regulären Termin statt.

Bis wann soll über die Einsprüche entschieden werden?

Ein genaues Datum hat der Verband bisher nicht mitgeteilt. Da die Meisterehrung vom WDFV jedoch verschoben wurde, ist mit einem offiziellen Ergebnis frühestens in der kommenden Woche zu rechnen.

Wie wahrscheinlich ist es, dass der Essener Protest erfolgreich ist?

Auf den ersten Blick unwahrscheinlich. Bei der Corona-Thematik hat Borussia Dortmund eng mit dem Verband zusammengearbeitet. Die Liste der von der Quarantäne betroffenen Spieler wurde vom Gesundheitsamt Dortmund auf offiziellem Weg an den WDFV übermittelt.

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Regionalliga West, Nachholspiel: BVB II – SV Bergisch Gladbach 3:1 (1:0)

Wie hat man beim BVB auf den Essener Protest reagiert?

Mit großem Unverständnis. Überhaupt ist das Verhältnis zwischen BVB und RWE seit geraumer Zeit belastet. Immer wieder kommt es – das betrifft vor allem Essen – auch zu öffentlichen Konfrontationen. Die Themen: Profi-Spieler bei der U23, Spielausfälle, Ansetzungen.

Was wäre, wenn die beiden Nachholspiele gegen Rödinghausen (0:0) und Bergisch Gladbach (3:1) doch zu Ungunsten der BVB-U23 gewertet werden würden?

In diesem derzeit unwahrscheinlichen Fall würden die Partien wohl mit jeweils 0:2 aus BVB-Sicht gewertet. Das würde für den letzten Spieltag bedeuten: Essen wäre Tabellenführer (87 Punkte) mit einem Zähler Vorsprung vor Dortmund (86). Die neuen Ergebnisse hätten allerdings auch Auswirkungen auf den Abstiegskampf: Der eigentlich schon abgestiegene SV Bergisch Gladbach wäre mit dann 33 Punkten wieder voll im Rennen. Ahlen, Bonn und Homberg (jeweils 35 Zähler) müssten wieder zittern. Homberg und Ahlen treffen am Samstag direkten Duell aufeinander, Bergisch Gladbach empfängt Düsseldorf II, Bonn die U23 des 1. FC Köln.

Der SV Bergisch Gladbach hat mittlerweile ebenfalls Protest gegen die Wertung der Partie am vergangenen Dienstag eingelegt: „Das haben wir pro forma getan. Wir wollen uns nichts nachsagen und nichts unversucht lassen. Sollte es wirklich so sein, dass der BVB II mit seiner Spielberechtigungsliste, ich sage mal zaubert, und die Spieler nach Lust und Laune hin und her schiebt, dann wäre das eine Frechheit“, erklärte der Sportliche Leiter Christian Schlösser gegenüber „Reviersport“.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Premium-Jahrgang 1981. Besetzte im Mittelfeld von Rot-Weiß Unna die Acht, bevor die Position überhaupt erfunden wurde. Studium der Germanistik und Politikwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum, anschließend ablösefreier Wechsel zu Lensing Media. Im BVB-Team polyvalent einsetzbar.
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Florian Groeger

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