Trotz einiger Top-Neuzugänge steht der BSV Schüren unten in der Tabelle – aber warum? © Foltynowicz
Fußball

BSV Schüren verstärkt sich mit Topspieler um Topspieler – sitzt das Geld so locker?

Der BSV Schüren rüstet seinen Kader immer weiter auf – in der Tabelle kämpft der Klub aber gegen den Abstieg. Warum? Und wieso entscheiden sich dennoch so viele Topspieler für den Verein?

Die Corona-Pandemie muss bekanntlich für viel als Entschuldigung herhalten. Für die bislang schwache Saisonleistung des Fußball-Westfalenligisten BSV Schüren jedoch nicht. Das unterstreicht Mehmet Aslan, der Sportliche Leiter des Westfalenligisten. „Wir haben uns im Sommer gut verstärkt, zuletzt noch durch den Ex-BVB-2-Spieler Massimo Ornatelli oder durch den jungen Belgier Xavier Bwangombo. Aber wir hatten und haben auch jede Menge Verletzungspech zu beklagen“, erklärte Aslan.

Dabei traf es nicht irgendwen, sondern besonders die Leistungsträger der Schürener. Torwart Sascha Samulewicz laborierte lange an einer Knochenabsplitterung und musste operiert werden, Jannick Marth kam im Sommer vom ASC 09 Dortmund und hat nach einer Muskelverletzung erst zwei Spiele absolviert, Mittelstürmer Kamil Bednarski hat Probleme mit den Adduktoren und spielt nur unter Schmerzen, Björn Menneke laboriert an Muskelproblemen und kam überhaupt noch nicht zum Einsatz.

„Das wirkliche Problem ist, dass unsere Leistungsträger gefehlt haben. Schon in der Vorbereitung. Das macht sich besonders in der Offensive bemerkbar. Mit ein wenig mehr Durchschlagskraft im Offensiv-Bereich wäre das eine oder andere Spiel, das wir verloren haben, ganz anders ausgegangen“, ist sich Aslan sicher.

Punkte nur gegen Wickede und Lennestadt

Auf jeden Fall hatten sich der Sportliche Leiter und sein Trainer die Saison komplett anders vorgestellt. Aslan hatte als Ziel einen „einstelligen Platz in der Westfalenliga“ ausgegeben. Arthur Matlik wollte so früh wie möglich Punkte sammeln und ein gutes Polster haben. Fakt ist: Nach sieben Spieltagen stehen fünf Niederlagen, ein Sieg (gegen Schlusslicht Lennestadt) und ein Remis (gegen den Vorletzten Westfalia Wickede) zu buche. Platz 15 ist gleichbedeutend mit einem Abstiegsplatz.

Dabei klingen die Namen der Neuverpflichtung durchaus nach Qualität. Im Sommer kam Jonas Acquistapace. Lange Jahre spielte er für den VfL Bochum, dann für den Regionalligisten SV Lippstadt. Der Abwehrrecke gilt als absolute Verstärkung. Das soll auch für Massimo Ornatelli und Xavier Bwangombo gelten. Der Ex-Dortmunder und danach vereinslose Ornatelli hat vor gut einer Woche seinen Vertrag in Schüren unterschrieben.

Der Belgier Bwangombo, der zunächst für die U19 des RSC Anderlecht und dann für die U19 des VfL Bochum spielte, laborierte zuletzt an einer schweren Knieverletzung. Eine Einigung mit dem gebürtigen Belgier ist vergangene Woche erfolgt. „Ein halbes Jahr wird Xavier bei uns spielen, am Ende der Saison werden wir weitersehen“, so Mehmet Aslan.

Warum ausgerechnet nach Schüren?

Bleibt die Frage nach den Motivationsgründen, warum erstklassige Namen wie Acquistapace, Ornatelli oder auch Bwangombo zum kriselnden Westfalenligisten BSV Schüren wechseln. Ist es das Geld, sind es andere Versprechungen? Dem widerspricht Aslan vehement: „Nein, wir können keine Unmengen an Geld bezahlen. Wir helfen den Spielern allerdings bei der Suche nach einem Job.“ Doch widerspricht eine Verpflichtung wie die des bald 35 Jahre alten Massimo Ornatelli nicht auch dem ausgegeben Ziel, in Schüren eine Mannschaft mit jungen Spielern aufzubauen?

„Dieses Projekt verfolgen wir natürlich weiter. Aber im Augenblick benötigen wir einfach Spieler, die uns sofort weiterhelfen, die jetzt Qualität besitzen“, erklärte der Sportliche Leiter die Beweggründe.

Trainerstab wird erweitert – Bednarski auch Co-Trainer

Zudem sollen gestandene Spieler in den Trainerstab integriert werden. „Unser Trainer Arthur Matlik ist da Gold wert. Er hat eine unglaubliche Kompetenz, der Austausch funktioniert bestens. So ist Bednarski bereits als einer von zwei Co-Trainern aktiv. Acquistapace und Ornatelli streben zudem eine Trainer-Lizenz an“, sieht Aslan der Zukunft positiv entgegen.

Wäre da nicht auch noch Corona. Das Ziel eines einstelligen Platzes hat Aslan bereits revidiert. Jetzt wäre man in Schüren schon froh, am Ende der Saison nicht zu den Absteigern zu gehören. „Der Nicht-Abstieg ist ein realistisches Ziel“, so Mehmet Aslan, der auf einen schnellen Re-Start in die Saison und so viele Spiele wie möglich im Jahr 2021 hofft. „Was ich nicht möchte“, so der Sportliche Leiter des Westfalenligisten, „ist, dass nur die Hinrunde gewertet wird.“

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Ein waschechter Dortmunder, Jahrgang 1957. Vor dem Journalismus lange Jahre Radprofi, danach fast 30 Jahre lang Redakteur bei Dortmunder Tageszeitungen, seit 2015 bei den Ruhr Nachrichten, natürlich im Sport.
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Peter Kehl

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