Borussia Dortmund II

BVB-Talent Taylan Duman wechselt zum Club: „Jetzt liegt es an mir“

BVB-U23-Spieler Taylan Duman schließt sich im Sommer dem 1. FC Nürnberg an. Der erhält einen flexiblen Spieler, der einen klaren Plan hat: Er will seine zweite Chance im Profifußball nutzen.
Vollzieht im Sommer den nächsten Karriereschritt: BVB-U23-Spieler Taylan Duman. © Thomas Bielefeld

Die Glückwünsche, sie schwappten quasi minütlich herein – privat und per Instagram, wie es heutzutage nun mal Usus ist. „Hard work pays off“, zu Deutsch: harte Arbeit zahlt sich aus, hieß es dort. Ein anderer Kollege ließ Taylan Duman – euphorisch – wissen, „proud“ zu sein, also stolz. Und ein weiterer versah seinen Beitrag mit einem Ausruf: „Endlich!“

Denn „endlich“ ergibt sich für Duman die zweite (attraktive) Möglichkeit, im Profifußball anzukommen: Im Sommer wird er zum 1. FC Nürnberg wechseln. Am vergangenen Dienstag regelte der 23-Jährige die dafür nötigen Details; er absolvierte den Medizincheck – und unterschrieb, wie diese Redaktion erfuhr, bis Sommer 2023.

BVB-Talent Taylan Duman haderte mit Friedhelm Funkel

Borussia Dortmund wird dabei nicht mehr abkassieren können. Duman geht ablösefrei, sein Vertrag läuft nach dieser Saison aus. Im Januar 2019 war er von Fortuna Düsseldorf gekommen, hatte dort einen Profi-Kontrakt besessen, war jedoch nur einmal in der 2. Bundesliga auf den Platz berufen worden. Der Draht zum damaligen Coach Friedhelm Funkel soll nicht optimal gewesen sein.

Funkel ließ das Talent nämlich nicht von der Leine, also schaute sich Duman nach einem anderen Arbeitgeber um – und wechselte zur Dortmunder U23. „Dass man beim BVB mehr Chancen hat, den Verein nach oben zu verlassen als bei Fortuna Düsseldorf“, sei der Hauptgrund für den Trikottausch, sagte er seinerzeit. Und formulierte seine Aufstiegsambitionen damit ganz offen und ehrlich.

BVB-Talent Taylan Duman freut sich über Nürnbergs Bemühungen

Die Regionalliga-Truppe der Borussia sollte nur das Sprungbrett sein, um den „next step“ zu gehen, wie auf Instagram so gerne heißt. Diesen nächsten Schritt darf Duman im Sommer vollziehen. Warum er dem Club seine Zusage gab? „Die Bemühungen des Vereins haben mich extrem gefreut“, erklärt Duman im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten.

„Ich habe mich mit Dieter Hecking (FCN-Sportvorstand, d. Red.) und Robert Klauß (Cheftrainer) getroffen“, sagt er. „Der Trainer hat mir aufgezeigt, was er mit mir vorhat. Er hat mir gezeigt, wie er spielen lassen möchte. Ich habe das Gefühl, dass ich dort gut hineinpasse. Deshalb habe ich mich für den Club entschieden, zumal das sein sehr, sehr traditionsreicher Verein ist.“

BVB-Talent Taylan Duman drückt dem 1. FC Nürnberg die Daumen

Er habe „die große Kraft des 1. FC Nürnberg“ spüren können, „als ich dort war. Wenn wir ehrlich sind, gehört der Verein in die Bundesliga. Für so einen traditionsreichen Klub spielt jeder Spieler gern“, meint Duman, der freilich um den komplizierten Ist-Zustand des FCN weiß. Die Nürnberger müssen zusehen, nicht erneut in Abstiegsgefahr zu geraten. 2020 retteten sie sich erst in der Relegation.

„Für mich gehört der Club mindestens in die Zweite Liga“, sagt Duman. „Ich hoffe, dass sie die Klasse halten werden. Da ist viel Qualität in der Mannschaft, deshalb bin ich überzeugt, dass sie es schafft. Ich werde mir die Spiele natürlich alle genau anschauen.“ Und Klauß und Co. die Daumen drücken – zuletzt geriet der Club-Trainer immer mehr in die Kritik.

BVB-Talent Taylan Duman ist anpassungsfähig

„Wenn Robert Klauß Trainer ist, wenn ich im Sommer komme, freue ich mich sehr“, so Duman. „Er hat mir genau gezeigt, was er mit mir vorhat. Als ich allerdings nach Dortmund gewechselt bin, gab es plötzlich auch einen Trainerwechsel. Jan Siewert war auf einmal in England.“ So schnell, meint der feine Techniker, gehe es ab und an im Fußballgeschäft.

Soll wohl heißen: Mit dem Abgang von Fußballlehrer Siewert zu Huddersfield Town ist er gut klargekommen, dann würde er es ebenso im Sommer, wenn Coach Klauß die Kommandobrücke wider Erwarten vorzeitig verlassen müsste. Was soll Duman auch sonst sagen? Er muss es ja nehmen, wie es kommt, hat derlei Anpassungsfähigkeit zudem schon häufiger bewiesen.

BVB-Talent Taylan Duman überzeugt auf rechts

Einerseits strategisch, als er den BVB-Wechsel vollzog und die Fortuna verließ. Andererseits sportlich, als er sich zum Schienenspieler entwickelte. Auf jenem Posten befindet sich Duman seit Saisonbeginn, hat das zentrale offensive Mittelfeld, das er zuvor bespielte, verlassen. In der 3-4-1-2-Anordnung des BVB II obliegt ihm die rechte Seite – beim aktuellen Regionalliga-Tabellenführer ist er unverzichtbar.

Zwar besitzt Duman keine herausragende Endgeschwindigkeit. Kraft seines guten Antritts kann er aber immerhin die ersten Meter in gutem Tempo zurücklegen – und lässt sich tiefer fallen, wenn sein Gegenspieler als Sprinter bekannt ist. Zuweilen passieren noch Stellungsfehler, doch die werden dem gelernten Offensiven verziehen. Wichtig ist er zuvorderst im Angriffsspiel.

BVB-Talent Taylan Duman ist flexibel

Dabei fällt Duman nicht als Flankenläufer auf. Vielmehr kippt er immer wieder ins Zentrum, wird dort auffällig als Steckpassgeber oder als torgefährliche Kraft. In bisher 19 Liga-Partien kommt er auf elf Treffer (vier per Elfmeter) und acht unmittelbare Torvorlagen. Duman ist guten Gewissens als spielintelligent zu bezeichnen – das hilft ihm mit Ball am Fuß und im Gegenpressing.

Wo der FCN mit ihm plant? „Sie haben mir gesagt, dass sie mich im Zentrum sehen, dass ich aber auch flexibel einsetzbar bin“, berichtet Duman aus den Gesprächen mit Hecking und Klauß. Ihm sei es selbstverständlich „egal, wo ich aufgestellt werde. Die Hauptsache ist, dass ich meine Leistung bringe“.

BVB-Talent Taylan Duman hat noch große Ziele mit der Borussia

Das Vertrauen der FCN-Chefs sei vorhanden – „jetzt liegt es an mir. Ich muss mich gut zeigen, muss viel Arbeit investieren. Dann wird der sportliche Erfolg hoffentlich von alleine kommen.“ Ob im mittigen Mittelfeld oder auf der Außenbahn, wo ihm die Nürnberger Verantwortlichen gleichermaßen „gute Eigenschaften“ bescheinigt hätten, so Duman.

Doch der Umzug nach Franken, der sei aktuell noch weit weg. Mit dem BVB habe er schließlich große Ziele. Nach dem finalisierten Transfer, der ihn „sehr froh“ mache, könne er sich „voll und ganz auf die letzten Monate bei Borussia Dortmund konzentrieren, um mich hier bestmöglich zu verabschieden“. Denn der Borussia, diese Bemerkung ist ihm wichtig, hat Duman viel zu verdanken.

BVB-Talent Taylan Duman lobt Mike Tullberg und Enrico Maaßen

„In mich wurde viel Vertrauen gesetzt“, sagt er, „nahezu jedes Spiel habe ich gemacht. Ich war über Monate bei den Profis dabei, konnte dort wichtige Einblicke gewinnen. Das ist nicht selbstverständlich – und das weiß ich sehr zu schätzen.“ Nach dem Abgang von Siewert gen England arbeitete Duman mit drei Trainer zusammen: Alen Terzic, Mike Tullberg und Maaßen.

Vor allem Coach zwei und drei hebt er dabei hervor. Tullberg habe ihm aufgezeigt, „welche Stärken ich habe. Und dass man bei sich bleiben muss, wenn es mal nicht so läuft. Sportlich habe ich gelernt, wie ich auf den verschiedenen Positionen aufzudrehen habe, wie ich mich bewegen muss“.

BVB-Talent Taylan Duman erhofft sich konstante Leistungen

Maaßen sei stattdessen spielfachlich über alle Zweifel erhaben, „taktisch geht nicht viel mehr“, sagt Duman. „Und wenn man so erfolgsbesessen ist, dann überträgt sich das auf die Mannschaft. Bei ihm habe ich eine komplett neue Position in einem neuen System kennengelernt. Dass es so gut klappt, liegt zu großem Teil an ihm.“

16 Mal ist Duman bei der Borussia noch auf der von ihm längst liebgewonnenen rechten Flanke eingeplant, 16 Spiele stehen in der Regionalliga West noch aus. „Ich hoffe, dass wir in den kommenden Wochen konstant bleiben“, sagt der Außendienstler. Und: „RWE oder Borussia Dortmund – einer von beiden Vereinen steigt am Ende auf. Ich hoffe, wir haben den längeren Atem.“

BVB-Talent Taylan Duman will aufsteigen

Die Meisterschaft, der Aufstieg in Liga drei – es wäre der formvollendete Abschluss seiner zweieinhalb Jahre andauernden BVB-Zeit. Die Glückwünsche würden nur so herniederprasseln.

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