Wie stehen die Sportlichen Leiter von Dortmunds Amateurfußball-Klubs wie Türkspors Dimitrios Kalpakidis zu Beratern? © Nils Foltynowicz
Amateurfußball

Berater im Amateurfußball? Dortmunder hat klare Meinung: „Kann ich nicht für Ernst nehmen“

Immer häufiger bringen junge Spieler Berater mit an den Tisch, wenn sie mit Amateurfußball-Vereinen über eine Zusammenarbeit verhandeln. Dortmunds Sportliche Leiter haben klare Meinungen dazu.

„Es kommt vermehrt dazu, dass Berater mit dabei sind“, sagt Mehmet Aslan, Sportlicher Leiter des Fußball-Westfalenligisten BSV Schüren, über Spielerverhandlungen. Reichte früher ein Handschlag zwischen Spieler und Trainer für einen Wechsel, kommen junge Talente heutzutage gerne schon einmal mit einem Verhandler um die Ecke. Was halten Dortmund Sportliche Leiter davon?

„Ich halte da nicht viel von“, gibt Aslan unverfroren zu. „Man musss die Kirche im Dorf lassen.“ Das Dorf heißt Landesliga, Westfalenliga – also reinster Amateurfußball. Aslan setze sich zwar mit den Beratern, wenn mal einer dabei ist, an einen Tisch. Die Dauer der Gespräche sei dann meist aber kurz. „Ich sage den Spielern dann schon mal, dass sie gerne wiederkommen können, wenn sie für Schüren spielen wollen – dann aber bitte alleine.“

Mehmet Aslan, Sportlicher Leiter des BSV Schüren, sagt den Spielern schon mal, dass sie gerne wieder kommen dürfen, wenn sie wollen - dann allerdings alleine.
Mehmet Aslan, Sportlicher Leiter des BSV Schüren, sagt den Spielern schon mal, dass sie gerne wieder kommen dürfen, wenn sie wollen – dann allerdings alleine. © Archiv © Archiv

Ähnlich handhabt es auch Dimitrios Kalpakidis, Sportlicher Leiter des Landesligisten Türkspor Dortmund: „Prinzipiell ist es so: Alle Spieler, die in der Landes- und Westfalenliga mit einem Berater kommen, kann ich nicht für ernst nehmen. Da habe ich kein Verständnis für.“

Auch wenn Türkspor ambitioniert sei und aufsteigen wolle, rede man noch immer Amateurfußball, sagt Kalpakidis. Berater hätten da nicht viel verloren, „denn im Amateurfußball ist alles familiär“. In diese Landschaft passe ein Berater nicht rein.

Auch für die Spieler findet Kalpakidis es schade, wenn sie einen Verhandler mit an den Tisch setzen. „Die Jungen tun sich dadurch keinen Gefallen. Wenn sich ein Berater mit dir an den Tisch setzt, muss man sich schon fragen, ob der noch alle Tassen im Schrank hat.“ Der 42-Jährige stellt sich auch die Frage, was ein Spieler mit einem Berater erreichen wolle? „100 Euro mehr, die dann aber als Provision an den Berater anfallen?“

Daniel Dukic, Sportlicher Leiter von Westfalia Wickede, blockt direkt ab, wenn ein Spieler mit einem Berater ankommt.
Daniel Dukic, Sportlicher Leiter von Westfalia Wickede, blockt direkt ab, wenn ein Spieler mit einem Berater ankommt. © Nils Foltynowicz © Nils Foltynowicz

Direkt abgeblockt werden Spielergespräche mit Beratern von Daniel Dukic, Sportlicher Leiter des Westfalenligisten Westfalia Wickede. „Wer einen Berater mit 17 Jahren für den Amateurfußball braucht, der braucht auch einen im privaten Leben“, so die klare Kante Dukics. Im Amateurfußball könne man bei jedem Verein anrufen und fragen, ob man ein Probetraining machen könne. Auch seien die Summen nicht so groß, dass man einen Berater für die Verhandlungen brauche.

Schlechte Erfahrungen habe er vor zwei Jahren gemacht, als ihn ein Berater eines Spielers anrief, der Wickede verlassen sollte. „Da fragte mich der Berater, was das soll. Da habe ich ihn erstmal gefragt, wer er sei“, sagt Dukic. Er bevorzuge den direkten Austausch mit den Spielern, dann könne man den Spieler auch kennenlernen. „In höheren Ligen kann ich das verstehen, ab dritte Liga aufwärts“, sagt er.

Aplerbecks Sportlicher Leiter Samir Habibovic hat kein Problem damit, mit Beratern zu verhandeln.
Aplerbecks Sportlicher Leiter Samir Habibovic hat kein Problem damit, mit Beratern zu verhandeln. © Stephan Schuetze © Stephan Schuetze

Gang und Gäbe sind Berater aber nicht erst ab der dritten Liga. Bereits in der Oberliga hat Samir Habibovic, Sportlicher Leiter beim ASC 09 Dortmund, regelmäßig mit ihnen zu tun. Wenn er Spieler aus der Junioren-Bundesliga anfragt, hat fast jeder einen eigenen Berater. „Für mich ist das okay“, sagt er. „Jeder möchte für sich das Beste rausholen und wenn sich die Jungs mit einem Berater oder den Eltern am Tisch sicherer fühlen, dann ist das so“, erklärt Habibovic.

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Niklas Berkel
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