Symbolbild: Inwiefern entlastet die Corona-Pandemie die Notaufnahmen aufgrund ausbleibender Sportverletzungen? © picture alliance / dpa

Corona-Lockdown im Sport hat seine positive Seite – das beweist ein Blick in die Krankenhäuser

Man mag es kaum glauben: Aber dass derzeit kein Amateursport betrieben wird, kann positive Seiten haben – sofern man das so auslegen möchte. Denn kein Sport kann weniger Verletzungen bedeuten.

Über ein halbes Jahr ruht der Amateursport in Deutschland. Kein Handball, kein Fußball, kein Basketball seit dem 1. November. Sportler wie Funktionäre befinden sich in einer schwierigen Zeit.

So wie man denn möchte, bringt diese Zeit aber auch ihre positiven Nebeneffekte mit sich: Denn seit dem 1. November heißt das auch, dass es weniger Sportverletzungen geben muss. Wie schaut es in den Krankenhäusern aus? Ist dort ein Rückgang in der Notaufnahme der sonntäglichen Sportverletzungen zu beobachten?

„Seit Beginn der Corona-Pandemie verzeichnen wir zunehmend weniger sporttraumatologische Verletzungen“, teilte Sarah Pawlik von der Sportklinik Hellersen in Lüdenscheid auf Anfrage der Ruhr Nachrichten mit. Die Klinik ist unter anderem spezialisiert auf Sportmedizin, arbeitet mit dem Deutschen Olympischen Sportbund und dem Deutschen Fußballbund zusammen. Der Rückgang infolge von Sportverletzungen finde sich sowohl in der Notfallaufnahme als auch in der regulären Ambulanz wieder, so Pawlik.

Ähnlich beschreibt es auch Klaus-Peter Wolter, Pressesprecher des Knappschaftskrankenhauses in Dortmund. „Die Kollegen in der Notaufnahme registrieren in der persönlichen Beobachtung, dass wir an den Wochenenden merklich weniger solcher Fälle (Verletzungen in Folge sportlicher Betätigung, Anm. d. Red.) haben.“

Eine exakte Auswertung der Notaufnahmen könne er nicht liefern, „da wir bei entsprechenden Verletzungen nicht den Hergang abrufbar speichern“, erklärt er. Weiterhin ereignen sich Unfälle aber bei „innerfamiliären Bewegungsspielen“, so Wolter.

Eine Veränderung der Verletzungsarten

Einen Rückgang der typischen Sportverletzungen beim Mannschaftssport am Wochenende beobachten auch die Ärzte im Marienkrankenhaus in Schwerte, sagt Marco Wilke, pflegerischer Leiter der Notaufnahme. Dagegen gebe es eine deutliche Zunahme von Individualsport-Verletzungen, besonders beim Radfahren, teilte er mit.

„Im Moment nehmen die Radunfälle zu. Das ist signifikant – hier beziehen sich die meisten Verletzungen auf den Schädel und die Hände“, sagt er. Die Verletzungen, die sich Sportler vor allem bei Mannschaftssportarten wie Fußball, Handball oder Basketball zuziehen, hätten dagegen vor allem den Schwerpunkt auf den Knien, Füßen, Händen und Armen.

„Weniger traumatische Verletzungen durch zweikampfintensive Kontaktsportarten“

Ähnliches berichtet auch Dr. Bartosz Wojanowski, der in Dortmund die Privatpraxis für Orthopädie betreibt. „Wir haben weniger traumatische Verletzungen durch zweikampfintensive Kontaktsportarten, vielmehr sind die Leute gezwungen, sich neu zu orientieren und andere Sportarten auszuüben, was sich in der Art der Verletzungen zeigt“, teilte die Praxis auf Anfrage der Ruhr Nachrichten mit.

Einen grundsätzlichen Rückgang von Sportverletzungen beobachte er zwar nicht, dafür aber eine Änderung der Art der Verletzungen. „So häuft sich die Anzahl an Überlastungserscheinungen durch beispielsweise den Laufsport.“ Es komme häufiger bei Hobbyläufern – sicher auch Fußballern, die sich fit halten – zu Sehnenentzündungen durch die „neue und ungewohnte, zum Teil auch unphysiologische Belastung“. Zugenommen hätten ebenfalls die Anzahl der Sturzverletzungen durch Rad- oder Inlinefahrer.

Die Beobachtungen der Ärzte bestätigt ebenso der Verband für Orthopädie und Unfallchirurgie (VLOU). „Tatsächlich stellen auch wir in vielen Kliniken weniger Sportverletzungen und ebenso weniger Schulunfälle fest, was angesichts der verordneten Aktivitätsreduktion aber wohl auch nicht verwunderlich ist“, so die Geschäftsstellenleiterin des VLOU, Kirsten Meyer.

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Niklas Berkel

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