William Valenti ist für den SV Brackel auf der linken Außenbahn unterwegs. © Nils Foltynowicz
Fußball-Landesliga

Brackel-Talent Valenti: „Ich feiere es, dass der Trainer mich anschreit“

Ein Dortmunder Landesligist hat den Holperstart in die Saison hinter sich gelassen. Auf der Überholspur ist der 20-jährige Linksaußen. Kein Spiel, in dem er traf, hat der Klub bisher verloren.

Zwei Punkte nach fünf Spieltagen, elf nach neun – da ist was passiert, möchte man meinen. Bei einem Dortmunder Landesligisten zeigt die Kurve auf dem Punktekonto gerade ordentlich nach oben. Einer, der aktuell den Unterschied macht, ist ein junger Linksaußen.

Sechsmal hat William Valenti bislang für den SV Brackel getroffen. Zwei Tore beim 3:2 gegen Horst-Emscher, ein Tor beim 6:0 gegen Erle, ein Tor beim 3:0 gegen Resse und zwei Treffer beim 2:2 gegen Schwarz-Weiß Wattenscheid. Was fällt auf: Wenn Valenti trifft, holt Brackel mindestens einen Punkt.

Dabei war der Start in die neue Saison für den SV Brackel alles andere als gut. Vor allem die beiden 0:1-Niederlagen gegen Hombruch und gegen den SV Wanne am dritten und vierten, als man in beiden Spiele auch durchaus für sich hätte entscheiden können, hatten für viel Frust gesorgt.

„Das hatte aber nichts mit der Qualität der Mannschaft zu tun“, sagt Youngster Valenti rückblickend. „Da hatte sich diese Truppe nur noch nicht gefunden. Uns hat die Sicherheit gefehlt und auch etwas der Glaube an uns selbst. Wir hatten ja sogar beim 1:4 gegen Türkspor durchaus die Chance, einen Punkt oder sogar drei zu holen. Aber die Sicherheit war einfach noch nicht da.“

Mittlerweile habe sich das grundlegend geändert, sagt Valenti. „Natürlich gibt es Mannschaften in der Liga, die an der ein oder anderen Stelle mal individuell besser besetzt sind als wir. Aber wir haben kapiert, dass das nichts ist, was wir nicht können.“

Er selbst, sagt der 20-Jährige, spüre jetzt auch mehr Vertrauen im Team in die Außenpositionen. „Das macht uns noch stärker, weil wir ja zentral mit dem übertrieben schnellen Patrick Sacher und im Sturm mit dem unglaublich kraftvollen Malcolm Ferro ohnehin schon top besetzt sind. Das passt jetzt alles richtig gut.“

Allerdings endete die Findungsphase für den SV Brackel auch genau im richtigen Moment, nämlich als es mit Horst-Emscher, Erle und Wattenscheid gegen Klubs ging, die man auf jeden Fall hinter sich lassen muss. Nächster Kandidat aus dieser Kategorie ist die SG Welper, wo das Team von Giovanni Schiattarella am Sonntag antritt.

Und es sieht ganz so aus, als dürfte Valenti auch in Welper wieder auf der linken Seite für Unruhe sorgen. Dabei ist die linke Seite gar nicht sein ursprüngliche Position. „Meine Lieblingsposition ist der Zehner, das stimmt wohl. Aber schon in der Jugend beim FC Brünninghausen bin ich oft als Linksaußen aufgelaufen. Von daher ist mir die Position auch überhaupt nicht fremd. Ich hab sie zu meiner gemacht.“

Abgesehen von der Saison 20/21, die aus bekannten Gründen keine war, ist es Valentis erste Spielzeit bei den Senioren. Den Sprung aus der A-Jugend zu den Männern habe er schon gespürt, sagt er.

„Was das rein Sportliche betrifft, habe ich das gar nicht als so schwer empfunden, mitzuhalten. Aber ich habe natürlich auch gemerkt, dass ich es in der ersten Mannschaft auch oft mit Gegnern zu tun habe, die ein paar Jahre älter und auch deutlich abgezockter sind als ich. In der Jugend kannst du auch mal zwei Leute hintereinander austricksen. Machst du das bei den Senioren, klappt das vielleicht noch beim ersten Gegenspieler, aber der zweite klatscht dich schon um.“

Trotzdem fühlt sich Valenti bei den Senioren schon angekommen: „Ich hab gelernt, mit dieser etwas härteren Gangart umzugehen.“ Und dann fügt er er noch mit einem Grinsen in der Stimme an: „Und manchmal ist das für einen offensiven Spieler wie mich auch von Vorteil, wenn man weiß, was zu tun ist, damit der Schiedsrichter gegen den Gegner pfeift. Das kann einen Gegenspieler schon ziemlich nerven. Das kostet Konzentration. Und auch so fallen Tore.“

Letztlich weiß der Brackeler Youngster aber auch ganz genau, wie er von der Erfahrung in seiner eigenen Mannschaft zehren kann. „Nur ein Beispiel: Als junger Spieler kannst du nur auf einen erfahrenen Mannschaftskameraden wie Niklas Rybarczyk hoffen. Er hat ja als Defensiver ganz andere Aufgaben als ich. Aber ich lerne von seiner Einstellung. Als junger Spieler nimmst du es manchmal zu leicht, wenn der Ball mal weg ist. Das tut er nie. Und das ist etwas, das versuche ich mitzunehmen.“

Und der Trainer? Giovanni Schiattarella steht ja nicht gerade im Verdacht ein Kuschel-Coach zu sein. Hat das den Nachwuchsmann nicht verschreckt? „Ganz im Gegenteil. Er ist genau der richtige Trainer für mich. Ich mag das, wenn man mir klar sagt, was ich falsch mache. Da kann er mich auch anschreien. Ich brauche diesen Druck, damit ich sofort was ändere. Nur das bringt mich weiter. Ich feier das, wie der Trainer das macht. Das passt voll zu mir.“

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Sportredaktion Dortmund
61er-Jahrgang aus Bochum, seit über 35 Jahren im Journalismus zu Hause - dem Sport und dem blau-weißen VfL schon ewig von Herzen verbunden - als Sportredakteur aber ein Spätberufener.
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