Giovanni Schiattarella, Trainer des SV Brackel. © laryea
Amateurfußball

„Bitte werde kein Trainer“: Appell eines Dortmunder Trainers an einen seiner Spieler

Es gibt Fußballer, die gehen auf dem Platz voran und bringen zusätzlich den nötigen Fußballsachverstand mit. Dann gibt es aber auch welche, von denen man sich wünscht, den Trainerjob doch bitte sein zu lassen.

Jeder hat sie in der Mannschaft: Spieler, die ein außerordentlich hohes Fußballverständnis mitbringen, denen man zutraut, später eine erfolgreiche Trainerkarriere einzuschlagen. Auf der anderen Seite sind aber auch in jeder Truppe Spieler, denen nicht mehr als platte Worthülsen einfallen, bei denen sich der Coach denkt: „Bitte, bitte mache alles – nur trainiere nie eine Mannschaft!“ Wir haben bei Dortmundern Amateurfußball-Trainern nachgefragt, wer diese Spieler bei ihnen in der Mannschaft sind.

Giovanni Schiattarella, SV Brackel

Wer sollte Trainer werden?

„Auf jeden Fall Trainer werden sollte Tobias Hartmann – er sieht den Fußball auf einer analytischen Weise, hinterfragt vieles. Er will oft wissen, wieso wir etwas so entscheiden, wie wir es im Trainerteam letztendlich machen. Mit ihm sind es immer sehr gute Gespräche.

Er ist noch ziemlich jung, aber dennoch bereits Kapitän unserer Mannschaft. Tobias ist ein ziemlich cleverer Bursche, dazu rhetorisch gut. Er hat vieles, was man braucht, um Trainer zu werden. Nächste Saison trainiert er auch unsere A-Junioren, was wahrlich keine Überraschung ist.“

Wer sollte auf keinen Fall Trainer werden?

„Da gibt es so einige. Aber wenn ich einen nennen müsste, dann Niklas Rybarczy. Also Niklas: Bitte werde kein Trainer. Er ist zu impulsiv, auch wenn ich mir da vielleicht ins eigene Fleisch schneide, weil ich selber impulsiv bin. Ich glaube, es trifft es eher, wenn ich sage, er hat keine Geduld.

Niklas würde nie die Entwicklung eines Spielers abwarten – vom Fußballverständnis bringt er aber alles mit. Das heißt aber nicht, dass man ein guter Trainer wird, wenn man ein guter Fußballer war.“

Alexander Enke, Trainer Hombrucher SV

Wer sollte Trainer werden?

„Benjamin Bielmeier sollte Trainer werden, weil er auf dem Platz das verkörpert, was jeder Trainer sehen möchte. Dazu kann er sein Fußballwissen sehr, sehr gut vermitteln. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass er, wenn er nicht mehr spielt, auch hauptverantwortlicher Trainer sein wird.“

Wer sollte auf keinen Fall Trainer werden?

„Raimund Büth – bitte nicht! Er ist ein kleiner Lebemann und ich weiß nicht, ob er dauerhaft die Motivation finden würde, sich neben seiner eigenen Motivation auch um die der anderen zu kümmern (Enke lacht, Anm. d. Red.).

Vom Fußballverstand traue ich ihm das allemal zu – das kann man sich auch aneignen. Aber die motivatorischen Fähigkeiten hat man, oder man hat sie nicht – besonders in Vorbereitungszeiten, wenn es auch mal hart wird, muss man sich und andere motivieren können. Und mit einem kleinen Schmunzeln gesagt: Raimund kann das nicht.“

Mit einem Augenzwinkern meint Alexander Enke, Trainer des Hombrucher SV zu Raimund Büth: „Bitte werde kein Trainer.“
Mit einem Augenzwinkern meint Alexander Enke, Trainer des Hombrucher SV zu Raimund Büth: „Bitte werde kein Trainer.“ © Nils Foltynowicz © Nils Foltynowicz

Florian Gondrum, Spielertrainer FC Brünninghausen

Wer sollte Trainer werden?

„Leon Broda, unser Torwart. Er versteht das Spiel und coacht sehr viel bereits jetzt mit. Leon sieht sehr viele Dinge auch jetzt schon von hinten und er bringt generell viel mit. Er kann auch gut mit anderen Menschen umgehen.“

Wer sollte auf keinen Fall Trainer werden?

„Onur Tekin! Dem Fußballsachverstand will ich ihm nicht absprechen. Er hat sicherlich Ahnung. Aber ich glaube, er könnte höchstens eine Hobbytruppe unterhalten (Gondrum lacht, Anm. d. Red.). Er ist – wenn auch witzig gemeint – eher die Person Klassenclown. In einer C-Lige-Truppe den Ball hochwerfen, das kann er, aber dann ist auch Schluss.“

Arthur Malik, Trainer BSV Schüren

Wer sollte Trainer werden?

„Auf jeden Fall Kamil Bednarski. Wir hatten in der vergangenen Spielzeit die Situation, dass er aufgrund seiner Lizenzerwerbung einige Trainingseinheiten bei uns geleitet hat. Das hat er echt gut gemacht. Dazu ist er sehr motiviert und bringt dadurch, dass er recht hoch gespielt hat, viel mit. Auch unserem Keeper Sascha Samulewicz traue ich es zu, dass er eine Mannschaft führen kann.“

Kamil Bednarski gebe einen guten Trainer ab, meint sein Trainer Arthur Malik.
Kamil Bednarski gebe einen guten Trainer ab, meint sein Trainer Arthur Malik. © Timo Janisch © Timo Janisch

Wer sollte auf keinen Fall Trainer werden?

„Da möchte ich deshalb keinen nennen, weil man nie weiß, ob jemand das kann oder macht. Ich selbst hätte es auch nie für möglich gehalten, selber mal an der Linie zu stehen. Man weiß das nie vorher.“

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